03.11.2017

Arbeitgeber tragen Freibeträge für zwei Jahre ein

Geld macht nicht glücklich. Dies finden Arbeitnehmer immer wieder bestätigt beim Blick auf die Lohnabrechnung. Ein Grund: die Lohnsteuer. Doch sie lässt sich vermindern. Möglich macht dies: das Finanzamt. Es gewährt Freibeträge. Zeit, sie zu beantragen – für 2018 und sogar für 2017.

Freibeträge

Freibeträge für Lohnsteuerabzug 2018 und 2017

Ab sofort besteht die Möglichkeit, beim Finanzamt Freibeträge für den Lohnsteuerabzug 2018 zu beantragen. Wer für 2017 bisher noch keinen Ermäßigungsantrag gestellt hat, kann dies sogar noch bis spätestens zum 30. November 2017 nachholen. „Auch in diesem Jahr sollten alle Arbeitnehmer prüfen, ob sie durch die Berücksichtigung eines Freibetrags ihre monatliche Steuerbelastung mindern können“, sagt Uwe Ritzkat, Leiter des Finanzamts Krefeld auf „rp-online“.

Vorteile des Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahrens

Dabei weist er auf die Vorteile des Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahrens hin. Arbeitgeber könnten dazu beitragen, dass sich das monatliche Nettoeinkommen der Arbeitnehmer erhöht. Dazu müssten sie den vom Finanzamt bestätigten Freibetrag bereits beim Lohnsteuerabzug berücksichtigen.

Nicht bis nächstes Jahr warten

Arbeitnehmer könnten so früher über ihr Geld verfügen. „Sie müssen nicht mehr bis zum nächsten Jahr warten, um Erstattungsansprüche mit der Steuererklärung geltend zu machen“, so Ritzkat weiter. Arbeitnehmer können ihm zufolge mit dem Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung 2018 einen Freibetrag gleich für einen Zeitraum von zwei Kalenderjahren beantragen. Eine einjährige Berücksichtigung sei allerdings ebenso möglich wie die spätere Änderung eines einmal beantragten Freibetrags.

Berechnung der Freibeträge mit ELStAM

Die Freibeträge sowie alle für die Berechnung der Lohnsteuer wichtigen Daten werden als elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale (ELStAM) gespeichert und den Arbeitgebern elektronisch zum Abruf bereitgestellt. Die Besteuerungsmerkmale der Arbeitnehmer, die der Arbeitgeber für die Lohnabrechnungen benötigt, insbesondere

  • Steuerklasse
  • Zahl der Kinderfreibeträge
  • Freibeträge
  • Kirchensteuerabzugsmerkmale

werden dem Arbeitgeber von der Finanzverwaltung zum elektronischen Abruf bereitgestellt. Für das ELStAM-Verfahren muss der Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber nur den Tag der Geburt und die steuerliche Identifikationsnummer mitteilen sowie die Auskunft geben, ob es sich um das Haupt- oder um ein Nebenarbeitsverhältnis handelt.

Lohnsteuerabzugsmerkmale des Arbeitnehmers

Damit kann der Arbeitgeber die Lohnsteuerabzugsmerkmale des Arbeitnehmers elektronisch bei der Finanzverwaltung abrufen. Veränderungen der Lohnsteuerabzugsmerkmale werden dem Arbeitgeber mittels Änderungslisten durch die Finanzverwaltung elektronisch mitgeteilt. Außerdem benötigen Arbeitgeber ein Lohnprogramm, welches ELStAM unterstützt. Alternativ können sie das kostenfreie Programm der Finanzverwaltung ElsterFormular dafür nutzen.

Bescheinigung zur Vorlage beim Arbeitgeber

Grundsätzlich sind die maschinell bereitgestellten ELStAM anzuwenden. Darüber hinaus wird laut „elster.de“ eine „Bescheinigung für den Lohnsteuerabzug“ nur noch ausgestellt, wenn dem Arbeitgeber die ELStAM elektronisch nicht zur Verfügung gestellt werden können. In diesen Fällen erhält der Arbeitnehmer eine Bescheinigung zur Vorlage beim Arbeitgeber, um den richtigen Lohnsteuerabzug sicherzustellen. Zeitgleich wird in diesen Fällen der elektronische Arbeitgeberabruf durch das Finanzamt gesperrt, so dass für die Dauer der Sperre durch den Arbeitgeber weder eine Anmeldung noch ein Datenabruf für den Arbeitnehmer erfolgen kann.

Änderungen der ELStAM

Alle künftigen Änderungen der ELStAM müssen durch das Finanzamt auf der Bescheinigung eingetragen und dem Arbeitgeber vorgelegt werden. Die Vorlage eines ELStAM-Ausdrucks der Finanzverwaltung ist als Nachweis der Lohnsteuerabzugsmerkmale nicht zulässig. Die Bescheinigungen nach 39 Absatz 3 EStG (ehemals § 39c und § 39d EStG) gelten weiter und sind beim Betriebsstättenfinanzamt des Arbeitgebers jährlich neu zu beantragen.

Sachzuwendungen und Lohnsteuer

Auf Besonderheiten bei der Berücksichtigung von Sachzuwendungen an Gäste, Geschäftspartner oder Arbeitnehmer von Kunden bei der Lohnsteuer weist „GmbH-Brief AKTUELL“ in der aktuellen Ausgabe (13/2017) hin. Der geldwerte Vorteil muss demnach beim Empfänger der Zuwendungen nicht versteuert werden, wenn das Unternehmen eine Pauschalsteuer bezahlt. Allerdings sind nicht alle betrieblich veranlassten Zuwendungen pauschalierungsfähig. Wo man pauschalieren kann und wo nicht und welche Voraussetzungen u.a. im Lichte eines aktuellen Finanzgerichtsurteils zu berücksichtigen sind, dazu mehr in „GmbH-Brief AKTUELL“.

 

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Autor: Franz Höllriegel