02.03.2022

Corporate Benefits für Mitarbeiter

Der kluge Mann baut vor – der klügere Mann baut seinen Mann vor; sprich: Sie investieren in Mitarbeiterbindung. Besonders in Zeiten von Fachkräftemangel ein Rat, den Sie als vorausschauender Arbeitgeber beherzigen sollten. Schon mal was von Corporate Benefits gehört?

Corporate Benefits

Nein. Was ist Corporate Benefits?

Ein Aspekt der Mitarbeiterbindung, ein Angebot, das Sie als Unternehmen Ihrem Mitarbeiter machen, um sie möglichst lange an Sie zu binden. Eigentlich haben Sie kaum noch eine Wahl: Bewerber auf einen Arbeitsplatz in Ihrem Unternehmen warten mittlerweile geradezu auf Corporate Benefits von Ihnen. Besonders jüngere Bewerber, die auf flexible Arbeitszeiten und -bedingungen (Homeoffice) sowie auf Weiterbildung hoffen. Deshalb: seien Sie als Unternehmen nicht schüchtern! Trauen Sie sich! Teilen Sie Ihr Angebot offensiv auf Arbeitgeberbewertungsplattformen, Ihrer Webseite oder Messen aller Welt mit. Wer geheiratet werden will, sollte mit seinen Reizen nicht geizen – schon gar nicht in Zeiten von Fachkräftemangel.

Gibt es den überhaupt, den Fachkräftemangel?

Oh ja, haben Sie eine Ahnung! Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht mindestens ein Unternehmer beklagt, vergeblich nach Personal zu fahnden. Allerdings vermuten in der Tat manche, die Wirtschaft ihr „Gejammer über Engpässe“ bisweilen. Ob die Lage demgegenüber sogar noch ernster als gedacht, ist dazu haben wir Zahlen zusammengestellt in dem Beitrag „Fachkräftemangel von Experten unterschiedlich beurteilt“.

Was sind Beispiel für übliche Corporate Benefits?

In Umfragen nennen Beschäftigte und solche, die es werden wollen, einige Bereiche immer wieder, wie z.B.:

  • flexible Arbeitszeiten: Rund die Hälfte der Mitarbeiter hält dies für besonders wertvoll. Hier können Sie als Arbeitgeber deshalb gar nicht genug Konzepte anbieten.
  • Homeoffice: Schon vor Corona beliebt, aber damals noch ohne durchschlagenden Erfolg. Wenn Sie als Arbeitgeber das verweigern, handeln Sie nach Ansicht vieler Arbeitnehmer nicht mehr zeitgemäß. Deshalb: verschließen Sie sich diesem Wunsch nicht! Treffen Sie entsprechend viele Vereinbarungen in Arbeitsverträgen oder Betriebsvereinbarungen!
  • Weiterbildung: Immerhin fast ein Viertel der Beschäftigten wünscht sich mehr Qualifizierungsangebote von Ihnen als Arbeitgeber. Dieser Punkt trägt er nicht unerheblich zur erhöhten Mitarbeiterzufriedenheit bei. Zudem bewirkt dies bessere Arbeitsergebnisse des Arbeitnehmers.
  • betriebliche Altersversorgung: vielleicht bei Ihnen als Arbeitgeber nicht so hoch im Kurs, schätzen Beschäftigte dieses Angebot umso höher ein. Zudem sind Sie als Arbeitgeber vom Gesetz gehalten, Ihren Beschäftigten dies zu ermöglichen. Außerdem: in Anbetracht der düsteren Aussichten bei der gesetzlichen Rente führt hier kein Weg herum.
  • Dienstwagen: Nach wie vor sind Firmenautos bei Mitarbeitern beliebt, besonders in Ausformungen wie:
    • Hybrid- oder Elektrofahrzeuge
    • Zumal n städtischen Regionen ein Dienst-Fahrrad mit und ohne Elektroantrieb.
    • Arrangements zu Car-Leasing oder Car-Sharing.

