08.07.2021

Dienstwagen: So erhöhen Sie als Arbeitgeber Ihre Attraktivität

Firmenwagen finden größte Verbreitung im Vertrieb. Dabei sind Prestigefahrzeuge durchaus nicht höheren Stufen der Gehaltsskala vorbehalten. Einmal gewährt, dürfen Sie als Arbeitgeber den Dienstwagen nicht willkürlich entziehen. Hier sollten Sie einige Dinge berücksichtigen.

Dienstwagen

Firmenwagen fast an der Tagesordnung

Firmenwagen sind nach wie vor ein fester Bestandteil deutscher Arbeitskultur. Und das trotz leicht schwächerem Wirtschaftsklima und Zunahme alternativer Mobilitätskonzepte. Rund zwölf Prozent der Beschäftigten nutzen hierzulande einen Dienstwagen. Das zeigt der „Firmenwagenmonitor 2019“ von Compensation-Partner, Hamburg, auf Grundlage der Daten von rund 182.000 Arbeitsverhältnissen. Demnach sind Firmenwagen in diesen Branchen mehr oder weniger an der Tagesordnung:

  • Großhandel 25,7 Prozent
  • Konsum- und Gebrauchsgüterbranche 23,7 Prozent
  • Baugewerbe 22,7 Prozent.

Einen Grund für diese Verbreitung sehen die Marktforscher in den Berufsbedingungen in diesen Branchen. Sie erfordert von den Mitarbeitern häufiges Unterwegssein der Straße – sei es auf dem Weg zu Handelspartnern oder zur aktuellen Baustelle. Für diese mobilen Einsätze stellten Arbeitgeber das entsprechende Fahrzeug zur Verfügung. Selten gebe es Firmenwagen hingegen in:

  • Krankenhäusern 1,2 Prozent
  • der öffentlichen Verwaltung und Behörden 1,7 Prozent.

Hier bekäme meistens nur Führungsspitzen ein Gefährt zur Verfügung gestellt.

Bei dem durchschnittlichen Bruttolistenpreis der je Branche genutzten Dienstwagen stechen andere Bereiche hervor:

  • Am teuersten sind Fahrzeuge in der Automobilindustrie mit im Schnitt 46.922 Euro und
  • im Bankensektor (46.913 Euro).

Hier geht es bei den Firmenwagen weniger um ein Transportmittel, als vielmehr Repräsentation – das Auto als Statussymbol und Aushängeschild des eigenen Unternehmens. Am anderen Ende des Spektrums finden sich:

  • soziale Einrichtungen (23.736 Euro) und
  • Kulturbetriebe (28.636 Euro).

Die Mitarbeiter müssen hier im Schnitt mit eher günstigen sowie pragmatischen Marken und Modellen vorlieb nehmen.

In keinem anderen Unternehmensbereich gibt es prozentual derartig viele Dienstwagen wie im Vertrieb – sowohl bei den Fach- als auch bei den Führungskräften:

  • 20,8 Prozent der Fachkräfte fahren hier einen Firmenwagen
  • bei den Führungskräften 63,1 Prozent
  • Beschäftigte Technik 13 Prozent
  • Beschäftigte IT zehn Prozent.

Bei den Beschäftigten mit Personalverantwortung fahren einen Dienstwagen:

  • Marketingführungskräfte 50,3 Prozent
  • leitende Techniker 46,1 Prozent

Selten in den Genuss eines Firmenwagens kommen:

  • Fachkräfte Steuern und Recht 3,6 Prozent
  • Führungskräfte Qualitätswesen 32,7 Prozent.

Firmenwagen nur bedingt zurückverlangen

Als Arbeitgeber dürfen Sie den einmal gewährten Dienstwagen nur von Ihrem Mitarbeiter zurückverlangen, wenn:

  • Sie im Überlassungsvertrag einen Widerrufsvorbehalt erklärt haben.
  • die sofortige Rückforderung billigem Ermessen entspricht.

