05.12.2022

Alt und Jung am Arbeitsplatz

Aktenzeichen X Y Z ungelöst... In den meisten Betrieben arbeiten Beschäftigte mehrerer Generationen. Harmonie, Verständnis, Respekt? Oft Fehlanzeige. Dabei überwiegen die Chancen der Zusammenarbeit über Generationen hinweg die Probleme. Teams 25+ sind produktiver.

Alt und Jung am Arbeitsplatz

Wie ticken jüngere Beschäftige der Generationen X, Y und Z?

Schwer zu sagen und im Grunde eine unlösbare Aufgabe. Sicher scheint, dass sie in der Regel andere Schwerpunkte als ältere Menschen setzen:

  • Sie arbeiten eher, um zu leben.
  • Sie messen ihren privaten Interessen und Aufgaben deutlich mehr Bedeutung bei.
  • Wichtiger als Geld, Leistung und Status sind für sie häufig erfüllende, als sinnstiftend empfundene Tätigkeiten.
  • Außerdem spielt eine gute Work-Life-Balance mit entsprechend flexiblen Arbeitszeit- und -ortsmodellen eine große Rolle.

… und wie Beschäftigte jenseits der Generationenschwelle?

Wenn in Betrieben mehrere Generationen aufeinandertreffen, sind die Unterschiede klar zu erkennen:

  • Ältere Arbeitnehmer etwa der Babyboomer-Generation sind ohne moderne Technologien aufgewachsen.
  • Sie sind in der Regel vom Grundsatz geprägt, dass Arbeit und beruflicher Erfolg einen hohen Stellenwert haben.
  • Diese Generation ist oft sehr leistungsorientiert.

Zu alt, arbeitsmüde, abfindungsversessen – egal warum, feststeht: langsam, aber sicher verlassen die Babyboomer das Erwerbsleben. Im Positionsvakuum wäre eigentlich Gen X an der Reihe. Doch schon drängt Gen Y als neuer Spieler nach. Ein Generationenkonflikt bahnt sich an. Darauf bereiten Sie sich als Arbeitgeber oder Personaler durch Lektüre unseres Beitrages „Die Millennials: Auf dem Weg zur Führungskraft“ vor. Seit mehreren Jahrzehnten befindet sich die Generation der Babyboomer, also der in Westdeutschland etwa ab Mitte der 1950er bis Mitte der 1960er Jahre geborenen Menschen, auf dem Arbeitsmarkt. Allmählich treten diese nun in den Ruhestand. Zumindest nehmen die Babyboomer Einfluss auf langfristige Trends. Erfahren Sie mehr zu diesem Thema in unserem Beitrag „Babyboom trägt Zinsniveau, was kommt danach?“.

Wer sind diese ominösen Generationen X, Y und Z?

Generationen geben nicht allein Aufschluss über den Zeitpunkt unserer Geburt, sondern drücken aus, in welcher Gesellschaft wir aufwachsen und welche Ereignisse uns prägen, schreibt die Statistikplattform „statista“. Demnach sind geboren:

  • die Generation X 1966-1980,
  • Generation Y oder Millennials 1981-1995
  • Generation Z 1996-2009

Sie weisen in Bezug auf Wertvorstellungen, Erfahrungen und Lebensentwürfe etliche Differenzen auf, die sich auch im Konsumverhalten, der Internet- und Mediennutzung sowie der Freizeitgestaltung widerspiegeln. Insbesondere im Hinblick auf die Digitalisierung haben die Angehörigen der Generationen als Digital Natives oder Digital Immigrants unterschiedliche Hintergründe, was sich durch Internetnutzung und Umgang mit Technik bemerkbar macht. Globalisierung und Digitalisierung haben zudem einen großen Einfluss auf die Arbeitswelt der Generationen. Sie wurde im Sinne von New Work vor allem von den Millennials maßgeblich mitgeprägt. Im Vergleich zu diesen, die in ihrem Beruf aufgehen und teilweise auch als Workaholics gelten, setzt die Generation X auf Statussymbole und Bequemlichkeit, während der Gen Z vor allem Sicherheit und Beständigkeit im Beruf wichtig ist.

Tipp der Redaktion

Erfolgreich als Führungskraft und Manager: Ganz gleich, ob Sie Tipps zur Führung von Mitarbeitergesprächen, Vertriebsteams oder Optimierungswünsche zu Ihrem eigenen Führungsstil haben: „Führung & Management AKTUELL“ hilft praxisnah und innovativ!

Die anhaltende Corona-Pandemie beeinflusst das Leben aller Altersgruppen in nahezu allen Lebensbereichen. Die Krise zeigt, wie unterschiedlich die Generationen von den Auswirkungen betroffen sind und mit der neuen Situation umgehen.