Wenn Sie Mitarbeiter haben, die bei Ausübung ihrer Tätigkeit in hohem Maße mobil sein müssen, ist es häufig am günstigsten, ihnen einen Dienstwagen zur Verfügung zu stellen. Vergessen Sie auch nicht: die Überlassung eines Dienstwagens wird als Anreiz und Ausdruck einer gewissen Stellung im Unternehmen angesehen. Genau darin liegt allerdings ein gewisses Konfliktpotenzial, das Grundkenntnisse über die rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen unerlässlich macht. Und: Um den CO2-Ausstoß weiter zu reduzieren und die ehrgeizigen Klimaziele zu erreichen, hat sich die Bundesregierung entschlossen, die Nutzung von als besonders umweltfreundlich angesehenen Elektrofahrzeugen zu fördern. Hierzu wurde die bisherige Umweltprämie des Bundes durch die neue „Innovationsprämie“ ersetzt und der Förderbetrag verdoppelt.

  • Hunde im Büro: Ein oft geäußerter Wunsch. Das kann je nach Rasse und Charakter des Hundes durchaus gut fürs Betriebsklima sein, wenn auch mitunter ziemlich regelungsbedürftig. Nicht alle Kollegen mögen Tiere oder haben bestimmte Allergien dagegen. Kompromiss: Der Hund darf nur ab und zu mitgebracht werden.
  • Boni: Viele Arbeitnehmer freuen sich über zusätzliche finanzielle Leistungen des Unternehmens. Damit machen Sie als Arbeitgeber nichts falsch. Beachten Sie aber gesetzliche und insbesondere steuerliche Vorgaben!
  • Fitness: Wenn Sie als Arbeitgeber ein eigenes gutes Sportprogramm anzubieten haben, käme das gesundheitlichen Engagements von Arbeitnehmern entgegen, z.B.:
    • Mitgliedschaften im virtuellen oder realen Fitnessstudio
    • Yogakurse oder ähnliches.

Gibt es darüber hinaus Ideen zur Mitarbeiterbindung?

In der Tat: Geld und Aufstiegschancen machen besonders Nachwuchskräfte nicht mehr allein glücklich. Im Kampf um die besten Fachkräfte, dem War for Talents hat sich das herumgesprochen. Mittlerweile ist der Weg hin zum möglichst attraktiven Arbeitgeber komplexer.

Zur Mitarbeiterbindung gehören neben Gehalt und Karriere:

  • gute Work-Life-Balance
  • viel Flexibilität
  • interessante Aufgaben
  • große Gestaltungsspielräume.

Tipp der Redaktion

Ganz gleich, ob Sie Fragen zu Mitarbeitergesprächen, Zielvereinbarungen oder Ihrem Führungsstil haben: „Führung & Management“ hilft praxisnah und zuverlässig. Erfolgreich als Führungskraft und Manager – So meistern Sie die Herausforderungen und optimieren das Unternehmen!

An einen attraktiv gestalteten Arbeitsplatz, allen voran ein cooles Büro, denkt man vielleicht nicht sofort, Sie als Arbeitgeber aber vielleicht doch. Die  Bürogestaltung wird für Mitarbeiter immer wichtiger. Der Coworking-Anbieter Mindspace hat ermittelt, dass Mitarbeiter bei der Jobwahl die Arbeitsplatzgestaltung stärker als früher zum Entscheidungskriterium machen:

  • Jeder sechste Erwerbstätige in Deutschland (14 Prozent) hat demnach schon einmal ein Angebot in Bezug auf einen Job nicht angenommen, weil ihm die Umgebung am Arbeitsplatz nicht zugesagt hat.
  • Für rund elf Prozent der Millennials war die Bürogestaltung sogar schon Anlass, sich einen neuen Job zu suchen.

Ein Bekannter des Verfassers, jener ein Rechtsanwalt mit einer noch einigermaßen gut gefüllten Mandantenkartei in einer kleineren norddeutschen Großstadt, berichtet, dass immer mehr Absolventen mit abgeschlossenem Jurastudium ein Jobangebot bei ihm ausschlügen. Begründung: die kleinere Großstadt wäre heute doch eher eine etwas größer geratene Kleinstadt. Das Angebot des Einsatzortes kann also durchaus eine Rolle für die Mitarbeiterbindung spielen.

Kann die Bürogestaltung motivierend sein?

Ja, ein echter Mehrwert sogar, wie eine Umfrage des Industrieverbandes Büro und Arbeitswelt (IBA):

  • Beschäftigte, denen die Gestaltung ihres Arbeitsplatzes gefällt, empfehlen demnach ihren Arbeitgeber zu 98,3 Prozent weiter.
  • Bei den Unzufriedenen liegt die Weiterempfehlung nur bei 17 Prozent.
  • Immerhin jeder dritte Job wird auf der Basis von Empfehlungen und persönlichen Kontakten besetzt.