Als Arbeitgeber haben Sie Ihrem Mitarbeiter den Firmenwagen zur privaten Nutzung überlassen. Er ist Teil des vereinbarten Entgelts. Deswegen können Sie nach der Rechtsprechung ihm den Firmenwagen nur auf dem Wege einer Änderungskündigung oder aufgrund eines vertraglich vereinbarten Widerrufsvorbehalts wieder entziehen. Ein solcher Widerrufsvorbehalt ist nur wirksam, wenn Sie die einzelnen Widerrufsgründe klar und verständlich formuliert haben. Der Vorbehalt zum Widerruf darf Ihren Mitarbeiter nicht unangemessen benachteiligen. Für den Fall einer Kündigung und einer wirksamen Freistellung hat die Rechtsprechung ausdrücklich einen entsprechenden Widerrufsvorbehalt für zulässig erklärt.

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Aber auch bei einem wirksamen Widerrufsvorbehalt dürfen Sie als Arbeitgeber den Firmenwagen nicht willkürlich zurückverlangen. Sie müssen vielmehr billiges Ermessen wahren, also auch die Interessen des Mitarbeiters an der Beibehaltung der Nutzung angemessen bei Ihrer Entscheidung berücksichtigen. Billiges Ermessen wahren Sie, wenn Sie als Arbeitgeber nicht nur Ihre, sondern auch die Interessen Ihres Mitarbeiters umfassend gewürdigt und beides sorgfältig gegeneinander abgewogen haben.

Bei einer Kündigung dürfen Sie Ihrem Mitarbeiter den Firmenwagen erst nach der rechtlichen Beendigung des Arbeitsverhältnisses entziehen. Etwas anderes gilt, wenn Sie im Überlassungsvertrag eine vorzeitige Rückgabe ausbedungen haben. Allerdings gewähren Sie Ihrem Mitarbeiter für diese Zeit einen finanziellen Ausgleich. Am besten Sie regeln dies, wie auch die anderen Anordnungen zur Freistellung, bereits im Kündigungsschreiben. Als Arbeitgeber müssen Sie im Streitfall die entsprechenden Anordnungen im Zusammenhang mit der Freistellung sowieso beweisen. Deswegen bietet es sich an, die Freistellung im Kündigungsschreiben zu erklären, da dessen Zugang ohnehin gerichtsfest sichergestellt werden muss.

Wichtige Aspekte, die Sie als Arbeitgeber bei Entziehung des Firmenwagens berücksichtigen

Sie als Arbeitgeber berücksichtigen bei der Entziehung des Firmenwagens und wägen die beiderseitigen Interessen gegeneinander ab. Für Sie sind dabei folgende Kriterien von Bedeutung:

  • Haben Sie den Pkw in erster Linie für Kundenbesuche überlassen?
  • Benötigen Sie den Pkw anderweitig dringend?
  • Bestehen sonstige betriebliche Gründe für eine Herausgabe des Dienstwagens?
  • Liegen in der Person oder im Verhalten des Mitarbeiters Gründe vor, die für einen Widerruf sprechen?
  • Auf Seite Ihres Mitarbeiter spielen folgende Umstände eine Rolle:
  • Steht Ihrem Mitarbeiter sonst kein anderer Pkw zur Verfügung?
  • Ist Ihr Mitarbeiter privat dringend auf den Pkw angewiesen?
  • Muss Ihr Mitarbeiter den geldwerten Vorteil trotz dem Entzug versteuern?
  • Kann Ihr Mitarbeiter sonstige Gründe anführen, die gegen den Widerruf sprächen?

Steht die Überlassung des Firmenwagens unter einem wirksamen Widerrufsvorbehalt und haben Sie als Arbeitgeber bei der Ausübung des Widerrufsrechts billiges Ermessen gewahrt, können Sie den Firmenwagen mit sofortiger Wirkung herausverlangen. Sie brauchen in diesem Fall keine Ankündigungs- oder Auslauffrist einzuhalten. Und eine Entschädigung an Ihren Mitarbeiter für den Entzug der privaten Nutzung entfällt auch.

Autor: Franz Höllriegel