12.03.2020

REACH: Zulassungspflicht für elf weitere besorgniserregende Stoffe

Mit der Verordnung (EU) 2020/171 (Abl. EU L 35, S. 1) hat die EU-Kommission am 7. Februar 2020 elf weitere Stoffe in die Liste der zulassungspflichtigen Stoffe aufgenommen. Die zusätzlichen Stoffe bilden die Einträge Nr. 44 bis 54 des Anhangs XIV der REACH-Verordnung. Ohne Zulassung dürfen diese Stoffe nun nicht mehr in Verkehr gebracht bzw. verwendet werden.

SVHC-Stoffe neu in Liste aufgenommen.

Anhang XIV listet besonders besorgniserregende Stoffe (substances of very high concern, SVHC-Stoffe) auf, die – nach Ablauf einer festgeschriebenen Übergangsfrist – ohne Zulassung nicht mehr in den Verkehr gebracht bzw. verwendet werden dürfen.

Als SVHC-Stoffe gelten Stoffe, die

  • kanzerogen, mutagen oder reproduktionstoxisch,
  • persistent, bioakkumulierend und toxisch oder
  • sehr persistent und sehr bioakkumulierend sind oder die
  • wahrscheinlich schwerwiegende Einflüsse auf die menschliche Gesundheit oder die Umwelt haben (hormonähnliche Stoffe).

Wird ein SVHC-Stoff identifiziert, wird er zunächst in eine Kandidatenliste aufgenommen, die fortlaufend aktualisiert wird. Danach wird in einem Konsultationsverfahren geprüft, ob der Stoff in Anhang XIV gehört. Nach Aufnahme in diesen Anhang unterliegen die Stoffe eben der Zulassungspflicht. Zulassungsanträge müssen jeweils spätestens 18 Monate vor Ablauf der Übergangsfrist gestellt werden.

Die neu aufgenommenen Stoffe wurden als fortpflanzungsgefährdend, persistent, bioakkumulierend und toxisch (PBT) oder sehr persistent und sehr bioakkumulierend (vPvB) eingestuft. Im Einzelnen handelt es sich um folgende SVHC-Stoffe:

Ablauftermin: 27. Februar 2023 / Antragsschluss: 27. August 2021:

  • Kategorie 1B)
  • Dihexylphthalat (fortpflanzungsgefährdend, Kategorie 1B)
  • 1,2-Benzoldicarbonsäure, Di-C6-10-Alkylester; 1,2-Benzoldicarbonsäure, gemischte Decyl-, Hexyl- und Octyldiester mit ≥ 0,3% Dihexylphthalat (fortpflanzungsgefährdend, Kategorie 1B)

Ablauftermin: 27. Mai 2023 / Antragsschluss: 27. November 2021:

  • Trixylylphosphat (fortpflanzungsgefährdend, Kategorie 1B)
  • Natriumperborat; Perborsäure, Natriumsalz (fortpflanzungsgefährdend, Kategorie 1B)
  • Natriumperoxometaborat (fortpflanzungsgefährdend, Kategorie 1B)

Ablauftermin: 27. August 2023 / Antragsschluss: 27. Februar 2022

  • 5-sec-Butyl-2-(2,4-dimethylcyclohex-3-en-1-yl)–5-methyl-1,3-dioxan [1], 5-sec-Butyl-2-(4,6-dimethylcyclohex-3-en-1-yl)-5-methyl-1,3-dioxan [2] (vPvB)

Ablauftermin: 27. November 2023 / Antragsschluss: 27. Mai 2022

  • 2-(2H-Benzotriazol-2-yl)-4,6-di-tert-pentyl­phenol (UV-328) (PBT, vPvB)
  • 2,4-Di-tert-butyl-6-(5-chlorbenzotriazol-2-yl)phenol (UV-327) (vPvB)
  • 2-(2H-Benzotriazol-2-yl)-4-(tert-butyl)-6-(sec-butyl)phenol (UV-350) (vPvB)
  • 2-Benzotriazol-2-yl-4,6-di-tert-butylphenol (UV-320) (PBT, vPvB)

Dagegen wurde die Aufnahme einiger Bleiverbindungen (Tetrableitrioxidsulfat, Pentableitetraoxidsulfat, Orangemennige (Bleitetraoxid) und Bleimonoxid (Bleioxid) verschoben, da hier eine Entscheidung über strengerer Maßnahmen für den Arbeitsplatz abgewartet werden soll. Als reproduktionstoxische Stoffe (Kategorie 1A) erfüllen auch sie die Kriterien für die Aufnahme in Anhang XIV der REACH-Verordnung.

Autor: Anke Schumacher