News | Abfallentsorgung
20.06.2016

Plastiktüten sollen künftig weniger verbraucht werden

Um den Verbrauch von Plastiktüten deutlich zu reduzieren, hat der Handel mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) freiwillig eine Vereinbarung getroffen, die zum 01.07.2016 in Kraft tritt.

Die Verwendung von Plastiktüten soll reduziert werden.© AlexandrBognat/​iStock/​Thinkstock

Plastiktüten sollen nach dem Willen von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks künftig deutlich sparsamer genutzt werden, um so die Umwelt zu entlasten. Sie setzt dabei vor allem auf die freiwillige Kooperationsbereitschaft des Handels, der einer Vereinbarung mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) auch bereits zugestimmt hat. Das ist der Deutschen Umwelthilfe (DUH) aber zu wenig. Sie fordert für die Zukunft vielmehr eine verpflichtende Abgabe auf Plastiktüten.

Verbrauch von Plastiktüten soll etwa um die Hälfte sinken

Der Plastiktütenverbrauch soll in den kommenden zehn Jahren fast halbiert werden. So lautet das Ziel einer freiwilligen Vereinbarung zwischen dem Handelsverband Deutschland (HDE) und Bundesumweltministerin Hendricks. Die teilnehmenden Unternehmen sagen darin zu, Kunststofftragetaschen zukünftig nur noch gegen ein Entgelt abzugeben. Weitere Handelsverbände und Unternehmen haben bereits erklärt, sich an der Vereinbarung zu beteiligen.

Eine neue EU-Richtlinie, die im Mai 2015 in Kraft getreten ist, sieht vor, den Verbrauch sogenannter „leichter Kunststofftragetaschen“ mit einer Wandstärke bis zu 50 µn bis zum Ende des Jahres 2019 auf höchstens 90 Stück und bis Ende des Jahres 2025 auf höchstens 40 Stück pro Einwohner und Jahr zu verringern. In Deutschland liegt der Verbrauch zurzeit bei 71 Stück pro Person und Jahr.

Deutschland setzt diese Vorgaben vorerst mit einer freiwilligen Vereinbarung zwischen dem Handel und dem BMUB um. Diese tritt zum 01.07.2016 in Kraft und bezieht Plastiktüten über 50 µm Wandstärke ein. Ausgenommen sind sehr leichte Plastiktüten, die zum Beispiel für Obst und Gemüse benutzt werden.

Nach zwei Jahren prüft das BMUB, ob das langfristige Reduktionsziel der EU-Richtlinie erreicht werden kann. Sollte dies nicht möglich sein, kann das BMUB von seiner Möglichkeit Gebrauch machen, die Vereinbarung zu kündigen und durch eine ordnungsrechtliche Maßnahme zu ersetzen.

DHU kritisiert: so wird das Problem mit den Plastiktüten nicht gelöst

Die DUH kritisiert diese freiwillige Vereinbarung: Was oberflächlich betrachtet gut klinge, sei in Wirklichkeit schlecht für die Umwelt. Am Ende könnte der Einzelhandel sogar noch an der Tüte verdienen. Die DUH fordert eine gesetzliche Regelung und eine bundesweite Abgabe von 22 Cent – nur so ließe sich das Tütenproblem lösen.

Durch die „freiwillige Vereinbarung“ mit dem Handelsverband HDE erkläre sich Bundesumweltministerin Hendricks zudem ausdrücklich einverstanden, dass nur 50 % der in Deutschland in Verkehr gebrachten Plastiktüten etwas kosten sollen.

Autor: Wilfried Denz 

Produkte und Veranstaltungen

Produktempfehlungen