News | Steuern
01.02.2016

Britische Unternehmen wehren sich gegen ungerechte Steuern

Britischem Finanzministerium Plan für alternative Besteuerung vorgelegt.

Jahr für Jahr schleusen große Konzerne Profite in Steueroasen. Und Jahr für Jahr zahlen weniger betuchte Unternehmen brav ihre Steuern in ihrem Stammland – in zunehmend aussichtsloser Konkurrenz zu den Großen. In Wales wollen sich das Kleinunternehmer nicht länger gefallen lassen und wehren sich gegeb ungerechte Steuern.

ungerechte Steuern© DragonImages /​ fotolia.com

Plan zur legalen Steuervermeidung

Crickhowell (Wales). 1. Februar 2016 – Was die Großen wie Starbucks oder Amazon können, warum sollen wir kleinen das nicht auch können? Das fragten sich Unternehmer in der walisischen Kleinstadt Crickhowell – und entwarfen einen Plan zur legalen Steuervermeidung in ihrem Heimatland.

Kleines Café Teil eines Firmenkonstruktes

Die TV-Sendung „Plusminus“ (ARD) berichtet über die Unternehmen, darunter eine Lachsräucherei, einen Bäcker oder ein kleines bislang inhabergeführtes Café. Dessen Besitzer ist Steve Lewis. Sein Café ist jetzt nicht mehr inhabergeführt, sondern wie andere Unternehmen am Ort Teil eines komplizierten Firmenkonstruktes.

Keine Steuerhinterziehung – gerechte Besteuerung

Die kleinen Geschäftsleute wollten nicht Steuern hinterziehen. Sie wollten nur gerechte Steuern. „Fair Tax Town“ heißt ihre Rebellion, Crickhowell, Stadt der gerechten Steuer. Entweder zahlen alle Steuern oder keiner, so das Motiv der Unternehmer. Deshalb haben sie jetzt die Steuertricks der Konzerne einfach kopiert.

Steuerkonzept eines Konzernes abgeschaut

„Ich habe mein Leben lang Steuern gezahlt, doch damit ist nun Schluss“, kommt in der Sendung Lewis zu Wort. Man habe sich das Steuerkonzept eines Konzernes abgeschaut, der seit Jahren keine Steuern zahlt. Das müssten die Steuerbehörden auch in Großbritannien akzeptieren, so Lewis‘ Forderung. Denn womit er und seine kleinen Unternehmerkollegen jetzt begännen, das täten die großen Konzerne doch schon lange.

Walisisches Experiment Blaupause auch für Deutschland?

Das walisische Experiment könnte schon bald auch in Deutschland Schule machen. Denn das unfaire Steuersystem belastet auch hier kleine Geschäfte. „Plusminus“ führt als hiesiges Beispiel André George, Inhaber einer kleinen Patisserie in Dresden, an. Er zahlt demnach jedes Jahr bis zu 30 Prozent Steuern. Um dazu überhaupt in der Lage zu sein, müsse er hart arbeiten. Alles, was er verkaufe – vom Törtchen bis zum Croissant –, sei aus eigener Herstellung. Hier backe der Chef noch selbst. Und auch sonst sorge der Laden dafür, dass George nahezu pausenlos beschäftigt ist. „Aber wofür?“ fragt er in der Sendung.

Arbeiten für den Staat

Für George persönlich bedeute das 100 bis 120 Arbeitsstunden pro Woche, keinerlei Freizeit und die Wohnung sei eigentlich nur noch fürs Duschen und so vier bis fünf Stunden Schlafen da. George: „Und sonst heißt es eben eigentlich, nur für den Staat zu arbeiten.“

Starbucks arbeitet für sich

Sein größter Konkurrent in Dresden ist die US-Kaffeehauskette Starbucks. Sie hat sich überall in Deutschland ausgebreitet. Nach Recherchen von „Plusminus“ zahlte Starbucks von 2002 bis 2012 in Deutschland keine Steuern. Aktuellere Bilanzen lägen bisher nicht vor.

Starbucks: 650 Mio. Euro Umsatz – 0 Euro Steuern

Starbucks habe jedoch inzwischen über 650 Millionen Euro Umsatz gemacht. Der Trick: Starbucks weise in Deutschland nur Verluste aus. Dies gelinge durch die geschickte Kombination diverser Steuertricks.

Strategie der Steuervermeidung

Diese Strategie der Steuervermeidung trieb die Menschen in Großbritannien bereits auf die Straße. Als öffentlich wurde, dass Starbucks auch hier seit Jahren kaum Steuern zahlt, kam es landesweit vor deren Cafés zu tumultartigen Szenen. Britische Kunden riefen zum Boykott auf: „Starbucks pay your tax!“, forderten sie, „Starbucks, zahl deine Steuern!“

Starbucks-UK lenkt ein

Nicht ohne Erfolg: Kurze Zeit darauf habe der Chef von Starbucks Großbritannien angekündigt, zumindest in Großbritannien seinen Steueransatz ändern zu wollen. Für 2013 und 2014 wolle man jeweils 10 Millionen Pfund Steuern zahlen, auch bei Verlusten.

Starbucks Deutschland: Steuerpraxis nach geltendem Recht

Und in Deutschland? Starbucks teilt „Plusminus“ mit, dass ihre Steuerpraxis nach geltendem Recht erfolge … Und das versprechen die Steuerfreunde aus Crickhowell in Wales von ihrem Konzept auch. Laut der britischen Zeitschrift „Independent“ haben sie es bereits den Finanzbehörden zur Prüfung vorgelegt. Jetzt ist die Regierung am Zug: entweder sie passt die Steuergesetze an oder nicht. Für diesen Fall haben die Unternehmer von Crickhowell angekündigt, ihr Konzept im ganzen Land zur Anwendung zu bringen.

Crickhoweller vor großen Herausforderungen

Ein Ding der Unmöglichkeit? Nicht für echte Crickhoweller. Der größte Sohn der Stadt war George Everest (1798-1866). Nach ihm ist der höchste Berg der Welt benannt. Warum, ist allgemein bekannt, jedenfalls nicht, weil er vor großen Herausforderungen zurückgeschreckt wäre.

Autor: Franz Höllriegel 

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