05.07.2017

Ausländer haben bei Betriebsgründungen die Nase vorn

Berlin bildet die große Ausnahme. In Berlin gründen die meisten Betriebe Ausländer. Bei innovativen Betriebsgründungen haben München und Köln die Nase vorn. Bundesweit ist zuletzt eine positive Entwicklung bei der Gründung „echter Betriebe“ feststellbar. Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue Studie.

Geschäftsidee

Gründungs-Geschehen rückläufig

Betriebsgründungen sind in Deutschland bereits seit sechs Jahren rückläufig. Lediglich in der Bundeshauptstadt wurde dieser Abwärtstrend vorerst gestoppt. Zu diesem Ergebnis kommt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) in einer aktuellen Studie. „Nach wie vor wird diese hohe Gründungsneigung hauptsächlich von Ausländerinnen und Ausländern getragen, die in Berlin im Gegensatz zu den Deutschen besonders gründungsfreudig sind“, sagt DIW-Forschungsdirektor und Studienautor Alexander Kritikos.

Schlusslicht Stuttgart

Schlusslicht im Vergleich der zwölf größten Städte ist Stuttgart. Bei Gründungen mit Innovationspotential führen München und Köln vor Berlin. „Allerdings fällt auf“, so Kritikos weiter, „dass fast alle untersuchten Großstädte in diesem Bereich weiter an Dynamik verlieren, die Bereitschaft für innovative Gründungen also stagniert, mancherorts sogar sinkt“.

Unternehmensgründungen wichtig für Strukturwandel

Unternehmensgründungen können einen wichtigen Beitrag zum wirtschaftlichen Strukturwandel und zum Produktivitätswachstum leisten. Vor diesem Hintergrund hat Kritikos zusammen mit Anselm Mattes von der DIW Econ GmbH auf Basis der Daten der Gewerbeanzeigenstatistik das Gründungsgeschehen im Bund und in den zwölf größten deutschen Städten für die Jahre 2015/2016 im Vergleich zu den Vorjahren analysiert.

Gründungen pro 10.000 Erwerbsaktive

Zur besseren Vergleichbarkeit der Städte untereinander haben sie auch die Gründungsneigung betrachtet. Darunter verstehen die Wissenschaftler die Zahl der Gründungen pro 10.000 Erwerbsaktive. Dabei war Berlin mit 182 Gewerbegründungen je 10.000 Erwerbsaktive, also erwerbstätige oder arbeitslose Personen deutlich gründungsfreudiger als etwa Leipzig (133), Hamburg (130) und München (126). In Bremen (82) und Stuttgart (75) findet sich die niedrigste Gründungsneigung.

Abwärtstrend bei echten Betrieben beendet

Die Gewerbeanzeigestatistik unterscheidet zwischen der Gründung von „echten Betrieben“ und Kleingewerbe-Gründungen. Erstere nimmt eine Personengesellschaft, eine juristische Person oder eine Einzelperson mit Handwerkskarte vor. Aus ihnen können in der Regel größere Betriebe oder Unternehmen entstehen. Kleingewerbegründungen dagegen betreffen Einzelgründer, die einen Betrieb zum Vollerwerb oder Nebenerwerb aufmachen.

Positive Entwicklung

„In der wichtigen Untergruppe der ‚echten Betriebsgründungen‘, aus denen später eher größere Betriebe entstehen können, lässt sich“, so Mattes, „auch im Bund erstmals wieder eine positivere Entwicklung beobachten.“ Die Zahl dieser Gründungen stieg in Bund von etwas über 86.000 auf knapp 90.000 an; sie machen damit 17 Prozent aller Gründungen aus. In Berlin gibt es in diesem Segment bereits seit dem Jahr 2013 einen Aufwärtstrend.

Forschungsgründungen mit Wachstumspotential

Ein Schwerpunkt der Analyse lag auf den Gründungen in den technologischen, innovativen und kreativen Bereichen. Sie sind für das Wirtschaftswachstum und die Wettbewerbsfähigkeit einer Region von besonderer Bedeutung. Das Umfeld für Gründungen mit Innovationspotential scheint in München und Köln am besten zu sein. 2015 kam es hier zu 35 Gründungen je 10.000 erwerbsaktive Personen. Berlin liegt mit 30 Gründungen auf dem dritten Platz, gleichauf mit Hamburg und knapp vor Leipzig (27,5).

Datengrundlage Gewerbeanzeigestatistik

Grundlage der Erhebung ist die Gewerbeanzeigenstatistik, die Informationen über die obligatorischen Anmeldungen bei den Gewerbemeldeämtern liefert. Gegenüber anderen Statistiken zu Unternehmensgründungen hat die Gewerbeanzeigenstatistik den Vorteil einer Vollerhebung. Sie liefert auch verlässliche Daten für kleinere regionale Einheiten und erlaubt damit einen aussagekräftigen Vergleich der Gründungsneigung auf der Ebene einzelner Städte.

Politik gefordert

Kritikos sieht insgesamt jetzt die Politik in der Pflicht. Sie müsse sich vermehrt darüber Gedanken machen, Gründungen mit Innovationspotential durch bessere institutionelle und finanzielle Rahmenbedingungen zu unterstützen. Eine wichtige Maßnahme in diese Richtung wäre die Vereinfachung bestimmter bürokratischen Prozeduren. Deutschland befindet sich seit vielen Jahren im internationalen Vergleich weit hinten und nimmt laut Weltbankindex Ease of Doing Business derzeit nur Rang 114 ein. Die Anmeldung einer GmbH umfasst in Deutschland neun Prozeduren, in Neuseeland nur einen Behördengang, der in weniger als einem Tag erledigt werden kann.

Neue Fristen für Steuererklärungen ab nächstem Jahr

Damit nach so vielen Prozeduren die gerade gegründete GmbH keinen Schiffbruch erleidet, sollte sie sich vor allem mit dem Thema Steuererklärung befassen. Hier gelten besondere Termine. Doch Vorsicht! Das Finanzamt kann sie auch vorzeitig anfordern, wie der Newsletter „GmbH-Brief AKTUELL“ (9/2017 Juli) berichtet. Wichtig zu wissen: Ab dem Veranlagungszeitraum 2018 gelten neue Fristen für alle Steuererklärungen.

 

Autor: Franz Höllriegel