08.09.2017

Ältere Mitarbeiter länger halten

Gearbeitet wird Montags bis Freitags, rund acht Stunden am Tag – zur „Tagesschau“ ist man zu Hause. So teilt Otto Normal-Mitarbeiter in Deutschland seine Arbeitszeit ein – nach gängiger Vorstellung. In der Realität ist Teilzeit im Vormarsch. Mit flexibleren Arbeitszeiten kann man z.B. künftige Rentner halten.

Ältere Arbeitnehmer

 

Kürzere und flexiblere Arbeitszeiten

Jeder dritte Betrieb versucht, rentenberechtigte Mitarbeiter weiter zu beschäftigen. Kürzere und flexiblere Arbeitszeiten anzubieten, waren dabei die wichtigsten Maßnahmen, um die Mitarbeiter zu halten. Das geht aus einer neuen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.

Viele Rentner wollen weiter arbeiten

Im Jahr 2015 erreichten rund 650.000 Mitarbeiter die Rentenberechtigung oder waren bereits rentenberechtigt. In gut 170.000 Fällen wollten die Betriebe rentenberechtigte Mitarbeiter halten. Gelungen ist das bei knapp 145.000 Mitarbeitern. Dies entspricht einer Erfolgsquote von 83 Prozent. Allerdings haben die Betriebe möglicherweise in Fällen, bei denen sie sich keine Chancen ausrechneten, erst gar nicht versucht, die Mitarbeiter zu halten, merken die Arbeitsmarktforscher zur hohen Erfolgsquote an.

Lockmittel für arbeitswillige Rentner: kürzere Arbeitszeit

Danach gefragt, welche Maßnahmen in den erfolgreichen Fällen eingesetzt wurden, gab die überwiegende Mehrheit der Betriebe (60 Prozent) kürzere Arbeitszeiten an, gefolgt von 49 Prozent der Betriebe, die rentenberechtigte Mitarbeiter mit einer Flexibilisierung der Arbeitszeit halten konnten. Eine Veränderung des Tätigkeitsprofils stellte für insgesamt 17 Prozent der Betriebe ein erfolgreiches Instrument dar, während 13 Prozent der Betriebe mit einer höheren Entlohnung, Prämien oder einer Beförderung rentenberechtigte Mitarbeiter weiter beschäftigen konnten.

Teilzeit nimmt zu

Der Normal-Arbeitstag von acht Stunden ist in Deutschland nicht mehr normal. Wie sieht er in Deutschland aus? fragte „Spiegel Online“. Und fand nach Recherche bei Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB), Bundesagentur für Arbeit (BA) und Statistischem Bundesamt heraus: die Norm ist er im Jahr 2017 nicht mehr. Teilzeit nimmt danach zu. Die Aufteilung zwischen Mann und Frau verändert sich. Nur noch sechs von zehn Arbeitnehmern arbeiten Vollzeit, die anderen vier Teilzeit. Anfang der Neunzigerjahre war das Verhältnis noch acht zu zwei.

Auslaufmodell Ein-Verdiener-Familie

Als Grund für den stark gestiegenen Anteil nehmen die Marktforscher an, dass Mütter deutlich häufiger einer Erwerbsarbeit nachgehen als früher. Die Ein-Verdiener-Familie werde zunehmend zur Ausnahme. Dies sei ein Zeichen veränderter Rollenmodelle. Von echter Gleichstellung könne allerdings noch lange keine Rede sein. In einer Partnerschaft ohne Kinder arbeiten Frauen im Schnitt mit 33,2 Stunden nur 6,5 Stunden in der Woche weniger als Männer. Bei Nachwuchs vergrößere sich der Abstand auf durchschnittlich 15 Stunden. Mütter fahren dann ihre Arbeitszeit drastisch herunter. Väter arbeiten hingegen im Schnitt sogar ein bisschen mehr.

Vollzeitstellen rückläufig

An der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit hat allerdings seit den Neunzigerjahren kaum etwas geändert. Bei den Vollzeitstellen gab es einen leichten Rückgang um eine Stunde. 1995 schloss die Metallbranche die Einführung der 35-Stunden-Woche ab. Selbst zwei Jahrzehnte später sind Arbeitnehmer in anderen Branchen darauf neidisch. Die Gesamtmenge aller Arbeitsstunden ist inzwischen wieder so hoch wie Anfang der Neunzigerjahre – trotz Teilzeitboom und kürzerer Wochenarbeitszeit und dank deutlich mehr Beschäftigten.

Unbezahlte Überstunden

Überstunden sind in diesem Zeitraum deutlich seltener geworden. Das gilt eigentlich nur für die bezahlten Überstunden. Viel mehr Arbeitnehmer als früher arbeiten Teilzeit. Gleichwohl schenkt jeder im Schnitt seinem Arbeitgeber immer noch fast ebenso viele unbezahlte Überstunden wie in den Neunzigern. Zwei Aspekte der gängigen Vorstellung sind allerdings tatsächlich die Regel geblieben:

  1. Gearbeitet wird in der Regel von Montag bis Freitag,
  2. zur Tagesschau ist man zu Hause.

Grenzen nach Arbeitszeitgesetz

Dabei können Arbeitgeber mit der Arbeitszeit der Mitarbeiter nicht nach Gutdünken umgehen. Hinsichtlich der Lage der Arbeitszeit beispielsweise setzt das Arbeitszeitgesetz der Vertragsgestaltung Grenzen, wie „Personaltipp AKTUELL“ in einer Sonderausgabe zu dem Thema (12/2017 Personalarbeit) schreibt. An Werktagen darf demnach grundsätzlich rund um die Uhr gearbeitet werden. Für wen zeitliche Einschränkungen an welchen Tagen gelten und andere wichtigen Fragen zur Arbeitszeit, dazu mehr in dem Newsletter für Arbeitsrecht.

Autor: Franz Höllriegel