10.08.2020

Betriebliche Altersversorgung für geringfügig entlohnte Beschäftigte

Mini-Jobber von heute – vielleicht morgen ein zuverlässiger Voll-Jobber? Sie haben im Alter nur eine bescheidene Rente. Es sei denn, Ihr Mini-Jobber lässt sein Entgelt umwandeln. Manche haben jedoch keinen Anspruch darauf. Sie als Arbeitgeber können ihm aber helfen.

Betriebliche Altersversorgung

Wie können Sie als Arbeitgeber bei einer Entgeltumwandlung helfen?

Indem Sie sich damit einverstanden erklären. Normalerweise braucht es Ihre Einverständniserklärung nicht. Sie als Arbeitgeber können nach dem Betriebsrentengesetz (BetrAVG) Mitarbeitern, die Sie nur gegen geringen Lohn beschäftigen, eine betriebliche Altersversorgung anbieten – und damit die betriebliche Altersversorgung aufbessern. Das schafft Freunde – und macht womöglich aus einem Mini-Jobber einen späteren Voll-Jobber Ihres Unternehmens.

Wann besteht eine Betriebliche Altersversorgung?

Wenn Sie als Arbeitgeber Ihrem Arbeitnehmer aus Anlass seines Arbeitsverhältnisses Leistungen zur Absicherung mindestens eines biometrischen Risikos (Alter, Invalidität, Tod) zugesagt haben und Ansprüche auf diese Leistungen erst mit dem Eintritt des biologischen Ereignisses fällig werden (§ 1 BetrAVG). Eine betriebliche Altersversorgung können Sie über eines dieser fünf kapitalgedeckten oder umlagefinanzierten Altersversorgungssysteme abwickeln:

  • Pensionskasse
  • Pensionsfonds
  • Direktversicherung
  • Direktzusage
  • Unterstützungskasse.

Sie als Arbeitgeber können den jeweiligen Durchführungsweg auswählen.

Wie sind diesem Zweck dienende Beiträge und Zuwendungen einzuordnen?

Das richtet sich nach:

  • Sozialversicherungsentgeltverordnung (SvEV) und
  • 14 Abs. 1 Satz 2 Sozialgesetzbuch (SGB) IV.

Was können Sie als Arbeitgeber nun zur Entgeltumwandlung beitragen?

Jeder Minijobber hat ja die Möglichkeit der Entgeltumwandlung, einen gesetzlichen Anspruch darauf aber nur rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer. Hat sich ein Mini-Jobber in Ihrem Unternehmen von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen, hat er diesen Anspruch nicht – und da kommen Sie als Arbeitgeber wieder ins Spiel.

Tipp der Redaktion

Dieser Beitrag beruht auf einem Artikel aus dem „Lohn und Gehaltsprofi AKTUELL“ (Ausgabe 01/2019). Unser Beratungsbrief „Lohn und Gehaltsprofi AKTUELL“ informiert Sie monatlich über alle Neuerungen in Sachen Lohn- & Gehaltsabrechnung – praxisnah, kompakt und mit konkreten Handlungsempfehlungen. Mit rechtssicheren Informationen und Arbeitshilfen zu einem optimalen Gehaltsmanagement.

Als solcher können Sie sich mit einer Entgeltumwandlung einverstanden erklären. Ihr rentenversicherungsfrei beschäftigter Minijobber seinerseits muss Beiträge an eine betriebliche Altersvorsorge entrichten. Seit dem 2019 sind Sie als Arbeitgeber aufgefordert, hierzu einen Zuschuss zu leisten, wenn ein Arbeitnehmer eine betriebliche Altersversorgung abschließt und dadurch Sozialversicherungsbeiträge eingespart werden. Der Zuschuss:

  • beträgt 15 Prozent des Umwandlungsbetrags,
  • ist zugunsten des Beschäftigten an die jeweilige Versorgungseinrichtung weiterzuleiten.

In der Sozialversicherung ist der Arbeitgeberzuschuss beitragsfrei. Überschreiten Sie durch Ihren Zuschuss den Freibetrag für die Entgeltumwandlung, ist der ihn übersteigende Teil dem beitragsrechtlichen Arbeitsentgelt zuzurechnen. Diesen Zuschuss müssen Sie als Arbeitgeber bei Pensionsfonds, Pensionskasse oder Direktversicherung zahlen, allerdings nur, wenn keine abweichenden tarifvertraglichen Regelungen dem entgegenstehen. Für Vereinbarungen, die vor dem 01.01.2019 abgeschlossen wurden, zahlen Sie den Arbeitgeberzuschuss erst ab 2022.

Was geschieht, wenn ein Minijobber sich für die betriebliche Altersvorsorge entscheidet?

Dann verringert sich der beitragspflichtige Verdienst um den Betrag der Entgeltumwandlung. Auch bei einer Prüfung, ob die monatliche 450-Euro-Grenze überschritten wird, ist dieser Betrag somit nicht zu berücksichtigen. Solange der monatliche Verdienst nach der Entgeltumwandlung bei maximal 450 Euro liegt, ist weiterhin von einer geringfügig entlohnten Beschäftigung auszugehen.

Wann ist die Entgeltumwandlung beitragsfrei?

Bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der allgemeinen Rentenversicherung. Für das Jahr 2019 sind das 3.216 Euro, also monatlich 268 Euro; 2020 voraussichtlich 3.312 Euro oder monatlich 276 Euro.

Nehmen wir an, Sie sind Inhaber einer Schreinerei und beschäftigen einen Schreinergesellen zu einem geringen Lohn. Er bekommt von Ihnen monatlich 550 Euro brutto. Jetzt vereinbart er mit Ihnen als seinem Chef eine Entgeltumwandlung in Höhe von monatlich 100 Euro. Er will den Betrag für eine betriebliche Altersvorsorge verwenden lassen. Sie sind in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Ihr Zuschuss als Arbeitgeber 15 Prozent 100 Euro, mithin 15 Euro. Daraus ergibt sich für den beitragspflichtigen Verdienst folgende Berechnung: 550 Euro abzüglich 115 Euro Betrag der Entgeltumwandlung = 435 Euro.

Beides, der umzuwandelnde Betrag von 100 Euro und Ihr Arbeitgeberzuschuss von 15 Euro, übersteigt nicht die 2019 zulässigen 268 Euro und auch nicht die 2020 monatlich zulässigen 276 Euro. Es besteht somit Beitragsfreiheit in der Sozialversicherung.

Autor: Franz Höllriegel