21.02.2019

Besteuerung von Geschenken an Arbeitnehmer: Was ist zu beachten?

Neue Kunden, neue Runden. Das gilt auch für Mitarbeiter. Ein- oder Ausstand, das lässt man sich doch gerne etwas kosten. Auch Sie als Arbeitgeber werden sich nicht lumpen lassen. Geschenke unterliegen dabei der Steuer – wenn Sie es richtig machen, aber nicht immer ganz.

Besteuerung Geschenke

Wie teuer darf ein Geschenk sein?

Kommt drauf an, ob es für das Geschenk einen besonderen Anlass gibt oder nicht. In Deutschland gibt der Anlass eines Geschenks den Ausschlag für die steuerrechtliche Behandlung. Ohne besonderen Anlass dürfen Sie als Arbeitgeber in Deutschland Ihren Mitarbeitern bis zu 528 Euro im Laufe eines Jahres etwas steuerfrei schenken. Aber nur Sachen, kein Geld direkt. Und Sie dürfen dafür monatlich nicht mehr als 44 Euro ausgeben. Ist das Geschenk teurer, wird es auch für Ihren beschenkten Arbeitnehmer teurer.

Es gibt Freigrenzen

Nun wollen Sie als Arbeitgeber mit Geschenken aber Leistungen ihrer Mitarbeiter würdigen. Das fördert auch die Motivation Ihrer Mitarbeiter. Die sinkt natürlich wieder rapide, wenn sie für ein Geschenk auch noch Steuern bezahlen müssen. Damit Ihr beschenkter Arbeitnehmer sein Geschenk nicht als Einkommen versteuern muss, hat der Gesetzgeber deshalb Freigrenzen geschaffen.

Steuervergünstigte oder steuerfreie Sachzuwendungen

So eine Grenze zieht er bei der Größe des Geschenks. Kleine Aufmerksamkeiten zu Weihnachten wertet er als Sachzuwendungen. Aber auch den Einstand oder den Ausstand lassen sich Arbeitnehmer gerne etwas kosten – und auch Arbeitgeber schenken ihren Mitarbeitern gerne zu diesen Anlässen etwas. Für das Finanzamt sind das alles Sachzuwendungen, die Sie als Arbeitgeber in vielen Fällen steuervergünstigt oder sogar steuerfrei gewähren können.

Können Sie als Arbeitgeber Geschenke vergünstigt gewähren?

Das sagen die Richtlinien

Grundsätzlich gar nicht – grundsätzlich. Doch kein Grundsatz ohne Ausnahme. Zuwendungen an Ihre Arbeitnehmer sind eigentlich von Ihnen als Arbeitgeber durch das Arbeitsverhältnis veranlasst. Ihr Arbeitnehmer erhält damit einen geldwerten Vorteil. Und diesen muss er versteuern. Festgelegt hat das die Finanzverwaltung in den Lohnsteuerrichtlinien (LStR) und im Lohnsteuerhandbuch (LStH). Demnach gehören Geldzuwendungen unabhängig von ihrer Höhe stets zum steuerpflichtigen Arbeitslohn.

Diese Ausnahme gibt es

Annehmlichkeiten und Gelegenheitsgeschenke des Arbeitgebers. Dabei handelt es sich nur um Sachzuwendungen von geringem Wert. Sie als Arbeitgeber geben sie Ihrem Arbeitnehmer oder seinen Angehörigen anlässlich eines besonderen persönlichen Ereignisses. Für das Finanzamt sind das nur Aufmerksamkeiten. Sie können als solche steuerfrei bleiben, wenn ihr Wert einschließlich Umsatzsteuer 60 Euro nicht übersteigt (R 19.6 Abs. 1 Satz 2 LStR, R 19.6 LStR und H 19.6 LStH). Auch der für die Steuerfreiheit zulässige Wert der Sachzuwendung ist in den Lohnsteuerrichtlinien festgelegt.

Empfehlung der Redaktion

Diese Inhalte stammen aus dem „Steuersparbrief AKTUELL“ (01-2019).

Sie interessieren sich als Unternehmer oder in entsprechend leitender Position für Themen rund um Steuern und Finanzen? Unser Beratungsbrief „Steuersparbrief AKTUELL“ informiert Sie monatlich über alle Neuerungen in Sachen Steuerrecht. Kurz und verständlich für Sie zusammengefasst. Für minimale Steuern und maximalen Gewinn, praxisnah, mit Arbeitshilfen und konkreten Handlungsempfehlungen!

Jetzt 14 Tage kostenfrei testen!

 

Welche Anlässe gelten für eine persönliche Aufmerksamkeit?

Da gibt es viele denkbare Anlässe. Für die Steuerfreiheit muss es sich handeln um:

  • ein besonderes Ereignis
  • ein persönliches Ereignis Ihres Arbeitnehmers oder seiner Familienangehörigen

Unter einem solchen besonderen persönlichen Anlass mag man sich den Wechsel eines Mitarbeiters in eine neue Firma, die Verabschiedung in den Ruhestand oder den Ausstand vom bisherigen Arbeitgeber vorstellen. Sie dürften unter den Anwendungsbereich der 60-Euro-Freigrenze fallen.

Darf es etwas mehr sein als das genannte Maximum?

Ja, da kommen Sie als Arbeitgeber besonders ins Spiel. Sie können die eigentlich auf Ihren Arbeitnehmer entfallende pauschale Einkommensteuer von 30 Prozent als eigene Steuer übernehmen. § 37b Einkommensteuergesetz (EStG) gibt Ihnen dafür die Grundlage. Voraussetzung ist, dass Ihre Zuwendungen nicht in Geld bestehen. Zudem dürfen sie je Empfänger und Wirtschaftsjahr bzw. pro einzelne Zuwendung 10.000 Euro nicht übersteigen. Des Weiteren muss es sich um eine zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gewährte Sachleistung handeln.

Zwei Beispiele

Nehmen wir also an, Ihre Sekretärin geht im Juni 2019 in den Ruhestand. Sie kaufen ihr zu diesem Anlass für 50 Euro einen Blumenstrauß. Das wäre dann eine steuer- und beitragsfreie Aufmerksamkeit, da der Wert dieser Sachzuwendung 60 Euro nicht übersteigt.

Wenn Sie aber – anderes Beispiel – Ihren ehemaligen Personalleiter zur Verabschiedung in den Ruhestand im Juni mit einem Luxuskugelschreiber im Wert von 350 Euro brutto beschenken, ist diese Sachzuwendung für Ihren Arbeitnehmer in vollem Umfang steuer- und beitragspflichtig. Ihr Wert übersteigt ja die Freigrenze von 60 Euro. Der wird sich darüber möglicherweise nicht gerade erfreut zeigen. Um sich seine Gunst trotzdem zu erhalten, können Sie als schenkender Arbeitgeber allerdings ihm die Steuerlast abnehmen. Sie übernehmen einfach für ihn nur die Einkommensteuer von pauschal 30 Prozent und führen diese als Ihre eigene Steuer ab.

Sachzuwendungen über 60 Euro

Übrigens: Sachzuwendungen über 60 Euro an eigene Arbeitnehmer und Arbeitnehmer verbundener Unternehmen sind sozialversicherungspflichtig. Übernehmen Sie als Arbeitgeber auch den Arbeitnehmeranteil zur Sozialversicherung, handelt es sich insoweit um steuerpflichtigen Barlohn. Er fällt nicht unter § 37b EStG und ist daher für Ihren Arbeitnehmer auch sozialversicherungspflichtig.

Autor: Franz Höllriegel