Wie gehen Sie als (Personal-)Verantwortliche in den Unternehmen mit diesem Generation-Gap um?

Für Sie sind diese sich widersprechenden Lebens- und Arbeitsauffassungen der Generationen eine große Herausforderung. Vielen scheint es leichter, diese zu ignorieren. Doch täuschen Sie sich nicht. Die drei Affen sollten Ihnen als Personaler und Arbeitgeber nicht das Diktat des Nichthandelns aufzwingen. Über kurz oder lang wird das Verdrängen eher mehr als weniger Probleme bereiten. Daher sind Sie als Arbeitgeber gut beraten, sich zu stellen und Lösungen von sich aus anzugehen:

  • Ältere Beschäftigte brauchen z. B. mehr Angebote beim Arbeits- und Gesundheitsschutz, wie Rückenschule, ergonomische Möbel etc.; sie sind möglicherweise nicht mehr bestmöglich einsatzbereit.
  • jüngere Nachwuchskräfte haben demgegenüber Bedürfnissen nach flexibler Arbeitszeit, Homeoffice – wenn möglich sogar aus dem Ausland –, mobilem Arbeiten und zeitlich begrenzter Auszeit vom Beruf als Sabbaticals.

Wie können Sie als Arbeitgeber mit unterschiedlichen Altersgruppen auskommen?

Das sollten Sie. Nur wenn Ihre Beschäftigten unterschiedlicher Altersgruppen gut miteinander auskommen, können sie gemeinsam produktiv sein. Um das zu erreichen, braucht es die dafür förderlichen Rahmenbedingungen.

  • Regel Nr. 1: gegenseitiger Respekt vor dem jeweils anderen. Respekt hat jeder verdient, egal ob jünger oder älter, erfahrener oder unerfahrener. Wer respektvoll miteinander umgeht, hat keine Angst vor dem anderen.
  • Regel Nr. 2: Reden ist Gold. Wie viele Konflikte verursachen oft gegenseitige Vorurteile die zwischen Beschäftigten unterschiedlicher Altersgruppen. Dagegen helfen nur drei Dinge: Kommunikation, Kommunikation und noch mal Kommunikation. Wer mehr voneinander und übereinander weiß, hat weniger Vorurteile. Als Arbeitgeber sind Sie daher gut beraten, Kommunikation aktiv zu fördern.

Miteinander zu sprechen, muss allerdings nicht dazu führen, dass man die Dinge immer gleich sieht – und das ist auch nicht erforderlich. Eine offene Kommunikation hat zur Folge, dass unterschiedliche Meinungen, wenn nicht immer und sofort akzeptiert, so doch respektiert werden, ohne die eigene Ansicht stets durchsetzen zu wollen. In dasselbe Horn stößt die hilfreiche Kompromissbereitschaft jüngerer und älterer Kollegen gleichermaßen.

  • Regel Nr. 3: Totschlagargumente sind tabu. Vermeiden Sie als Arbeitgeber oder Vorgesetzter Sätze wie „Das haben wir immer schon so gemacht“! Damit ersticken Sie jede konstruktive Diskussion im Keim. Die jüngeren Beschäftigten hinterfragen viel Althergebrachtes und suchen nach neuen Lösungen und Sichtweisen. Das ist legitim. Das führt zu Verbesserungen. Das sichert die Wettbewerbsfähigkeit Ihres Unternehmens in einer globalen Welt.

Wie können Sie neuen jüngeren Mitarbeitern den Einstieg erleichtern?

Indem Sie sie generationenübergreifend mit älteren Mitarbeitern zusammenarbeiten lassen. Hier können ältere Fachkräfte eine sinnvolle Stütze bei der Einarbeitung sein. Sie verfügen über ein enormes Wissen. Sie haben wertvolle Fähigkeiten, die sie weitergeben können und sollten. Selbst wenn die eigentliche fachliche Einweisung vielleicht nicht funktionieren sollte, können ältere Mitarbeiter dennoch gute Dienste bei der generellen Eingewöhnung der jungen Kollegen leisten. Eine erfahrene Kraft kann Hemmschwellen von vorneherein abbauen und aus ihrer Perspektive Tipps geben.

Vielfach bewährt haben sich Teams, in denen Beschäftigte aus mehreren Generationen miteinander in Projekten arbeiten. Wichtig ist dabei, dass die zuständige Führungskraft klare Ansagen im Hinblick auf die Spielregeln macht. So entstehen mögliche Konflikte gar nicht erst. Je mehr die Beschäftigten unterschiedlicher Altersgruppen miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsam Aufgaben lösen, desto mehr schweißt das zusammen. Zur Kultur Ihres Unternehmens sollte gehören, unterschiedliche Herangehens- und Sichtweisen als Bereicherung und Chance und weniger als Schwierigkeit zu sehen.

