07.05.2018

Bitcoin entwickelt sich immer mehr zur Gold-Währung

Mal hoch, mal runter – der Kurs der Internet-Währung Bitcoin hat in den vergangenen Wochen eine regelrechte Achterbahn zurückgelegt. Dabei kommt es nicht darauf an, dass es möglichst viele Bitcoins gibt. Im Gegenteil: je seltener, desto teurer, wie beim Gold auch. Das digitale Gold besteht mittlerweile aus drei digitalen Währungen.

Bitcoin

80 Prozent aller Bitcoins „gemint“

Am 26. April wurde der 17-millionste Bitcoin geschürft. Das meldet die Bitcoin-Plattform „BTC-Echo“. Damit seien gut 80 Prozent aller Bitcoins „gemint“, das heißt, in einem virtuellen Notizblock, dem Kostenbuch oder englisch „Ledger“, vermerkt. Das Besondere am Bitcoin ist, dass er digital und selten ist. Digitale Dateien wie beispielsweise ein Word-Dokument lassen sich beliebig oft kopieren. Nicht so Bitcoins. Die Menge aller Bitcoins wurde von dem Bitcoin-Erfinder, angeblich einem Japaner namens Satoshi Nakamoto, dessen Existenz allerdings nie einwandfrei nachgewiesen wurde, bereits vor dem Genesis-Block, dem ersten Bitcoin-Block, festgelegt: 21 Millionen. Dieses Limit ist seither eines der wichtigsten Attribute der Kryptowährung.

Seltenheit in der digitalen Welt

Nakamotos Ziel: Seltenheit in der digitalen Welt – ein digitales Gut. Bitcoin beruht auf dem Ende-zu-Ende-Nachweissystem Blockchain, der Kette von virtuellen Notizblocks. Nakamoto wendete dieses Prinzip auf die Finanzwelt an und erfand das Ende-zu-Ende-System für elektronische Zahlung, Peer To Peer Electronic Cash System. Wie „BTC-Echo“ erklärt, modellierte er die Ausschüttung des Geldes an einem Gut aus der echten Welt: Gold. Beiden, Gold und Bitcoin, ist eins gemein: die Eigenschaft der Seltenheit. Gold als Zahlungsmittel zum Kauf und Verkauf von Gütern entwickelt eine Nachfrage und einen Wert.

Belohnung alle vier Jahre halbiert

Gold kommt auf der Erde vor. Es ist endlich. Je mehr Gold aus dem Boden gefördert wird, desto weniger Gold verbleibt im Boden. Über die Zeit wird immer weniger Gold gefunden, bis alles Gold zu Tage gebracht sein wird und im Umlauf ist. Das Schürfen oder englisch Mining wird immer schwieriger, die Belohnung dafür immer weniger. So ähnlich Bitcoin.

Ein Unterschied zu Gold: Die Anzahl der Bitcoin ist im Computercode festgelegt und damit öffentliches Wissen. Etwa alle vier Jahre halbiert sich die Belohnung. Aktuell, im April 2017, beträgt sie laut „BTC-Echo“ für einen Block 12,5 BTC. Der nächste Millionen-Schritt findet demnach im Jahr 2019 statt. Die endgültige Bitcoinmenge wird erst 2140 erreicht. Die Geburt des ersten Bitcoins liegt kaum neun Jahre zurück. Damals kamen pro neuem Block 50 neue Bitcoin in das Blockchainsystem. Die nächste Halbierung der Belohnung ereignet sich wahrscheinlich im März 2020. Dann beträgt der Block-Reward nur noch 6,25 BTC.

Deflationär wie Gold

Durch diese Halbierungen erbt Bitcoin die deflationäre Eigenschaft von Gold. Die Deflation bezieht sich auf das Rechenleistung-Bitcoin Verhältnis, nicht aber etwa auf den Geld/Bitcoin Wechselkurs in US-Dollar oder Euro. Da gilt wie bei echtem Gold: je seltener, desto teurer. Die faire Vergütung für einen gefundenen Block sehen Experten bei 10.000 US-Dollar. Nur wenn die umgerechnete Vergütung in Dollar über diesem Wert liegt, lohne es sich dauerhaft für Miner, ihre Rechenleistung in das System einzuspeisen.

Drei digitale Währungen

Wie „boerse.de“ schreibt, besteht die Bitcoin-Familie mittlerweile bereits aus drei digitalen Währungen:

  1. Original-Bitcoin, wurde 2009 eingeführt,
  2.  Bitcoin Cash, gibt es seit der zweiten Jahreshälfte 2017,
  3.  Bitcoin Gold.

Die ersten beiden Ableger der weltweit führenden Internet-Währung entstanden durch eine unabhängige Abspaltung, einen sogenannten „Hard Fork“ von der Bitcoin-Mutter auf Basis der bereits existierenden Ausgangs-Blockchain. Jüngstes Familienmitglied ist dabei der Bitcoin Gold (BTG). Er wurde am 25. Oktober 2017 vorgestellt. Nur wenige Tauschbörsen hätten die neue Währung zu Beginn unterstützt. Die ersten virtuellen Goldmünzen konnte man offiziell erst ab dem 12. November 2017 mit der Öffnung des Netzwerkes durch die allgemeine „Mining“-Freigabe erwerben. Bis dahin fand der Schürf-Prozess noch quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit durch die Entwickler selbst statt.

Kauf und Verkauf auf dem Krypto-Marktplatz

Nach den Anfangsschwierigkeiten gibt es auch für Bitcoin Gold mittlerweile spezielle Online-Marktplätze und Tauschbörsen. An ihnen kann man die Cyber-Währung relativ einfach und kostengünstig entweder gegen andere digitale Währungen oder gegen Euro oder US-Dollar kaufen und verkaufen. Der Handel über Tauschbörsen verläuft automatisiert.

Auf einem Krypto-Marktplatz muss man in der Regel erst nach einem passenden Angebot suchen. Die Trades werden hier direkt zwischen den einzelnen Benutzern abgewickelt. Dabei ist in der Regel auch eine Online-Lagerung der erworbenen virtuellen Münzen beim jeweiligen Drittanbieter möglich.

Wallet sicherer

„boerse.de“ empfiehlt allerdings als sicherer die Aufbewahrung in einer selbst verwalteten „Wallet“, einer Art elektronischer, softwarebasierter Brieftasche.

Contracts for Difference

Wer Bitcoin Gold nicht direkt erwerben, sondern nur an dessen Wertentwicklung teilhaben möchte, könne auch an den Kauf bestimmter Finanzprodukte wie z.B. Bitcoin Gold-CFDs (Contracts for Difference) denken. Sie böten sogar eine Partizipation an der Kursentwicklung mit einem zusätzlichen Hebel.

Finanzministerium: Bitcoin gesetzliches Zahlungsmittel

Für das Bundesfinanzministerium sind Bitcoins grundsätzlich den gesetzlichen Zahlungsmitteln steuerlich gleichgestellt. Das berichtet „SteuerSparbrief AKTUELL“ (6/2018) und bezieht sich damit auf ein jüngstes Schreiben des Ministeriums. Beim Umtausch von konventionellen Währungen in Bitcoin und umgekehrt handele es sich um eine steuerlich zu berücksichtigende sonstige Leistung. Sie sei im Rahmen einer richtlinienkonformen Gesetzesauslegung umsatzsteuerfrei. Wie das Ministerium die Verwendung von Bitcoin als Entgelt bewertet, dazu alles Wissenswerte in dem Beratungsbrief für Selbständige und Unternehmer.

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Autor: Franz Höllriegel