03.07.2018

Arbeitnehmererfindungen erfreuen den Arbeitgeber

Kalaschnikow, Nobel, Zuckerberg – sie alle haben etwas erfunden und ihre Erfindung bereut. Doch nicht jede Erfindung muss schlecht sein. Der Videobeweis beim Fußball hat sich bewährt. So manche Erfindung ist eine sogenannte Arbeitnehmererfindung. Dann erntet der Arbeitgeber den Erfolg.

Arbeitnehmererfindungen

Nationalelf schreibt Geschichte

Am 27. Juni schrieb die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft Geschichte. Mit Null zu Zwei gegen Südkorea kickte sich der Weltmeister vorzeitig als Letzter seiner Gruppe nach der Vorrunde aus der WM 2018 im russischen Kazan. Eingeleitet wurde das Desaster durch einen Videobeweis. Die Erfindung ist erst seit kurzem im Reglement der Fifa implementiert – segensreich oder verhängnisvoll? Wohl eher eine Frage des Standpunktes.

Patentierte Technik im Fußballsport

Der Videobeweis ist nicht die einzige Technik, die im Volkssport Fußball steckt, wie das Deutsche Patent- und Markenamt laut „RTL“ mit einem Online-Projekt zeigt. Zur Fußball-WM in Russland haben die Patentwächter in München die Geschichte der Fußball-Erfindungen in einer Online-Galerie zusammengestellt. „Anhand von Patentanmeldungen aus aller Welt erzählen wir die Technikgeschichte des Fußballs“, zitiert der Sender Patentamt-Sprecher Til Huber. Von der Blase im Fußball selbst bis zu speziellen Halterungen des Tornetzes lässt sich auf einer Webseite erkunden, wo überall patentierte Technik den Fußballsport verbessert.

Pokémon Go, und Zeppelin

Dabei folgt der Erfolg einer Erfindung nicht immer unmittelbar auf dem Fuße wie etwa bei „Pokémon Go“. Am 6. Juli 2016 erblickte das Online-Spiel das Licht der Welt. Nur 19 Tage später liefen weltweit 50 Millionen Menschen vertieft in die Anwendung auf ihrem Handy über rote Ampeln. Rannten verwirrt in Straßenschilder und belagerten auf der Suche nach den stärksten Monstern öffentliche Plätze.

1909 gründete dagegen Ferdinand Graf von Zeppelin die erste kommerzielle Fluglinie. Damit legte er einen Grundstein für die Vernetzung unserer Welt. Doch es dauerte 64 Jahre, bis der 50-millionste Passagier in ein Flugzeug stieg.

Gut und Böse von Erfindungen

Nicht immer ist von vornherein erkennbar, ob die negativen oder positiven Folgen einer Erfindung überwiegen. „NBC’s Left Field“ und „Euronews“ werfen einen Blick auf Erfinder wie Facebook’s Mark Zuckerberg, die mit unvorhergesehenen Folgen und Reue über ihre Kreationen konfrontiert sind. Danach ist eine positive wirtschaftliche Entwicklung direkt mit einem höheren Innovationsgrad verbunden.

Laut Alexandra Midal, Professorin für Raum und Kommunikation in Genf, begann man erst nach dem Abwurf der Wasserstoffbomben durch die USA auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki, Erfindungen und neue Technologien in Frage zu stellen. Seither berücksichtigt man mehr und mehr auch den ethischen Aspekt von Entwicklungen und Technologien.

Achtung Klagemöglichkeiten

Mit dem Aufkommen von Social Media wird es für den Einzelnen immer einfacher, Wächter dieser Technologien zu spielen. Zwischen Benutzerbeschwerden und Feedback-Formularen kann ein jeder Nutzer auch von seinem Klagerecht Gebrauch machen. Unternehmen müssen daher besonders vorsichtig sein, schreibt „Euronews“.

Der Fluch des Plastik-Trinkhalms

Der Erfinder des Plastik-Trinkhalms von 1960 Horst Veith schwört jetzt dem Plastik-Strohhalm ab und sucht nach einer Alternative. Der Trinkhalm ist nur eine seiner über 60 weiteren Erfindungen, die weltweit von vielen Millionen Menschen genutzt werden. Längst tüftelt er wieder an einem Knick. Diesmal für den essbaren Trinkhalm, der den Plastikhalm ersetzen soll.

Arbeitnehmererfindungen

Doch nicht immer sind Erfinder wie Veith allein auf sich gestellte Tüftler. Oft ergibt sich eine Erfindung aus dem Arbeitsalltag in einem Unternehmen. Sie reichen von kleinen Work Arounds zur Vereinfachung einfacher Handgriffe bis hin zu weltbewegenden Genialerfindungen.

So ist der beliebte YouTuber Mark Rober für seine wissenschaftsbezogenen Videos bekannt, die mit einer guten Portion Humor mittlerweile mehr als 3,4 Millionen Abonnenten begeistern. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass Rober nicht nur für seine Fans forscht. Er kooperiert bereits seit mindestens drei Jahren mit dem Computerhersteller Apple. Hier sorgt er in einer „Special Projects Group“ für raffinierte Erfindungen. Eine davon ist ein VR/AR-System, dass eine mögliche Übelkeit beim Autofahren bekämpft. Bevor Rober zu Apple kam, war er acht Jahre lang als Maschinenbauingenieur im Jet Propulsion Laboratory der Nasa und als Produktdesigner bei Morph Costumes tätig.

Wer hat’s erfunden?

Wie die Apple-Plattform „MacErfkopf“ berichtet, hat Rober ein System entwickelt, das mit Hilfe einer Darstellung in Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) den Betroffenen ablenken soll. Für das „Immersive Visual Display“ und das „Augmented Virtual Display“ wird über ein Headset eine virtuelle Umgebung geschaffen, die für eine Entspannung während der Fahrt sorgen soll. AR-Anwendungen können ebenfalls dem Passagier mit zusätzlichen Elementen ablenken. Wichtig in beiden Fällen ist, dass die Darstellung den physischen Bewegungen des Fahrgastes angepasst werden. Weiterhin soll die virtuelle- oder erweiterte Welt Fixpunkte aufweisen und eine ruhige Umgebung schaffen. Eine Achterbahnfahrt wäre hier mit Sicherheit keine gute Idee.

Der Arbeitgeber erntet den Erfolg

Ob die Erfindung ein Erfolg wird, wird man abwarten müssen. Doch spätestens wenn sie es wird, wird man sich bei Apple und im Hause Rober fragen: wer darf die Früchte der Erfindung ernten. Wir wissen nicht, wie sie im angelsächsischen Rechtsbereich geregelt ist. In Deutschland würde sie eindeutig Apple gehören. Denn hierzulande gilt: Arbeitnehmererfindungen gehören dem Arbeitgeber. Wie „Personaltipp AKTUELL“ (09/2018) schreibt, stehen die Arbeitsergebnisse der im Betrieb beschäftigten Arbeitnehmer grundsätzlich dem Arbeitgeber zu. Schließlich bezahle das Unternehmen die Arbeitnehmer für ihre Arbeitsleistungen. Bei Arbeitnehmererfindungen kämen jedoch bestimmte Sonderregelungen des Arbeitsrecht zum Tragen. Welche das sind und auf welcher gesetzlichen Grundlage sie basieren, wozu Arbeitnehmer hierbei verpflichtet sind und welche Maßnahmen das Verfahren erleichtern können, dazu alles Wissenswerte in dem Beratungsbrief für Arbeitsrecht und Personalfragen.

Autor: Franz Höllriegel