Welche Unterstützung können Mentoring-Programme bieten?

Mit ihrer Hilfe intensiviert sich der Kontakt zwischen Alt und Jung fast wie von selbst. Ein erfahrener Arbeitnehmer wird als Mentor einer Nachwuchskraft, dem Mentee, zur Seite gestellt. In einem längeren Prozess unterstützt der Ältere den Jüngeren und gibt sein Wissen sowie seine Erfahrung weiter. Dies ist wieder ein Konzept, bei dem beide Seite gewinnen: Der Jüngere kann lernen und sich gegebenenfalls rückversichern, während sich Ältere bei den Neuen Tipps holen können, was etwa den Umgang mit modernen Technologien betrifft.

Was hat Ihr Betrieb von dem Miteinander von Jung und Alt?

Der Wissenstransfer ist der Schlüssel für die Zukunft Ihres Betriebs. Ältere Beschäftigte haben in den Jahrzehnten ihres Berufslebens wertvolles Wissen und unbezahlbare Kenntnisse sowie Erfahrungen erworben. In viele Betrieben wird nicht ausreichend darauf geachtet, dieses Wissen an die jüngere Generation weiterzugeben, bevor die Älteren in Rente gehen – ein Verlust von Wissen, der für Unternehmen durchaus dramatische Folgen haben kann.

Auch wenn Sie als Unternehmer die Zukunft fest im Blick haben, ist es für Sie wichtig, die älteren Beschäftigten nicht zu vernachlässigen. Das kann unter Umständen passieren, weil in der Regel die jüngeren Beschäftigten ihre Bedürfnisse klarer und lauter artikulieren. Daher: fragen Sie Ihre altgedienten Mitarbeiter gezielt danach, was sie brauchen, um weiter motiviert im Unternehmen tätig zu sein.

Welche Tipps sollten Sie als Arbeitgeber befolgen?

Heben Sie die Wissensschätze Ihrer verdienten Beschäftigten! Sorgen Sie in strukturierten Programmen für einen ausführlichen Wissenstransfer durch:

  • Mentoring,
  • Coaching,
  • altersgemischte Teams oder
  • bei der täglichen Arbeit im gemeinsamen Büro.

Nehmen Sie sich ein Beispiel an Amerika. Dort stellen Betriebe absichtlich Praktikanten ein, die vielleicht sogar schon im Rentenalter sind und die man nun mit jüngeren Beschäftigten paart. Ziel ist wiederum der gegenseitige Erfahrungsaustausch. Im besten Fall haben alle Beteiligten etwas davon und erfahren gegenseitige Wertschätzung. Hüten Sie sich dabei davor, eine der beiden Gruppen zu bevorzugen! Ermitteln Sie die jeweiligen Wünsche und Bedürfnisse! Priorisieren Sie diese und erarbeiten Sie mögliche Lösungskonzepte!

Merke: Die Zusammenarbeit funktioniert besser, wenn Ihre älteren Mitarbeiter nicht befürchten müssen, Gewohntes und Bewährtes aufgeben zu müssen oder nicht mehr gut genug zu sein. Für jüngere Beschäftigte ist es von hervorragender Bedeutung, sich trotz ihrer mangelnden Erfahrung ernst genommen und wertgeschätzt fühlen zu können und nicht einfach abgebügelt zu werden.

Was bietet Reverse-Coaching?

Damit steht Ihnen ein Instrument zur Verfügung, mit dem Jüngere ihr spezifisches Wissen an die Älteren weitergeben. Diese laden sie in ihre Welt ein, in der es in Sachen Erfolgshunger und Leistungswille kaum anders aussieht als bei ihren Vorgängern. Gleichzeitig öffnet dieser Ansatz den Boomern die Tür zu neuen Welten:

  • Digitalisierung,
  • Social Media,
  • Diversity,
  • Klimapolitik,
  • Work-Life-Blending,
  • Purpose und mehr.

Hierbei handelt es sich um Themen, für die sich die neue Generation begeistert und einsetzt. Hier dürfen die Älteren, sofern sie bereit dazu sind, zuhören und verstehen. Welche Bedingungen für ein erfolgreiches Reverse-Coaching erforderlich sind, erfahren Sie in unserem kostenlosen Download „Sechs Bedingungen für ein erfolgreiches Reverse-Coaching“.

Autor*in: Franz Höllriegel