Eine Forsa-Studie des IBA zeigt, dass Firmen, die hier Verbesserungen herbeiführen, von motivierteren und damit produktiveren Beschäftigten profitieren. Rund 78 Prozent der befragten Mitarbeiter meinen, dass der Wohlfühlfaktor der Arbeitsplatzumgebung ihre Leistungsfähigkeit unmittelbar beeinflusst.

Wie steht es mit mehrere Leistungen im Paket?

Auch nicht schlecht! Damit können Sie als Arbeitgeber attraktive Win-win-Situationen für sich und ihre Beschäftigten schaffen. Bieten Sie doch Corporate Benefits im Paket an, wie z. B.:

  • steuerfreien Zuschuss zum Kindergartenplatz,
  • E‑Bike als Firmenfahrrad,
  • Beitrag für das Fitnessstudio als steuerfreier Sachbezug
  • zertifizierte, betriebliche Gesundheitsleistungen.

Alles in zu einem Paket geschnürt, bedeutet dies neben den wertvollen Leistungen direkte Steuerersparnisse für Ihre Beteiligten.

Was kommt besser: Benefits oder Gehaltserhöhung?

Sie als Arbeitgeber verteilen vermutlich lieber Benefits als Gehaltserhöhungen. Mögliche Steuerersparnisse winken hier nicht nur für den Arbeitnehmer, sondern auch für Sie als Unternehmer. Allerdings haben Corporate Incentives für Beschäftigte einen Nachteil: Für sie zahlen sie keine Sozialabgaben. Deswegen wirkt sich dies nicht auf die gesetzliche Rente aus. Sprechen Sie als Arbeitgeber diesen Punkt in jedem Fall an!.

Was heißt das für Sie als Arbeitgeber in der Praxis?

Regel Nr. 1: Grenzen Sie als Arbeitgeber bei der Planung von Corporate Benefits keine Gruppe Ihrer Mitarbeiter ohne Grund aus! Benachteiligen Sie niemanden! Sie können zwar einzelne Leistungen nur einzelnen Gruppen zugutekommen lassen. Das ist mitunter sinnvoll, denn nicht jeder braucht z. B. Tankgutscheine oder Zuschüsse zur Kita. Sie sollten aber für eine Differenzierung nur sachliche, objektiv nachvollziehbare Gründe haben.

Regel Nr. 2: Dokumentieren Sie Ihre Corporate Benefits genau! Sie erleichtern Sie sich unter Umständen nicht unbeträchtlih mit dem Einsatz entsprechender HR-Software. Als Arbeitgeber halten Sie immer fest, welche Leistungen Sie im Einzelnen anbieten und welche Ausgaben damit pro Teilnehmer verbunden sind. Nur beispielsweise die Kosten für den Rückenkurs insgesamt aufschreiben, das reicht nicht. Dabei sollten Sie den Preis pro teilnehmenden Beschäftigten notieren. Sie brauchen zudem Teilnahmebescheinigungen. Bei Kita-Zuschüssen sind Quittungen hinsichtlich der Betreuung erforderlich.

Bei Tankgutscheinen ist der Nachweis erforderlich, dass diese nicht in Bargeld umgetauscht werden können. Was Sie als Arbeitgeber bei dem Angebot von Tankgutscheinen berücksichtigen müssen, haben wir für Sie aufbereitet in dem Beitrag „Wie kann man sich bei der Ausgabe von Tankgutscheinen steuerlich absichern?“. Desgleichen sind bei Prepaid-Karten und Geschenken sowieso bestimmte steuerrechtliche Regelungen zu beachten. Welche, lesen Sie in unserem Beitrag „Arbeitslohn: So bewertet das Finanzamt Prepaid-Karten und Geschenke“. Wer denkt, mit Ausbildung und Studium sei die Sache mit der Karriere gelaufen, täuscht sich. Jetzt ist langfristige Employability gefordert. Im eigenen Interesse auch von Ihnen als Arbeitgeber. Dazu alles, was Sie wissen müssen, in unserem Beitrag „Employability – eine unternehmerische Verantwortung“.

Autor*in: Franz