28.10.2021

Dringend gesucht: digitale Führung 4.0

Digital, global, flexibel – so könnte sie aussehen, die schöne neue Unternehmenswelt 4.0. Doch wie so oft im Leben: einer muss vorangehen. Auch bei der Digitalisierung. Führung 4.0 kennt sich nicht nur mit Technik aus. Sie erkennt auch Potenziale und passt ihren Führungsstil an.

digitale Führung 4.0

Inwiefern passt sich der Führungsstil an?

Heute heißt Führung oft noch:

  • einfache Problemebenen,
  • eher starre Organisation,
  • steile Hierarchien.

Das ändert sich gerade, bisherige Organisationsstrukturen weichen auf:

  • komplexere Probleme
  • wenn überhaupt, flache Hierarchien, deren Bedeutung nach und nach sinkt
  • Arbeiten in Teams, die sich je nach Problem- und Aufgabenstellung immer wieder neu erfinden.

Was wird aus der betrieblichen Kooperation?

Sie verschont der Wind der Veränderung nicht. Neue Formen der Zusammenarbeit entstehen:

  • Neue technische Möglichkeiten erlauben sie.
  • Mitarbeiter fordern sie zunehmend ein.
  • Mobiles Arbeiten und Homeoffice funktionieren, wie Corona

Welcher Anpassungsbedarf in der Führung ergibt sich im digitalen Umfeld?

Unternehmen werden kritisch hinterfragen:

  • Führungsstil
  • Führungsmodelle
  • Führungskräfte

Teams werden heterogener, geprägt durch verschieden alte, verschieden gebildete, verschieden erfahrene Mitarbeiter. Sie kommen dementsprechend unterschiedlich gut oder schlecht zurecht mit:

  • dieser Heterogenität,
  • den unterschiedlichen Kulturen,
  • den digitalen Anforderungen oder
  • der Nutzung neuer Kommunikationsformen.

Ein neuer Typ Mitarbeiter betritt Werkhallen und Büros. Er stellt andere Anforderungen an Arbeit. Er fordert Freiräume bei der Arbeit. Er strebt nach Selbstverwirklichung.

Tipp der Redaktion

Ganz gleich, ob Sie Fragen zu Mitarbeitergesprächen, Zielvereinbarungen oder Ihrem Führungsstil haben: „Führung & Management“ hilft praxisnah und zuverlässig. Erfolgreich als Führungskraft und Manager – So meistern Sie die Herausforderungen und optimieren das Unternehmen!

Wie wirkt sich das auf das Führungspersonal aus?

Die Arbeit wirkt zunehmend abteilungs- oder sogar unternehmensübergreifend. Führungskräfte haben weniger direkten Zugriff auf ihre Mitarbeiter. Sie müssen sich auf deren Loyalität und Motivation verlassen. Folge: zur Aufgabenerfüllung ist Spezialwissen gefragt.

Dies ist die Stunde der digitalen Führung. Sie liefert das Vorbild für den Digitalisierungsprozess im Unternehmen. Herausforderung ist dabei nicht, sich selbst mit den neuen Technologien zu beschäftigen oder diese im Arbeitsalltag als Führungskraft einzusetzen. Führung 4.0 stellt sich ihrer Aufgabe und Verantwortung.

Ist das wirklich ein so neues Modell? Hieß Führung nicht schon immer Delegieren?

Doch. Es hieß: Führungspersönlichkeiten sind Impuls- und Ideengeber. Das bleiben sie auch weiterhin:

  • Sie motivieren und fördern ihre Mitarbeiter,
  • schweißen Teams zusammen
  • bewähren sich in Konfliktsituationen und bei Widerständen gegen notwendige Veränderungen.

Innovationen gehen von Menschen aus, technische Hilfsmittel unterstützen. Dieses Umfeld zwingt Führungskräfte zur Erkenntnis:

  • sie verfügen nicht in allen Bereichen über das Spezialwissen
  • die eigenen Mitarbeiter sind in vielen Bereichen überlegen.

Wofür werden Führungskräfte noch gebraucht?

Sie sorgen für die für effektive Zusammenarbeit nötigen Beziehungen im Unternehmen. Jeder setzt sich möglichst freiwillig für die Unternehmensziele ein. Führungskräfte finden eine Balance zwischen den verschiedenen Rollen. Nicht zielführend wäre beispielsweise, wenn eine Führungskraft Visionen vermittelt, ihre eigenen Ideen aber an strukturierter Vorgehensweise scheitern.

Wie sollte eine Führungskraft 4.0 aufgestellt sein?

