20.06.2018

Apple begrenzt Datensammelwut von Facebook

Liken, Teilen, Kommentieren – wer hat nicht schon mal auf einen der Buttons dafür auf Facebook gedrückt? Ist doch nichts dabei! Was aber, wenn einem darüber nachgespäht wird? Apple-Chef Craig Federighi kam ins Grübeln – und will das Datenleck auf seinen Produkten dicht machen.

Datensammelwut von Facebook

Datensammelwut per Like-Button

Die Datensammelwut von Facebooks „Like“-Button gefällt Apple nicht. Deswegen werden einem Bericht der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) zufolge Apple-Kunden künftig auf Seiten mit Facebook-Elementen gefragt, ob sie ihre Informationen auch wirklich teilen wollen.

Apple legt sich damit offen mit Facebook an. Der iPhone-Konzern erschwert dem weltgrößten Online-Netzwerk den Zugriff auf Nutzerdaten in seinem Webbrowser Safari. „Wir haben alle schon mal diese ‚Like‘- und ‚Teilen‘-Buttons sowie Kommentar-Felder gesehen“, zitiert das Blatt Apples Software-Chef Craig Federighi.

Er habe festgestellt, dass diese auch dazu verwendet können, einem nachzuspähen. Federighi vorletzte Woche im kalifornischen San Jose: „Heute machen wir das dicht.“ Der Vorstoß kann für Facebook mehr als nur ein Nadelstich sein, denn Safari läuft nicht nur auf Apples Mac-Computern, sondern ist auch der meistgenutzte Webbrowser auf dem iPhone.

Safari warnt Nutzer

Konkret sollen dem Zeitungsbericht zufolge ab Herbst Safari-Nutzer eine Warnmeldung angezeigt bekommen, wenn sie Websites besuchen, die „Like“-Buttons haben oder auch ihre Kommentar-Funktion mit Facebook-Login betreiben. Dann können sie entscheiden, ob sie eine Datenfreigabe gewähren wollen.

Bisher passiert der Datenaustausch unbemerkt im Hintergrund. Die Wahrscheinlichkeit, dass viele bei einer direkten Frage auf „Nein“ klicken, sei groß. Websites bauen „Like“-Buttons ein, weil sie auf einen Nutzer-Zustrom aus dem Online-Netzwerk hoffen.

Datenschützern sind die Knöpfe mit hochgestrecktem Daumen schon lange ein Dorn im Auge. Sie können Facebook letztlich eine Liste aller vom Nutzer besuchten Seiten liefern.

Vorsicht auch beim Inhalt der Posts in Facebook!

Unabhängig von Facebooks Datensammelwut sollten Mitarbeiter eines Unternehmens ohnedies aufpassen, was sie über Facebook kommunizieren. Auch wenn dies außerhalb des Betriebes geschehen sollte, können gesetzeswidrige Posts wie beispielsweise Hetze weitreichende Folgen für das Arbeitsverhältnis haben.

Außerdienstliches Verhalten rechtfertigt zwar nur in Ausnahmefällen eine Kündigung. Besteht jedoch ein Bezug zwischen diesem Verhalten und dem Arbeitsverhältnis, kann ein Kündigungsgrund vorliegen – und damit auch bei Hetze über Facebook, wie „Personaltipp AKTUELL“ (07/2018) berichtet.

Der Newsletter für Aktuelles Arbeitsrecht beruft sich dabei auf ein neueres Urteil eines Landesarbeitsgerichts und erläutert die Hintergründe und Konsequenzen, die Mitarbeiter und Arbeitgeber daraus ziehen können.

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Geldverdienen mit Hardware, nicht mit Daten

Apple betonte schon immer gern, der Konzern mache seine Gewinne vor allem mit Hardware wie iPhones und müsse daher kein Geld mit Daten verdienen.

Im Gefolge des Datenskandals um Cambridge Analytica stichelte Apple-Chef Tim Cook zuletzt direkt gegen Facebook. Auch Apple hätte eine Menge Geld mit den Daten der Kunden verdienen können, habe sich aber absichtlich dagegen entschieden, gab Cook bei einem Auftritt im März zu bedenken.

Auf die Frage, was er denn in der aktuellen Lage von Facebook-Chef Mark Zuckerberg tun würde, hakte Cook ab: „Ich würde gar nicht erst in dieser Situation sein.“ Die Nutzer seien bei Facebook das Produkt für Werbekunden, sagte der Apple-Chef. Er schloss sich damit der Wortwahl vieler Datenschutz-Aktivisten an. Zuckerberg schmeckte das nicht. Er tat Cooks Äußerungen als „extrem aalglatt“ ab, schreibt die NOZ.

Gab es Sondervereinbarungen zwischen Appel und Facebook?

Die Apple-Ankündigungen folgen auf einen Bericht der „New York Times“, wonach Apple, Samsung und andere Smartphone-Anbieter Sonder-Vereinbarungen mit Facebook haben sollen, die ihnen erweiterten Zugriff auf Nutzer-Daten ermöglichten.

Cook wehrte sich, dabei sei es nur darum gegangen, Facebook-Funktionen umzusetzen. Apple habe von Facebook keine Daten erhalten.

Die NOZ zitiert aus einem schriftlichen Bericht Facebooks für den US-Kongress. Darin listet das Internetunternehmen auf, welche Daten die Facebook-App auf Smartphones mitliest. Der Bericht sollte Licht ins Dunkel um den Cambridge-Analytica-Skandal bringen. Computerfachleute hätten die knapp 200 Seiten des Facebook-Berichts unter die Lupe genommen und schlimmste Befürchtungen bestätigt gefunden.

Das (und noch mehr) sammelt Facebook

Danach sammelt die Facebook-App auf Smartphones viele Daten, darunter:

  • auf Handys installierte Apps
  • vorhandener Speicherplatz
  • Akkustand des Geräts
  • Zugriff auf Internet via W-Lan oder mobile Daten
  • Signalstärke des Netzes
  • GPS-Position des Smartphones
  • Details zu nahen Funkzellen, W-Lan-Signalen und Bluetooth-Geräten
  • Anrufdaten
  • SMS-Verläufe bei erlaubtem Zugriff auf Kontakte und Fotos

Facebook plant Eye-Tracker

Unterdessen soll Facebook ein Patent angemeldet haben, mit dem sich die in Handys eingebauten Mikrofone anzapfen lassen. Darüber hinaus fanden US-Senatoren Hinweise auf eine geplante Eye-Tracking-Technologie. Mit der könnte Facebook beobachten, welche auf dem Bildschirm angezeigten Inhalte den Nutzer besonders interessieren, schreibt NOZ und beruft sich dabei auf einen Bericht der Computerfachzeitschrift „Computerbase“.

Auf Nachfrage habe Facebook erwidert, eine solche Technik noch nicht zu nutzen. Man untersuche aber, wie neue Methoden die eigenen Dienstleistungen verbessern könnten. Dabei würde auf die Privatsphäre der Anwender geachtet – „stets und selbstverständlich“.

 

Autor: Franz Höllriegel