12.11.2019

Abrechnung von Jobbikes: Ohne Steuern und Abgaben in die Pedale treten!

Nach unten treten, nach oben buckeln – Radfahrer wie Karrieristen soll diese doppeldeutige Definition einen. Nur Erstere indes betrifft ein neuer Ländererlass. Sie als ihr Chef können ihnen jetzt Räder steuer- und abgabenfrei überlassen – ohne dass sie bei Ihnen zu buckeln brauchen.

Ländererlass Jobbike

Für welche Art Fahrzeug werden Steuer oder Abgaben fällig?

Die Trennlinie liegt in der Frage: welche Kraft treibt ein Fahrzeug an, ein Mensch oder ein Motor? Im zweiten Fall handelt es sich um ein Kraftfahrzeug. Und wenn Sie als Arbeitgeber Ihrem Mitarbeiter ein solches überlassen, sind Steuern und Sozialversicherung fällig. Geregelt ist das in § 3 Nr. 37 Einkommensteuergesetz (EStG).

Aufgrund des koordinierten Ländererlasses können Sie als Arbeitgeber Räder ab sofort steuer- und sozialversicherungsfrei an Arbeitnehmer überlassen. In den gleichlautenden Erlassen der obersten Finanzbehörden der Länder ist die Neuregelung für Überlassungen in dem Zeitraum 01.01.2019 bis 31.12.2021 festgeschrieben (Erlass vom 13.03.2019, Az.: 3 – S 233.4/187). Selbst Sie als Unternehmer profitieren von der Neuregelung. Danach bleiben steuerfrei die zusätzlich zum Arbeitslohn gewährten Vorteile für die Überlassung eines betrieblichen Fahrrads. Den schulden Sie als Arbeitgeber ja ohnedies.

Sind alle Fahrräder steuerfrei?

Nein, nur solche ohne Motor und Elektroräder mit Höchstgeschwindigkeit bis höchstens 25 km/h. Damit wären es mehr als 90 Prozent aller derzeit in Deutschland gefahrenen Räder – mit sinkender Tendenz. 2018 war laut „Statista“ bereits fast ein Viertel aller in Deutschland abgesetzten Fahrräder E-Bikes (s. Grafik). Nur Trekking-Räder waren noch beliebter. Ein Großteil der E-Fahrräder (880.000) kommen aus dem Ausland.

Absatz von E-Bikes
Absatz von E-Bikes

Der Absatz ist dabei in den vergangenen Jahren immer angestiegen, aber von 2017 bis 2018 so stark wie nie. Als gängigste Form von E-Fahrrädern stuft „Statista“ Pedelecs (Pedal Electric Cycle) ein. Hier unterscheidet das Statistik-Portal zwei Arten:

  • Pedelec mit maximal 250 Watt: Bei diesen unterstützt den Radler ein Elektromotor während des Tretens bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Km/h. Wie stark ihn der Motor unterstützen soll, kann der Radfahrer, beispielsweise in Abhängigkeit von der Steigung einer Strecke oder bei Gegenwind, unterschiedlich einstellen.
  • Schnelles Pedelec, S-Klasse oder Schweizer Klasse mit maximal 500 Watt. Der Motor schaltet erst ab einer Geschwindigkeit von 45 Km/h ab. Schnelle Pedelecs benötigen eine Betriebserlaubnis sowie ein Versicherungskennzeichen.

Elektrofahrräder wie die schnellen Pedelecs sind entsprechend steuer- und versicherungspflichtig. Solche Fahrzeuge werden steuerlich als Kraftfahrzeuge eingeordnet.

Wer profitiert von der Vergünstigung?

Alle Arbeitnehmer – und diesen Begriff fasst der Fiskus erfreulich weit. So können auch andere in den Genuss der Vorteile kommen – egal, zu welcher sozialversicherungsrechtlichen Gruppe sie gehören:

  • selbst Gesellschafter-Geschäftsführer,
  • geringfügig Beschäftigte,
  • Aushilfen,
  • Gewinnermittler.

Was müssen Sie als Arbeitgeber dabei tun?

Fast nichts. Sie brauchen für die private Nutzung ihres Rads keine Nutzungsentnahme anzusetzen. Sie müssen nur ein paar Spielregeln beachten. So entfällt bei Fahrrädern die Versteuerung einer Privatnutzung nur, sofern:

  • das Rad zum Vermögen Ihres Betriebes gehört und
  • zu mindestens zehn Prozent betrieblich genutzt wird.

Dazu lassen Sie am besten Betriebsfahrten kurz dokumentieren. Damit können Sie Diskussionen bei künftigen Betriebsprüfungen aus dem Wege gehen. Listen Sie über – sagen wir – drei Monate alle Betriebsfahrten und die gesamte Kilometerleistung auf. Das wäre ein repräsentativer Zeitraum. Ergibt sich hieraus eine betriebliche Nutzung von mindestens zehn Prozent, sind Sie auf der sicheren Seite.

