25.01.2021

Als Gesellschafter ausgeschieden – trotzdem noch Einsicht in Buchführung?

Ohne Moos nichts los. Nach dieser Devise könnten Sie als Gesellschafter in die Geschäftsführung hineinreden. Die verwaltet ja nur treuhänderisch Ihr Kapital. Doch was, wenn Sie als solcher ausscheiden? Eigentlich haben Sie dann kein Auskunftsrecht mehr. Aber hier gibt es Ausnahmen.

Gesellschafter Buchführung

Worauf beruht Ihre Stellung als Gesellschafter bei Ihrer Kapitalgesellschaft?

In erster Linie auf Ihrem Kapital, das Sie Ihrem Unternehmen zur Verfügung stellen. Bei Personengesellschaften ist die Führung der Geschäfte zwangsläufig mit der Gesellschafterstellung verbunden. Nicht so bei Kapitalgesellschaften. Hier verwaltet die Geschäftsführung Ihr Kapital treuhänderisch für Sie als Gesellschafter.

Können Sie als GmbH-Gesellschafter die Geschäftsführung überwachen?

Ja, dazu haben Sie als solcher weitreichende Auskunfts- und Einsichtsrechte, geregelt in § 51a GmbHG. Diese gelten, egal wie viel Sie als Gesellschafter an Kapital in die Firma einbringen. Ihr Geschäftsführer muss Ihnen als Gesellschafter auf Verlangen unverzüglich Auskunft über die Angelegenheiten Ihrer Gesellschaft geben. Er muss Ihnen Einsicht der Bücher und Schriften gestatten. Sie können sie nicht durch vertragliche Regelungen, z.B. im Gesellschaftsvertrag, abbedingen oder einschränken.

Darf Ihr Geschäftsführer Ihnen die Auskunft verweigern?

Nur wenn zu befürchten ist, dass Sie die Auskunft zu gesellschaftsfremden Zwecken verwenden wollen zum Nachteil Ihrer Gesellschaft, diese oder ein verbundenes Unternehmen hierdurch einen nicht unerheblichen Nachteil oder Schaden nehmen könnte. Ihre Auskunftsrechte als Gesellschafter sind also sehr weitreichend, um die notwendige Transparenz und Kontrollmöglichkeiten zu schaffen. Allerdings ist dieses Auskunftsrecht daran gebunden, dass Sie auch wirklich aktiver Gesellschafter sind.

Was, wenn Sie als Gesellschafter ausgeschieden sind?

Dann sieht die Geschichte etwas anders aus. Als ausgeschiedener Gesellschafter können Sie sich nicht auf diese Vorschrift des GmbHG berufen; und zwar dann auch nicht bei Auskunftsverlangen für Vorgänge aus Ihrer Zeit als aktiver Gesellschafter. Das soll dem Zweck dienen, die berechtigten Schutzinteressen der Kapitalgesellschaft nicht zu gefährden.

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Was aber, wenn Sie auf bestimmte Informationen aus jener Zeit angewiesen sind?

Das kann allerdings sein. Beispielsweise wenn Sie als Ex-Gesellschafter gegenüber Ihrer Gesellschaft noch Forderungen haben, wie z.B.:

  • Abfindungen,
  • Regressforderungen,
  • Streitigkeiten mit den verbliebenen Gesellschaftern etc.

Dann könnten Sie in der Tat als ausgeschiedener Gesellschafter auf Informationen von der Gesellschaft angewiesen sein. In diesem Fall räumt Ihnen als ausgeschiedenem Gesellschafter die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ein Informationsrecht ein, abgeleitet aus § 810 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB). Nach dieser Vorschrift könnten Sie als ausgeschiedener Gesellschafter Einsicht in eine im Besitz Ihrer früheren GmbH befindliche Urkunde verlangen, unter folgenden Voraussetzungen:

  • die Urkunde wurde in Ihrem Interesse errichtet oder
  • sie beurkundet ein zwischen Ihnen und einem anderen bestehendes Rechtsverhältnis oder
  • sie enthält Verhandlungen über ein Rechtsgeschäft zwischen Ihnen und einem anderen oder zwischen einem von Ihnen beiden und einem gemeinschaftlichen Vermittler.

Was lernen wir daraus?

Dass Ihr Auskunftsrecht als ausgeschiedener Gesellschafter nach § 810 BGB nicht so weit geht wie als aktiver Gesellschafter, egal wie weit man die BGB-Vorschrift auslegt. Das BGB setzt, anders als die im GmbHG, ein rechtliches Interesse bei Ihnen voraus. Es muss einen konkreten Bezug zum Sachverhalt haben. Auf das BGB können Sie Ihr Auskunftsersuchen nur zu dem Zweck stützen, die erforderliche Sachverhaltsaufklärung für das angestrebte Ziel zu gewährleisten. Darüber hinaus braucht danach Ihre frühere Gesellschaft Ihnen keine Auskünfte zu erteilen. Das Auskunftsrecht nach BGB ist nur ein punktuelles, das nach GmbHG ein umfassendes, welches seine Grenze lediglich bei der Schadensprävention für die Gesellschaft findet.

Weitere Informationen

Verschaffen Sie sich einen Überblick über „Wichtige Entscheidungen im GmbH-Recht“.

Wenn Sie wissen wollen, ob man Sie so ohne weiteres aus der Gesellschafterliste streichen kann, finden Sie Antworten in dem Beitrag „Von der Gesellschafterliste streichen: nicht gegen gerichtliche Verfügung!“.

Müssen Sie als Gesellschafter an Gesellschafterversammlungen teilnehmen? Dazu mehr in dem Beitrag „Gesellschafterversammlung: außerordentliche Versammlung“.

Wollen Sie eine (weitere) GmbH gründen, finden Sie alles Wissenswerte dazu in dem Beitrag „Der GmbH-Gesellschaftsvertrag (Muster)“.

Verluste aus Darlehen und Bürgschaften steuerlich geltend machen – das konnten Sie als Gesellschafter einer insolventen GmbH bis 2017. Ob das immer noch geht, lesen Sie hier: „Gesellschafter-Darlehen steuerlich riskanter“.

Zum Abschluss noch eine Pflichtlektüre, wenn Sie als Gesellschafter-Geschäftsführer Ihren Wohnsitz im Ausland haben, der Beitrag „Gesellschafter-Geschäftsführer mit Wohnsitz im Ausland: Wie steht es um die Sozialversicherung?“.

Autor: Franz Höllriegel