31.03.2017

E-Prämie interessant für Unternehmen

Rund die Hälfte Neukäufe von Elektroautos durch Unternehmen Es fährt fast lautlos, man merkt es kaum – am Markt: das Elektroauto leidet unter Startschwierigkeiten. Die staatliche Förderung zündet bislang nicht richtig. Zunehmend wird sie aber von Unternehmen in Anspruch genommen. Bei Neuanmeldungen liegen sie gleichauf mit Privatpersonen.

Elektroauto an Ladestation

Anträge auf E-Prämie von Unternehmen

Anfangs interessierten sich vor allem Privatleute für einen staatlichen Zuschuss zum Kauf eines Elektroautos. Seit gut einem dreiviertel Jahr gibt es die E-Prämie. Nun wendet sich das Blatt offensichtlich. Mittlerweile werden mehr Anträge auf die Prämie von Unternehmen als von Privatpersonen gestellt. Von den bisher eingegangenen Anträgen entfallen laut Zwischenbilanz des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) vom Ende Februar 6.533 auf Unternehmen, auf Privatpersonen nur 5.886.

Batteriefahrzeuge vor Plug-in-Hybrid

Der Neukauf eines reinen Elektroautos wird dabei mit 4.000 Euro gefördert, der von Plug-in-Hybriden Autos mit einer Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotor plus extern aufladbarer Batterie mit 3.000 Euro. Insgesamt wurden 12.650 Anträge auf die E-Prämie gestellt, 7.107 davon für den Neukauf reiner Batterieelektrofahrzeuge, 5.540 auf Plug-in-Hybride und ganze drei auf Fahrzeuge, die ihre Elektrizität aus einer Brennstoffzelle beziehen. Die beiden beliebtesten reinen Elektroauto-Modelle sind der BMW i3 mit 2.146 und der Renault Zoe mit 1.227 Neuanmeldungen. Bei den Plug-in-Hybriden liegt der Audi A3 e-tron mit 1.698 vor dem BMW 225xe mit 1.245 Anträgen.

Flop ohne Effekt

Die Fachwelt zeigt sich angesichts solcher Zahlen eher ernüchtert. Stefan Bratzel, Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach, etwa gibt sich gegenüber dpa enttäuscht: „Obwohl ich ohnehin schon skeptisch war, ist das noch deutlich weniger, als ich erwartet hatte.“ Im Prinzip sei die E-Prämie ein „Flop“, sie habe „praktisch keinen Effekt“. Zum Vergleich: Bei der Abwrackprämie stellten 2009 Autokäufer allein in den ersten Wochen 150.000 Anträge auf Förderung.

Mangel an Dynamik

Selbst Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) räumt einen Mangel an „Dynamik“ bei der Nutzung der jetzigen Kaufprämie ein. Das sei aber ganz natürlich. „Nur wegen einer Prämie kauft man sich nicht einfach gleich ein neues Auto“, sagte der Minister der dpa. Er sei sicher, dass sich der alternative Antrieb durchsetzen werde. Das sei eine Frage der Zeit.

Mehr Reichweite, mehr Infrastruktur

Bratzel plädiert laut einem Bericht von „Zeit online“ für das Beschreiten anderer Wege. Aus seiner Sicht wären das attraktivere Pkw-Modelle mit mehr Reichweite und die Verbesserung der Infrastruktur. Für dieses Jahr sieht er Hoffnung auf Besserung. Verschiedene Elektroautos kämen mit erweitertem Aktionsradius auf den Markt wie der Opel Ampera-e. Er soll nach Labormessung 500 Kilometer weit mit einer Akkuladung fahren, der Renault Zoe mit theoretisch 400 und der VW e-Golf mit 300 Kilometern Reichweite.

400 öffentliche Ladestationen noch dieses Jahr

Je nachdem, wie schnell die Umsetzung läuft, könnte auch die Ankündigung der deutschen Autohersteller, ab 2017 rund 400 öffentliche Ladestationen einrichten zu wollen, dem Umweltbonus und damit der Elektromobilität etwas Schwung verleihen. Allmählich werde Bewegung in den Markt kommen, glaubt Bratzel. Einen Marktanteil von E-Autos und Plug-in-Hybriden 2017 von mehr als einem oder gar zwei Prozent hält er für theoretisch erreichbar.

Gesamtförderung kaum ausgeschöpft

Damit dürften beim Bafa auch mehr Anträge auf die E-Prämie eingehen. Nach aktuellem Stand wäre die zur Verfügung stehende Gesamtsumme von 1,2 Milliarden Euro bis zum Schlusstermin voraussichtlich 2020 nicht annähernd ausgeschöpft, wenn die Zahl der Anträge, die pro Monat hinzukommen, bei rund 1.500 bliebe. Der Fördertopf wird je zur Hälfte vom Staat und von den Autoherstellern gefüllt. Er reicht für 300.000 bis 400.000 geförderte Autos mit alternativem Antrieb.

 

 

Hinweis der Redaktion: Zusätzliche Vergünstigungen für Unternehmen

Für Unternehmen, die ihn noch mehr als bisher anzapfen wollen, bieten sich übrigens noch ganz andere Möglichkeiten, den Neukauf von Elektroautos für den Betrieb steuergünstig zu nutzen. Kurz vor Weihnachten hat das Bundesministerium für Finanzen neue Regelungen zur steuerlichen Förderung von Elektromobilität veröffentlicht. Welche Vergünstigungen diese für Unternehmen bieten, hat „Lohn- & Gehaltsprofi AKTUELL“ in seiner neuen Ausgabe (4/2017 März) en detail aufgeschlüsselt.

 

Autor: Franz Höllriegel