Nehmen wir einmal an, Sie haben eine GmbH und zwei Geschäftsführer. Seit Juli 2018 durften beide, ein anderer Vollzeitmitarbeiter und eine Aushilfe jeweils ein E-Bike im Wert von 3.000 Euro betrieblich nutzen – zusätzlich zum bisherigen Lohn. Die Räder nutzen sie für betriebliche Kurierfahrten und nahe Kundenbesuche und durften es auch unbegrenzt für Privatfahrten. Dann sieht Ihre Versteuerung bis Ende 2018 folgendermaßen aus:

  • Betrieblich wie privat genutzte Bikes,
  • Bis zum 31.12.2018 Versteuerung je Jobbike als geldwerter Vorteil nach der Ein-Prozent-Regel: ein Prozent von 3.000 Euro = 30 Euro Zusatzvergütung pro Monat, für sechs Monate 180 Euro je Arbeitnehmer.

Ab 2019 gilt nun eine andere Versteuerung. Die Überlassung an alle Beschäftigten ist steuer- und sozialversicherungsfrei. Dazu folgende Annahme: Sie sind Einzelunternehmer und nutzen seit Juli 2018 ein betriebliches Fahrrad im Wert von 3.000 Euro auch privat. Etwa zwei Drittel der Nutzung sind betrieblich, ein Drittel privat. Dann sieht die Versteuerung so aus:

  • bis Ende 2018: Analog zu den Arbeitnehmern Versteuerung nach Ein-Prozent-Regel: ein Prozent von 3.000 Euro = 30 Euro × 6 Monate = 180 Euro.
  • ab 01.01.2019: Die Überlassung an alle Beschäftigten zur betrieblichen Nutzung zu mindestens zehn Prozent ist nun steuer- und sozialversicherungsfrei. Arbeitszeit und Stellung der Mitarbeiter im Unternehmen spielen keine Rolle. Es handelt sich um eine zusätzliche Vergütung. Zeitpunkt der Anschaffung des Fahrrads und erstmalige Überlassung sind völlig unerheblich. Versteuerung null Euro.

Was ist, wenn Sie als Arbeitgeber das Gehalt Ihres Mitarbeiters umwandeln?

Dann gelten andere Regeln. Um die Steuerfreiheit zu erhalten, überlassen Sie als Arbeitgeber das Rad zusätzlich zum bisherigen Gehalt an den Beschäftigten. Stellen Sie derweil das Gehalt Ihres Mitarbeiters um, ist der daraus resultierende geldwerte Vorteil weiterhin abgabenpflichtig. Bei Gehaltsumwandlungen unterscheidet der Fiskus zwischen Alt- und Neuregelung.

Altregelung

Haben Sie als Arbeitgeber ein Fahrrad oder E-Bike vor dem 31.12.2018 an einen Arbeitnehmer überlassen, ist die Überlassung als geldwerter Vorteil zu versteuern. Die Bemessungsgrundlage beträgt monatlich ein Prozent der auf volle 100 Euro abgerundeten unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers. Die Ein-Prozent-Regelung führen Sie auch im neuen Jahr unverändert fort.

Neuregelung

Haben Sie das Rad erstmals nach dem 31.12.2018 Ihrem Arbeitnehmer überlassen, beträgt die Bemessungsgrundlage monatlich 0,5 Prozent der auf volle 100 Euro abgerundeten unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers.

Für Sie als Arbeitgeber dürfte eine Gehaltsumwandlung also eine deutlich ungünstigere Variante bedeuten. Dabei kommt es nicht auf den Kaufzeitpunkt des Jobbikes an. Entscheidend ist einzig der Zeitpunkt der erstmaligen Überlassung des Rads an den Arbeitnehmer. Wenn Sie also beispielsweise ein E-Bike im November 2018 gekauft und sofort Ihrem Arbeitnehmer überlassen haben, liegt ein Altfall vor. Sie versteuern unverändert monatlich nach Ein-Prozent-Regelung. In die günstigere, hälftige Versteuerung wechseln können Sie nicht. Steht das Rad aber seit November 2018 zunächst im Lager und ihr Mitarbeiter fährt es erstmals am 02.01.2019, dann gilt die Neuregelung und damit Versteuerung mit 0,5 Prozent der Preisempfehlung des Herstellers.

Tipp der Redaktion

Dieser Beitrag beruht auf einem Artikel aus dem „Lohn und Gehaltsprofi AKTUELL“ (Ausgabe 10/2019). Unser Beratungsbrief „Lohn und Gehaltsprofi AKTUELL“ informiert Sie monatlich über alle Neuerungen in Sachen Lohn- & Gehaltsabrechnung – praxisnah, kompakt und mit konkreten Handlungsempfehlungen. Mit rechtssicheren Informationen und Arbeitshilfen zu einem optimalen Gehaltsmanagement.

