News | Personal
25.09.2015

Azubis picken sich Ausbildungsrosinen heraus

Arbeitgeber schlagen Alarm!

Tempora mutantur, nos et mutamur in illis! Früher ließen sich Arbeitgeber die Stellengesuche von Auszubildenden kommen und suchten sich die geeigneten Bewerber heraus – bevor ein Vertrag unterschrieben wurde. Der Fachkräftemangel hat den Tisch gedreht: Jetzt lassen sich Azubis die Stellenangebote für ihre Ausbildung kommen und suchen sich das passende heraus – nachdem bereits Verträge unterschrieben sind.

Ausbildung© contrastwerkstatt /​ fotolia.com

Kündigung während der Probezeit

München. 25. September 2015 – Der Hebel: Innerhalb der Probezeit können beide Seiten einen Ausbildungsvertrag kündigen – Arbeitgeber genauso wie Arbeitnehmer. Ohne Angabe von Gründen. Mit einer Vertragsstrafe könnte das Nichterscheinen auf der Arbeit sanktioniert werden. Doch eine solche Vertragsstrafe ist bei Ausbildungsverträgen nicht möglich. Folge: Azubis können einfach nicht zum Arbeitsantritt erscheinen, ohne Strafen befürchten zu müssen.

Mehrere Ausbildungsverträge gleichzeitig

Was machen Azubis? Sie nutzen diese Gesetzeslage aus. Jugendliche unterschreiben gleich mehrere Ausbildungsverträge gleichzeitig, um sich dann das beste Angebot herauszupicken, klagen Arbeitgeber. Marco Altinger, Präsident des Bundes der Selbständigen (BDS) – Gewerbeverband Bayern e.V.: „Es häufen sich vor dem Hintergrund des allgemeinen Fachkräftemangels die Klagen von Selbständigen und mittelständischen Unternehmen, deren Azubis trotz eines unterschriebenen Ausbildungsvertrages am ersten Tag nicht zur Arbeit erscheinen.“

Auftakt ins neue Lehrjahr ein Würfelspiel

Für viele Ausbildungsbetriebe werde so der Auftakt in das neue Lehrjahr immer mehr zum Würfelspiel: Kommt der neue Azubi oder kommt er nicht? Immer mehr Jugendliche betrieben ihre Suche nach einem Ausbildungsplatz wie „Rosinenpicken beim Kuchenessen“.

Schwerer Rückschlag für Kleinbetriebe

Gerade für Kleinbetriebe mit drei bis zehn Mitarbeitern sei es ein schwerer Rückschlag, wenn der Azubi sie dann hängen lässt. Die Unverbindlichkeit unter den Jugendlichen nehme zu. Sie stelle Betriebe vor größte Herausforderungen. „Es ist kaum möglich, innerhalb von wenigen Wochen ein komplett neues Bewerbungsverfahren vom Schalten der Stellenanzeige bis zum Bewerbungsgespräch auf den Weg zu bringen“, berichtet der Präsident des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes Ulrich N. Brandl.

Assistierte Ausbildung und Azubi-Begleiter

Zwar gebe es entsprechende Initiativen wie die assistierte Ausbildung oder die Förderung ehrenamtlicher Azubi-Begleiter. Sie sollen die Abbruchquoten während der Ausbildung senken. Selbständigenbund und Hotel- und Gaststättenverband begrüßen dies ausdrücklich.

Zweifel, ob Initiativen ausreichen

Doch haben sie Zweifel, ob das reicht. Der Fachkräftemangel werde sich weiter verschärfen. Sollte sich das Problem nicht angetretener Ausbildungsverhältnisse verschärfen, müsse die Politik über weitere Lösungswege zu mehr vertraglicher Verbindlichkeit nachdenken, so die Verbände.

Beschäftigte – so viele wie nie

Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, erzielten Gastronomie und Hotellerie im ersten Halbjahr 2015 ein Umsatzwachstum von nominal 4,3 Prozent (1,7 Prozent real) im Vergleich zum Vorjahr. Zum 31. Mai 2015 wurden erstmalig 986.600 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte bei der Bundesagentur für Arbeit registriert – so viele wie nie zuvor.

Autor: Franz Höllriegel 

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