Sie versteht sich stärker als bisher als Ausbilder. Sie konzentriert sich darauf, die Stärken ihrer Mitarbeiter und die Zusammenarbeit untereinander zu fördern. Sie gibt den Mitarbeitern Art und Weise der Aufgabenerfüllung nicht mehr kraft ihrer vom Unternehmen verliehenen Autorität vor, sondern vereinbart sie mit den Mitarbeitern. Um den Digitalisierungsprozess voranzutreiben, sind Führungskräfte in der Lage,

  • Orientierung zu geben, indem sie sich und ihre Wirkung auf andere hinterfragen,
  • das gemeinsame Ziel zu betonen, indem sie das eigene Handeln an den Unternehmensleitlinien ausrichten und die visionären Unternehmensziele sichtbar unterstützen,
  • Veränderungen voranzutreiben, indem sie durch ihr Verhalten ihre Mitarbeiter für den Transformationsprozess begeistern, engagiert an Veränderungen mitzuwirken,
  • Verantwortung zu delegieren, indem sie:
    • diese ihren Teams übertragen,
    • Freiräume gewähren
    • mit Zielvorgaben, nicht mit Druck und Kontrolle führen,
  • den Einsatz moderner Technologien zu vorantreiben, indem sie hierbei:
    • eine Vorbildfunktion einnehmen,
    • auf das Einhalten von geltenden Regeln (z. B. Datenschutzvorschriften) achten
    • Mitarbeiter anhalten, ebenfalls neue Instrumente auszuprobieren und die Vorteile neuer Arbeitsformen zu erkennen,
  • Mitarbeiter weiter zu entwickeln, indem sie sie zur Nutzung von Weiterbildungsmöglichkeiten bringen und dafür sorgen, dass ausreichend Möglichkeiten bestehen, sich notwendiges Wissen anzueignen,
  • persönlich zu kommunizieren, indem sie trotz neuen Kommunikationsmöglichkeiten Gelegenheit für Zusammentreffen schaffen, den Mitarbeitern für persönliche Gespräche zur Verfügung stehen und Tür und Ohren offenhalten.

Was bedeutet das für Ihre Praxis als Führungskraft?

Mit einem konservativen, auf Steuerung und Kontrolle ausgelegten Führungsstil stoßen Sie als solche in einem digitalen, durch Vielfalt geprägten Umfeld an Grenzen. Was Sie benötigen, sind neue Werte und Tugenden, die Ihrem Führungsverständnis sogar diametral entgegenstehen können. Vor allem als ältere Führungskraft bedeutet das für Sie ein Umdenken und eine echte Einstellungsänderung. Sie werden mit den folgenden Rollen konfrontiert:

  • Als Experte in Führungsposition bringen Sie Ihr Fachwissen und Ihre Fachkompetenz zur Lösung von Problemen ein und vermitteln durch Ihre Erfahrung Sicherheit und Routine.
  • Als Manager gehen Sie strukturiert vor und legen Ihren Fokus auf messbare Ziele und Möglichkeiten zu deren gemeinsamen Erreichen.
  • Als Ausbilder legen Sie Ihren Schwerpunkt nicht auf das Ergebnis, sondern auf den Prozess. Sie wollen Ihre Mitarbeiter dabei unterstützen, Lösungen eigenständig zu erarbeiten und das eigene Potenzial zu entwickeln. Als Führungskraft nehmen Sie eine begleitende und beratende Funktion ein.
  • Sie sind als Ausbilder gefragt, zu vermitteln und zu schlichten, zu motivieren und Raum für die eigene Entwicklung zu schaffen.
  • Als Führungskraft entwerfen Sie Visionen für Ihr Unternehmen und machen die gemeinsamen Werte verständlich.
  • Sie vertreten die Interessen Ihres Unternehmens, aber auch des eigenen Bereichs – nach innen wie nach außen.

Digitalisierung durch Führung auf Knopfdruck?

Nein. Herausforderungen der Digitalisierung an Führungskräfte, Information auf Knopfdruck – falsch, wie Sie unser Beitrag „Digitalisierung verändert Führungskultur in Unternehmenswelt 4.0“ aufklärt.

Unternehmen suchen auf dem Arbeitsmarkt vergeblich nach dem perfekten Mitarbeiter. Dabei befindet sich dieser womöglich schon im Unternehmen – Sie als Führungskraft wissen es nur nicht. Woran das wohl liegen mag! Doch lesen Sie, was wir dazu in dem Beitrag „Zielvereinbarungen für Mitarbeiter formulieren“ geschrieben haben. Viel haben wir jetzt über Motivation, Interessieren, Begeistern von Mitarbeitern gelesen. Das hört sich schön an. Doch was ist darunter konkret zu verstehen und wie gelingen diese Vorhaben? Das haben wir in dem Beitrag „So gelingt Motivation im Vertrieb – in jeder Lage“ einmal näher untersucht.

Autor: Franz Höllriegel