Was heißt das für Sie als Arbeitgeber?

Für Sie ist von jetzt bis 2021 die beste Zeit, einzelnen Mitarbeitern ein Jobbike zur Verfügung zu stellen, aber bitte am besten ohne Gehaltsumwandlungen! Anstelle der nächsten außerplanmäßigen Sonderzahlung, eines Bonus oder einer Gehaltserhöhung überlegen Sie vielleicht einmal, ob Sie nicht besser Ihren Mitarbeitern Fahrräder zur betrieblichen Nutzung überlassen. Gehälter einschließlich etwaiger Sonderzahlungen sind stets steuer- und sozialversicherungspflichtig, Fahrradüberlassung in diesem Fall dagegen überhaupt nicht.

Was ist mit den schnellen Pedelecs?

Hier kommen zwei Methoden zur Anwendung:

  • 0,5-Prozent-Methode: Schnelle Pedelecs gelten steuerlich als Elektroautos. Damit versteuern Sie deren betriebliche Überlassung wie diese nach der 0,5-Prozent-Methode. Der geldwerte Vorteil für die Benutzung eines Elektroautos als Dienstwagen ist seit Jahresbeginn halbiert. Wenn Sie ein E-Auto als Firmenwagen haben und dieses auch privat nutzen, versteuern Sie jetzt monatlich nur noch 0,5 Prozent des Bruttolistenpreises – übrigens auch bei Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte sowie bei Familienheimfahrten und doppelter Haushaltsführung. Hinzu kommt ein Zuschlag von 0,03 Prozent des halben Listenpreises für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte. Und das gilt auch für schnelle Pedelecs oder Elektroräder, die aufgrund ihrer Geschwindigkeit unter die Rubrik Kraftfahrzeuge fallen.
  • Fahrtenbuchmethode: Sie berücksichtigt die Anschaffungskosten eines Fahrzeugs oder des schnellen E-Bikes in Form der Abschreibung. Analog zur Halbierung der Bemessungsgrundlage bei der Anwendung der Bruttolistenpreismethode halbiert sich die zu berücksichtigende Abschreibung ebenfalls. Sie leasen oder mieten ein Fahrzeug? Dann sind Ihre Leasing- oder Mietraten bei der Fahrtenbuchmethode ebenfalls nur hälftig zu berücksichtigen.

Die Neuregelung gilt hier ebenfalls ausschließlich für erstmals nach dem 31.12.2018 und bis zum 31.12.2021 überlassene betriebliche Elektrofahrzeuge und extern aufladbare Hybridelektrofahrzeuge. Es gilt einzig der Zeitpunkt der Überlassung des Kfz, nicht das Datum der Anschaffung.

Wieweit berücksichtigt der Erlass die Umsatzsteuer?

Das ist in der Tat eine Stolperfalle. Der Ländererlass beschäftigt sich nur mit der Lohn- und Einkommensteuer. Noch ist unklar, ob Sie als Arbeitgeber die neuen Regelungen auch bei der Umsatzsteuer übernehmen dürfen und Ihnen so zu einer geringeren Steuerbelastung verhelfen. Derzeit gilt bei der Umsatzsteuer unverändert die Altregelung und damit die höhere Versteuerung.

Welche weitere Details regelt der Ländererlass?

Folgende:

  1. Trotz Steuerfreiheit gemäß § 3 Nr. 37 EStG und Möglichkeit, das Fahrrad auch für Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte zu nutzen, können Arbeitnehmer in ihrer persönlichen Einkommensteuererklärung die Fahrten als Werbungskosten ansetzen – ohne Minderung um die steuerfreie Leistung des Arbeitgebers.
  2. Sie als Arbeitgeber führen die Fahrradgestellung in der Lohnsteuerbescheinigung von Arbeitnehmern nicht gesondert auf.
  3. Steuerfrei für Ihren Mitarbeiter bleiben auch der von Ihnen als Arbeitgeber gestellte Ladestrom und die betriebliche Ladevorrichtung.
  4. Ist die Jobbike-Überlassung steuerfrei, wirkt das ebenso auf die Sozialversicherung. Es fallen keinerlei Beiträge an.
  5. Die Freigrenze von 44 Euro für Sachbezüge nach § 8 Abs. 2 Satz 11 EStG gilt ist für die Überlassung von Jobbikes.
  6. Für schnelle Pedelecs mit Geschwindigkeiten über 25 km/h gelten die Vergünstigungen nicht. Hier bleibt es unverändert bei der Versteuerung nach der Bruttolistenpreismethode.
Autor: Franz Höllriegel