23.04.2018

Neue Datenbank für Rückstandsfunde in Bio-Produkten

Die Gesellschaft für Ressourcenschutz und der Kontrollverein haben eine Datenbank zur Bewertung von Rückstandsfunden entwickelt.

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Die Gesellschaft für Ressourcenschutz und der Kontrollverein haben eine Datenbank zur Bewertung von Rückstandsfunden entwickelt. Kontrollstellen, Labore und zuständige Behörden können Funde relevanter Stoffe mit einer anonymisierten Fallbeschreibung und dem Bewertungsergebnis einbringen. Hintergrund ist die angekündigte revidierte EU-Öko-Verordnung, mit der das Verbrauchervertrauen gestärkt werden soll.

Auch wenn im ökologischen Landbau keine chemisch-synthetischen Pestizide eingesetzt werden, kann bei Bioprodukten keine völlige Schadstofffreiheit erwartet werden. Daher ist der Nachweis von Wirkstoffen oberhalb der Berichtsgrenze auf Kulturpflanzen im Feldbestand allein noch kein ausreichender Indikator, dass vom Unternehmen gegen die Produktionsvorschriften verstoßen wurde. Auch bei gehandelten oder verarbeiteten Bio-Lebensmitteln ist in der Regel ein einzelnes Analyseergebnis nicht ausreichend, um zu beurteilen, ob die betroffene Partie ökokonform erzeugt bzw. hergestellt wurde und der betroffene Betrieb verordnungskonform arbeitet.

Revidierte EU-Öko-Verordnung für mehr Verbrauchervertrauen

Die revidierte EU-Öko-Verordnung, die zum 1. Januar 2021 in Kraft treten soll, hat deshalb den Grundsatz: Geringe Mengen an Rückständen müssen nicht das Aus für die Bio-Produkte bedeuten, denn anders als in früheren Entwurfsfassungen der Revisionsverordnung wird keine vollständige Rückstandsfreiheit gefordert. Vielmehr heißt es, die Produkte sollen auf allen Stufen der Erzeugung, Verarbeitung und des Handels „frei sein von wiederholten oder beabsichtigten Unregelmäßigkeiten, die ihre Bioqualität bzw. Qualität als Umstellungsware gefährden können“.

Gleichzeitig will aber die revidierte EU-Öko-Verordnung durch verstärkte Kontrollen das Verbrauchervertrauen in Bio-Produkte stärken. Dies stellt aber die Kontrollstellen und Behörden bei der Interpretation sehr geringer Rückstandsmengen vor Interpretationsfragen: Waren die Vorbeugemaßnahmen unzureichend und gab es eine direkte, unzulässige Anwendung bei der Produktion oder handelt es sich um hinnehmbare Rückstände?

Interpretation mit der Rückstandsdatenbank

Die richtige Interpretation ist wichtig, denn wenn der Verdacht besteht, dass ein nicht zugelassener Stoff im Öko-Produkt vorhanden ist, darf das Endprodukt bis zur weiteren Klärung nicht mit Bio-Hinweisen gekennzeichnet werden. Wenn die Kontamination vorsätzlich erfolgt ist oder der Landwirt die vorgeschriebenen Vorsichtsmaßnahmen nicht anwendet, verliert das Produkt seinen Bio-Status komplett. Die neue Datenbank zur Bewertung von Rückstandsfunden in Bioprodukten (res.bio) soll vor allem bei Analyseergebnissen im niederschwelligen Bereich Unterstützung bieten. So können Kontrolleure ähnliche Analyseergebnisse suchen und deren Interpretation recherchieren. Auf diese Weise soll eine Vereinheitlichung der Bewertungen erreicht werden. Darüber hinaus bietet die Datenbank eine Grundlage für die risikoorientierte Ausrichtung von Probennahmen und Analytik.

Autor: Markus Horn