19.01.2018

Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung sinkt

Dieses Jahr scheint sich für Steuerzahler gut anzulassen. Allerdings liegt das weniger an geringeren Steuern; deren Reform lässt auf sich warten. Dafür sinken die Beiträge für Renten- und Krankenversicherung leicht. Wissenschaftler haben beispielhaft die Auswirkungen berechnet.

Beitragsbemessungsgrenze steigt

Mehr Geld für Privates

Steuerzahler werden im kommenden Jahr mehr Geld für Privates übrig haben. Kinderlose Alleinstehende haben je nach Bruttoeinkommen jährlich bis zu 277 Euro mehr in der Tasche. Bei Familien mit zwei Kindern und gut verdienenden Eltern summiert sich die Entlastung auf bis zu 532 Euro jährlich. Das zeigen Berechnungen des Steuerexperten Professor Frank Hechtner von der Freien Universität Berlin im Auftrag der Süddeutschen Zeitung.

Der Wissenschaftler führt dies im Wesentlichen auf zwei Effekte zurück:

  • Einige Beiträge für die Sozialversicherung sinken minimal, aber spürbar.
  • Die Bundesregierung muss das steuerlich freizustellende Existenzminium und die Auswirkungen der Inflation auf die Steuertarife regelmäßig ausgleichen.

Steuerliche Veränderungen

2018 steigt der steuerliche Grundfreibetrag um 180 Euro auf 9000 Euro. Die „kalte Progression“, bei der steigende Einkommensteuertarife und höhere Inflation Lohnsteigerungen zunichtemachen, korrigiert der Gesetzgeber. Der Kinderfreibetrag pro Elternteil steigt um 36 Euro jährlich auf 2394 Euro, das Kindergeld um zwei Euro pro Kind und Monat. Für die beiden ersten Kinder gibt es monatlich 194 Euro, für das dritte Kind 200 Euro, jedes weitere Kind 225 Euro.

Beitragsbemessungsgrenzen

Mit steigenden Löhnen erhöht sich die Beitragsbemessungsgrenze. Übersteigt der Bruttolohn diese, ist der darüber liegende Teil des Lohns sozialabgabenfrei. Die Löhne im Osten Deutschlands sind generell geringer als im Westen. Deswegen unterscheiden sich auch die Beitragsbemessungsgrenzen. Dieses Jahr müssen Arbeitnehmer im Westen bis zu einem Bruttoeinkommen von 6500 Euro monatlich Beiträge an die Renten- und an die Arbeitslosenversicherung zahlen.

Unterschiedliche Lohnentwicklung

Die Löhne entwickelten sich unterschiedlich. Die Beitragsbemessungsgrenze im Westen stieg deshalb stärker als im Osten, im Westen um 150 Euro, im Osten um nur 100 Euro auf 5800 Euro Bruttolohn. Auf diese beitragspflichtigen Beträge müssen Beitragszahler 18,6 Prozent für die Rentenversicherung und drei Prozent für die Arbeitslosenversicherung entrichten. Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen sie sich zu gleichen Teilen. Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung werden in Ost und West auf ein beitragspflichtiges Bruttoeinkommen in Höhe von 4425 Euro fällig – 75 Euro mehr als im letzten Jahr. Bei der Krankenversicherung zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils 7,3 Prozent, Arbeitnehmer jedoch einen Zusatzbeitrag von künftig 0,9 Prozentpunkten. Die Pflegeversicherung wird zu je 2,55 Prozent von Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragen; Kinderlose zahlen 0,25 Prozentpunkte zusätzlich.

Geringere Entlastungen – warum?

Die höheren Beitragsbemessungsgrenzen sind auch der Grund dafür, warum die Entlastungen ab einem Bruttoeinkommen von 4500 Euro beziehungsweise 6500 Euro geringer ausfallen. So wird beispielsweise ein Single mit 6000 Euro Einkommen um 277 Euro entlastet, einer mit 6500 Euro Einkommen aber nur um 145 Euro. Grund: bisher waren nur bis 6350 Euro Renten- und Arbeitslosenbeiträge fällig, ab diesem Jahr aber bis 6500 Euro. „Die Entlastungen werden durch die zusätzliche Abgabenlast aus der Sozialversicherung teilweise wieder aufgezehrt“, zitiert die Zeitung Hechtner.

Beiträge zu Renten- und Krankenversicherung sinken

Bei seinen Berechnungen hat Hechtner die 2018 sinkenden Beiträge zur Sozialversicherung berücksichtigt:

  • der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung sinkt um 0,1 Prozentpunkte. Das kommt Arbeitgebern und Arbeitnehmern je zur Hälfte zugute.
  • Der Zusatzbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung verringert sich um 0,1 Prozentpunkte. Das verringert die Abgabenlast für Arbeitnehmer. Bis letztes Jahr mussten nur sie einen Zusatzbeitrag von einem Prozent des beitragspflichtigen Einkommens an die gesetzliche Krankenversicherung abführen.
  • Schließlich werden Vorsorgeaufwendungen in der gesetzlichen Rentenversicherung zu 86 Prozent steuerlich abzugsfähig sein, zwei Prozentpunkte mehr als 2017.

Festes und freies Arbeitsverhältnis nebeneinander – geht das?

Aus Sicht des Arbeitgebers stellen die Sozialversicherungsbeiträge für den Arbeitnehmer gleichwohl eine Belastung dar. Eine Möglichkeit, sie zu umgehen, besteht darin, dem Arbeitnehmer ein freies Dienstverhältnis anzubieten. Die dafür zu leistende Vergütung ist sozialabgabenfrei. Besteht schon ein Arbeitsverhältnis, kann er ihm zusätzlich ein freies Dienstverhältnis vorschlagen. Rechtlich ist das durchaus nicht von vornherein ausgeschlossen, wie „Lohn– & Gehaltsprofi AKTUELL“ (1/2018) unter Berufung auf ein neuerliches Urteil des Bundesarbeitsgerichtes meldet. Allerdings ist ein solches gesplittetes Vertragsverhältnis nicht ohne Risiko. Arbeitsgericht und Sozialversicherung überprüfen es. Der Newsletter für betriebsprüfungssichere Abrechnung gibt wichtige Hinweise für die Praxis, wann und unter welchen Bedingungen sich eine Splittung empfiehlt und wann nicht.

Autor: Franz Höllriegel