News | Steuern 27.04.2016

Clevere Eltern können bei Kinderausbildung Steuern sparen

Realitätsfernes Finanzgerichtsurteil zur Absetzbarkeit von Studienkosten. Die Realität ist: In Deutschland wird zu wenig geboren. Beschönigend heißt das: Demographischer Wandel. Der Staat will das ändern und Deutschland kinderfreundlich machen. Doch seine Finanzrechtsprechung hält davon wenig. Wie realitätsfern sie ist, zeigt ein Urteil des FG Münster.

Studiengebühren

Steuern clever gestalten

Die gute Nachricht vorweg: Eltern können bei der Ausbildung ihrer Kinder durchaus Steuern sparen. Sie müssen ihre Steuern nur clever genug gestalten. „SteuerSparbrief AKTUELL“ sagt in der neuen Ausgabe (5/2016 April), wie. Ganz einfach:

  • man kaufe als Eltern seinem Sprössling am Studienort eine Eigentumswohnung,
  • schließe sodann mit ihm einen steuerlich wirksamen Mietvertrag für dieselbe ab und
  • lasse ihn dann die Miete monatlich zahlen, gerne auch aus den laufenden Unterhaltszahlungen, die man zuvor an das Kind gezahlt hat.

Workaround statt direkter Absetzbarkeit

In der Computersprache würde man das ein Workaround nennen. Es wird dort angewandt, wo es direkt nicht funktioniert. So auch hier: Direkt wäre, wenn man Studienkosten des eigenen Kindes als Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten absetzen könnte. Das funktioniert aber nicht. Ein selbstständiger Unternehmensberater hat es versucht. Und holte sich beim Finanzgericht prompt eine Abfuhr.

Übernahme Studienkosten gegen Eintritt in väterlichen Betrieb

Seine beiden Kinder studierten BWL bzw. „Business and Management“. Beide waren neben dem Studium im väterlichen Unternehmen geringfügig beschäftigt. Der Familienvater übernahm die Studienkosten beider Kinder. Dafür verpflichteten die sich, nach dem Studium drei Jahre im Unternehmen tätig zu bleiben oder die Ausbildungskosten anteilig zurückzuzahlen.

Studienkosten beruflich veranlasst?

Unser Unternehmensberater dachte nun, die Studienkosten seien beruflich veranlasst und er könnte sie als Betriebsausgaben steuermindernd geltend machen. Schließlich werde damit ja die Unternehmensnachfolge durch seine Kinder ermöglicht und qualifiziertes Personal für die Zukunft gesichert. Doch Finanzamt und Finanzgericht Münster sahen das ganz anders.

Ausbildungskosten der Kinder keine Betriebsausgaben

Für sie stellten die Ausbildungskosten der eigenen Kinder keine Betriebsausgaben dar. Sie sahen nur die ohnedies bestehende Unterhaltspflicht des Familienvaters. Schon deswegen habe bei ihm eine private Motivation für die Finanzierung des Studiums zumindest mit vorgelegen. Eine Trennung nach objektiven und scharfen Maßstäben sei nicht möglich, also: Abzugsverbot, Punktum.

Keine ausschließlich betrieblichen Erwägungen

Vielleicht wäre es etwas anderes gewesen, wenn den Vereinbarungen zwischen Vater und Kindern nahezu ausschließlich betriebliche Erwägungen zugrunde gelegen hätten. Davon wollte das Gericht aber vor dem Hintergrund der unterhaltsrechtlichen Verpflichtung nichts wissen. Vielmehr sei die private Sphäre zu intensiv berührt, eine nur unbedeutende private Mitveranlassung scheide aus.

Finanzgerichte und demographischer Wandel – Welten

SteuerSparbrief AKTUELL“ wartet in dem Bericht mit umfangreichen Hilfestellungen für Selbstständige und Unternehmer, Expertentipps und Übersichten wie Checklisten etwa zum Ausbildungsfreibetrag auf. Wirklich eine höchste informative Lektüre! Sie vermag allerdings an einem auch nichts zu ändern: an der Realitätsferne deutscher Finanzgerichte in Sachen demographischer Wandel.

 

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Autor: Franz Höllriegel