25.07.2019

Arbeitgeberfinanzierte Gesundheitsleistungen: Ohne Zertifikat nicht steuerbefreit!

So viel Arbeit – und wer erledigt sie? Der Arbeitskräftemangel macht sich immer stärker bemerkbar. Ideen sind gefragt, um Arbeitnehmer für sich zu gewinnen. Ein probates Mittel: Sie als Arbeitgeber zahlen für Leistungen der Gesundheit. Damit sie steuerbefreit sind, gelten indes neue Regeln.

Arbeitgeberfinanzierte Gesundheitsleistungen

Was können Sie als Arbeitgeber tun zur Gesundheitsförderung Ihrer Mitarbeiter?

Sich beispielsweise an die BGF-Koordinierungsstelle der gesetzlichen Krankenkassen wenden. Sie unterstützt Sie auf Ihrem Weg zum gesunden Unternehmen mit Antworten zu einer Vielzahl von Fragen:

  • Sie möchten Ihren Beschäftigten die Möglichkeit geben, etwas für ihre Gesundheit zu tun?
  • Sie möchten für Ihre Beschäftigten Maßnahmen zu Bewegung, Ernährung, Stressbewältigung oder Suchtprävention anbieten?
  • Sie möchten Belastungen im Arbeitsalltag abbauen und Arbeitsplätze gesundheitsförderlich gestalten?

Die Präventionsexperten der Krankenkassen haben laut dem BKK Dachverband e.V. seit dem Aufbau der Koordinierungsstellen für betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) fast 1.000 Unternehmen beraten. Der Großteil davon (rund 70 Prozent) waren demzufolge kleine und mittelständische Betriebe mit weniger als 249 Mitarbeitern. Die Verbände der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hatten die Koordinierungsstellen 2017 eingeführt, um Unternehmen bei der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) zu unterstützen.

Wichtige Multiplikatoren, um das Angebot der BGF-Koordinierungsstellen bekannter zu machen, sind die Unternehmensorganisationen, z. B. die Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern und die Arbeitgeberverbände, mit denen die Krankenkassen. In allen Bundesländern wurden den Angaben zufolge bereits über 60 Kooperationsvereinbarungen zwischen Krankenkassen und Unternehmensorganisationen abgeschlossen.

Können Sie als Arbeitgeber Gesundheitsleistungen für Mitarbeiter zahlen?

Ja, das können sie – und es kann sogar ein attraktiver Teil des Gehalts sein, das Sie Ihrem Mitarbeiter zukommen lassen. Das Schöne für Sie als Arbeitgeber: solche von Ihnen finanzierte Leistungen sind jeweils bis zu 500 Euro pro Jahr von der Einkommensteuer befreit. § 3 Einkommensteuergesetz (EStG) macht’s möglich – und das bereits seit 2009. Damals trat das Jahressteuergesetz in Kraft. Es sieht eine Steuerbefreiung vor. Der Gesetzgeber wollte damit den allgemeinen Gesundheitszustand sowie die betriebliche Gesundheitsförderung stärken. Nr. 34 der Vorschrift bietet seither Ihnen als Arbeitgeber die Möglichkeit, Ihrem Mitarbeiter bis zu diesem Betrag steuerfreie Leistungen und Zuschüsse zur Förderung der Gesundheit zukommen zu lassen.

Nach zehn Jahren sah man Anpassungsbedarf. Seit diesem Jahr muss eine Gesundheitsmaßnahme zertifiziert sein, damit sie von der Steuer befreit ist. Unter Nr. 134 der Vorschrift fallen jetzt:

  • allgemeine Maßnahmen im Betrieb: hierfür entspricht Ihr Betrieb den vom Spitzenverband der Krankenkassen festgelegten Kriterien,
  • individuelle verhaltensbezogene Maßnahmen: nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) V zertifizierte Präventionsmaßnahmen. Haben diese vor dem 01.01.2019 begonnen, haben Sie die Sachleistungen aber erst nach dem 31.12.2018 gewährt, müssen sie zertifiziert sein.

Wie reagieren Sie als Arbeitgeber auf die neuen Änderungen angemessen?

Grundregel: Nur zusätzliche Leistungen sind steuerbefreit. Beachten Sie als Arbeitgeber dabei weiterhin, dass auf den arbeitsrechtlich geschuldeten Arbeitslohn angerechnete oder durch Umwandlung erbrachte Leistungen nicht begünstigt sind. Sie bleiben auch künftig steuer- wie beitragspflichtig. Die Steuerbefreiung gilt lediglich für zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erbrachte Leistungen.

Ihre Leistungen als Arbeitgeber müssen überdies den Anforderungen der §§ 20 und 20b SGB V genügen hinsichtlich:

  • Qualität,
  • Zweckbindung,
  • Zielgerichtetheit,
  • Zertifizierung

Nehmen wir an, Sie als Arbeitgeber wollen arbeitsbedingten Belastungen am Bewegungsapparat Ihrer Mitarbeiter vorbeugen. Deswegen lassen Sie auf Ihre eigenen Kosten Ihren Arbeitnehmern im Betrieb Massagen verabreichen. Der geldwerte Vorteil beträgt je Arbeitnehmer 360 Euro jährlich. Die Maßnahme ist nicht zertifiziert. Der geldwerte Vorteil in Höhe von 360 Euro ist dann steuer- und beitragspflichtig.

Tipp der Redaktion

Dieser Beitrag beruht auf einem Artikel aus dem „Lohn und Gehaltsprofi AKTUELL“ (Ausgabe 08/2019).

Unser Beratungsbrief „Lohn und Gehaltsprofi AKTUELL“ informiert Sie monatlich über alle Neuerungen in Sachen Lohn- & Gehaltsabrechnung – praxisnah, kompakt und mit konkreten Handlungsempfehlungen. Mit rechtssicheren Informationen und Arbeitshilfen zu einem optimalen Gehaltsmanagement.

Anders in folgendem Beispiel: Sie errichten einen Fitnessraum und bezahlen anschließend eine externe Firma, die für die Arbeitnehmer zertifizierte „gesundheitsfördernde Trainingsprogramme“ durchführt. Bei der Errichtung und Zurverfügungstellung des Fitnessraums handelt es sich um eine steuer- und beitragsfreie Leistung in Ihrem ganz überwiegenden eigenbetrieblichen Interesse als Arbeitgeber. Die in Ihrem Auftrag erbrachten Leistungen der externen Firma sind steuerfrei, soweit sie beim einzelnen Arbeitnehmer 500 Euro jährlich nicht übersteigen.

Was bringt die Übernahme von Gesundheitsleistungen Ihnen als Arbeitgeber?

Offenbar nicht wenig. Ob Sport, Vorsorge oder Beratung: Gesundheitsangebote von Arbeitgebern für ihre Mitarbeiter liegen voll im Trend und werden immer weiter ausgebaut, berichtet „aktiv-online.de“. Sie befragte dazu Professorin Kerstin Rieder, Expertin für betriebliches Gesundheitsmanagement von der Hochschule Aalen. Oft sieht sie als Anlass dafür Veränderungen in der Arbeitswelt für Unternehmen beispielsweise derzeit durch

  • den demografischen Wandel und
  • den Fachkräftemangel.

Unternehmen fragten sich, wie sie attraktiver für Arbeitnehmer sein, hohe Fehlzeiten verringern oder – schlicht ihre soziale Verantwortung wahrnehmen könnten. Mit steuerlicher Unterstützung sicher kein Ding der Unmöglichkeit.

Autor: Franz Höllriegel