11.06.2018

Compliance Barometer fällt, hohes Risiko für Mittelstand

Note zwei bis drei – bessere Zensuren erhalten deutsche Unternehmen in Sachen Compliance nicht. Das liegt zum Teil daran, dass die Unterstützung durch das Management sinkt. Zum anderen hinken mittelständische Unternehmen hinterher, wie Studien zeigen.

Compliance

CMS Compliance Barometer

Die Strukturen sind zwar gut – allein es fehlt die Unterstützung durch das Management. Deutsche Unternehmen waren in Sachen Compliance noch nie so gut aufgestellt wie heute. Zu diesem Ergebnis kommt das aktuelle „CMS Compliance Barometer“. Dafür ließ die Wirtschaftskanzlei CMS das Marktforschungsinstitut Ipsos anonym Compliance-Verantwortliche aus 200 großen Unternehmen mit mindestens 500 Mitarbeitern repräsentativ branchenübergreifend befragen. Die Studie und der Index erscheinen jährlich.

Die Unternehmen hierzulande haben demnach im vergangenen Jahr ihre Compliance-Strukturen und internen Schulungsprogramme im Vergleich zu den Vorjahren weiter ausgebaut. Sie haben in dieser Hinsicht sogar mit 67,1 von möglichen 100 Zählern auf dem „Compliance-Index“ Rekordniveau erreicht. Der Index gibt an, wie stark Compliance in Großunternehmen implementiert ist. Derzeit haben vier von zehn der deutschen Unternehmen eine eigene Compliance-Abteilung. Mehr als die Hälfte der Unternehmen haben laut Studie ihre personellen und finanziellen Ressourcen der Compliance-Abteilungen erhöht. Entsprechend seltener nähmen Mitarbeiter aus der Rechtsabteilung oder dem Controlling und Risikomanagement Compliance-Aufgaben wahr.

Unterstützung durch das Management sinkt

Im Gegenzug lässt das Compliance-Bewusstsein auf Seiten des Managements nach. Es werde geringer eingeschätzt als in den Vorjahren. Auch die Bereitschaft des Managements, Compliance-Themen zu unterstützen und voranzutreiben, hat aus Sicht der befragten Compliance-Beauftragten in den letzten drei Jahren abgenommen und liegt nach 79 Prozent im Jahr 2015 jetzt nurmehr bei 71 Prozent.

Compliance- und Haftungsrisiken steigen

Dr. Harald W. Potinecke, Leiter der deutschen Compliance und Forensic Services-Gruppe bei CMS, beobachtet, dass „die jüngsten Compliance-Skandale das Bewusstsein des Managements für diese Themen offenbar noch nicht hinreichend gestärkt“ hätten.

 ->   Ein unzureichendes Bekenntnis der Unternehmensleitung könne aber Compliance- und Haftungsrisiken mit sich bringen, sowohl für das Unternehmen als auch für die Unternehmensleitung.

Strukturen werden professioneller

Insgesamt professionalisieren sich die Compliance-Strukturen in den befragten Unternehmen. Wie bereits in den vergangenen Jahren verfügen acht von zehn Firmen (83 Prozent) über einen Code of Conduct.

Gleichzeitig bauen die Unternehmen ihre Schulungsaktivitäten zur Vermittlung der Verhaltensanforderungen aus. 2015 gab es bei weniger als der Hälfte der Unternehmen interne Schulungen, 2017 es dagegen schon bei 71 Prozent. Sieben von zehn Unternehmen schulen ihre Mitarbeiter mindestens einmal jährlich zu Compliance-Themen.

Bei internen Ermittlungen setzten die Unternehmen verstärkt auf externe Berater. 70 Prozent der Studienteilnehmer führten Internal Investigations mit externen Beratern durch. Auch das werten die Forscher als Zeichen für einen professionellen Umgang bei Verdachtsfällen.

Als größte Compliance-Risiken gelten bei den Studienteilnehmern nach wie vor

  • Datenschutz,
  • Korruption,
  • Haftungsfragen.

Kartellrechtliche Fragen und Geldwäschethemen spielen dagegen eine eher untergeordnete Rolle.

Größte zukünftige Herausforderung

Die größten externen Herausforderungen in der Zukunft sehen die Compliance-Officer in der zunehmenden gesetzlichen Regulierung sowie in diversen Spezialthemen, etwa der wachsenden Bedeutung

  • des Datenschutzes und
  • des Außenwirtschaftsrechts sowie
  • Anforderungen an die Geldwäscheprävention.

Dies gelte insbesondere für Unternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitern.

Gesetzliche Vorgaben, Verordnungen, Spezifikationen

Demgegenüber hält der Mittelstand noch längst nicht ausreichende Compliance-Strukturen vor, um nachweisen zu können, dass die Unternehmen gesetzliche Vorgaben, Verordnungen, Spezifikationen oder unternehmensinterne Richtlinien einhalten.

Dies ergibt die Studie „Compliance – Brennpunkte im Mittelstand“, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ebner Stolz gemeinsam mit dem FAZ-Institut der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ in Auftrag gegeben hat. Dazu wurden in der zweiten Jahreshälfte 2017 exklusiv 447 Entscheider der ersten und zweiten Führungsebene mittlerer und großer Unternehmen zu Compliance-Brennpunkten befragt.

Hohes Schadensrisiko

Das ernüchternde Ergebnis: Jedes fünfte Unternehmen war in den vergangenen zwei Jahren mit Compliance-Verstößen befasst – mit mitunter beträchtlichen Schadenssummen. So bezifferten 42 Prozent der von Compliance-Verstößen betroffenen Unternehmen ihren Schaden auf über 100.000 Euro; bei mehr als der Hälfte der Unternehmen betrug der Schaden 50.000 Euro und mehr.

Einhaltung von gesetzlichen Bestimmungen

Immerhin: dem Thema widmen sich zunehmend auch kleinere Firmen, berichtet „Personaltipp AKTUELL“ (07/2018). Im Kern bedeutet Compliance die Einhaltung von gesetzlichen Bestimmungen und unternehmenseigenen Regeln und Geboten und sollte nach Ansicht des Beratungsbriefs für aktuelles Arbeitsrecht eigentlich selbstverständlich sein. Eigentlich.

Doch hätten zahlreiche Skandale in der Vergangenheit gezeigt, dass geltende Gesetze häufig missachtet werden und so z. B.

  • Bestechungen und Schmiergeldzahlungen,
  • Steuerhinterziehung  und Hinterziehung von Sozialversicherungsbeiträgen usw.

nicht unüblich seien. Dabei kann die Befolgung von Compliance-Regeln nicht nur dazu gut sein, Verstöße von Mitarbeitern, angeblich zum Wohle des Unternehmens, aufzudecken, sondern auch solche zu seinen Lasten. Was Unternehmen tun sollten, wie sie Compliance-Strukturen am besten aufbauen, dazu bringt der Newsletter eine Fülle von Informationen und wertvollen Hinweisen.

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Autor: Franz Höllriegel