25.04.2022

Lagerung von Gefahrstoffen

Fast jeder Betrieb hält sie in irgendeiner Menge oder Form bereit: Stoffe, die durch Eigenschaften wie hochentzündlich, ätzend oder giftig eine besondere Gefährdung darstellen. Mal sind es nur wenige Dosen oder Fläschchen, mal ganze Fasslager. Was aber genau bedeutet „Lagern“ und was gibt es zu beachten? Muss ich mir als Unternehmer schon Gedanken machen wegen vereinzelter herumstehender Behälter mit Gefahrstoffen? Dazu erfahren Sie mehr in unserem heutigen Beitrag.

Lagerung von Gefahrstoffen

Gefahrstoffe müssen Sie generell auf eine Weise aufbewahren und lagern, die Risiken für die menschliche Gesundheit und die Umwelt verhindert. Hier steckt der Teufel im Detail, weshalb je nach Situation auch unterschiedliche Maßnahmen für die Lagerung von Gefahrstoffen angebracht sind.

Kurzüberlick: Um welche Stoffe geht es? 

Zu den Gefahrstoffen zählen Stoffe, Gemische und Erzeugnisse mit gefährlichen Eigenschaften sowie solche, bei deren Herstellung und Verwendung Stoffe mit gefährlichen Eigenschaften freigesetzt werden (gemäß § 2 Abs. 1 Gefahrstoffverordnung/GefStoffV).

Viele Produkte haben keine gefährlichen Eigenschaften bzw. keine relevanten Mengen gefährlicher Inhaltsstoffe. Diese Produkte können aber unter die Definition der wassergefährdenden Stoffe fallen. In diesem Fall wären ebenfalls Maßnahmen bei der Lagerung erforderlich. Zu beachten sind dann die Vorgaben der Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV). Es kann sinnvoll sein, im Zweifelsfall alle Produkte wie einen Gefahrstoff zu behandeln.

Allgemeines zur Lagerung von Gefahrstoffen

Die Lagerung von Gefahrstoffen ist nach der GefStoffV definiert. Demnach handelt es sich dabei um das Aufbewahren zur späteren Verwendung sowie zur Abgabe an andere. Es schließt die Bereitstellung zur Beförderung ein, sofern die Beförderung nicht innerhalb von 24 Stunden nach der Bereitstellung oder am darauffolgenden Werktag erfolgt. Ist dieser Werktag ein Samstag, so endet die Frist mit Ablauf des nächsten Werktags. Grundsätzlich versteht man unter Lagerung das Aufbewahren von Materialien, die nicht umgehend verwendet werden sollen oder können.

Die GefStoffV selbst gibt nur wenige Hinweise auf Maßnahmen für die Lagerung entzündbarer und explosionsgefährlicher Stoffe. Diese Maßnahmen werden in den Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) 509 „Lagern von flüssigen und festen Gefahrstoffen in ortsfesten Behältern sowie Füll- und Entleerstellen für ortsbewegliche Behälter“ und TRGS 510 „Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern“ konkretisiert. Weitere Information finden Sie z.B. in der TRBS 3145, die den Umgang mit Gasen regelt.

Die Lagerklasse

Alle Gefahrstoffe werden in Abhängigkeit von deren gefährlicher Eigenschaft einer Lagerklasse (LGK) zugeordnet. Diese beschreibt die für die Lagerung relevanten Gefährdungsmerkmale des jeweiligen Gefahrstoffs. Die Gefährdungsmerkmale basieren auf den Kriterien der Einstufung und Kennzeichnung nach der GefStoffV bzw. den Kriterien der Klassifizierung nach Gefahrgutrecht. Hat ein Gefahrstoff mehrere Gefährdungsmerkmale, wird er der Lagerklasse der für die Lagerung vorrangigen Gefährdung zugeordnet.

Vorgaben für das Gefahrstoff-Lager

Das Lager für Gefahrstoffe muss von anderen Betriebsbereichen abgetrennt werden. Je nach ihrer Gefährlichkeit dürfen Sie Gefahrstoffe in einem Lager zusammen oder getrennt in unterschiedlichen Lagerbereichen aufbewahren. In einigen Fällen (z.B. bei der Lagerung von Gas) müssen Sie Gefahrstoffe separat in unterschiedlichen Abschnitten lagern.

Ein Lagerabschnitt ist der Teil eines Lagers, der von anderen Lagerabschnitten oder angrenzenden Räumen in Gebäuden durch Wände und Decken getrennt ist, die die sicherheitstechnischen Anforderungen erfüllen – oder im Freien durch entsprechende Abstände bzw. Wände. Sicherheitsschränke mit einer Feuerwiderstandsfähigkeit von mindestens 90 Minuten gelten als Lagerabschnitt.

Passive und aktive Lagerung von Gefahrstoffen

Zu unterscheiden ist zwischen passiver und aktiver Lagerung:

  • Bei der passiven Lagerung sind die Behältnisse dicht verschlossen und dürfen während des Aufbewahrens im Lager weder befüllt noch entleert noch zu sonstigen Zwecken geöffnet werden.
  • Aktive Lagerung ist das Aufbewahren in ortsbeweglichen Behältern, die am Ort ihrer Lagerung ortsfest als Entnahme- oder Sammelbehälter benutzt oder zu sonstigen Zwecken geöffnet werden. Bei diesen Tätigkeiten kann es zu einer Freisetzung von Gefahrstoffen kommen. Daher ist bei Tätigkeiten im Lager immer eine Gefährdungsbeurteilung erforderlich und es sind deutlich mehr Maßnahmen zu treffen.

Bereitstellung zur Verwendung

Die Mengen bereitgestellter Gefahrstoffe müssen Sie auf den Tages-/Schichtbedarf begrenzen, darüber hinausgehende Mengen lagern Sie. Soweit regelmäßig (auch in größeren Zeitabständen) kleine Mengen verwendet werden, kann auch die kleinste handelsübliche Gebindegröße bereitgestellt werden.

An Stellen, an denen aus ortsbeweglichen Druckgasbehältern Gase entnommen werden, darf maximal die gleiche Anzahl ortsbeweglicher Druckgasbehälter zusätzlich bereitgestellt werden.

Erfassung der Daten

Die Erfassung der Daten der gelagerten Produkte ergibt sich aus der GefStoffV und der TRGS 510. Demnach hat der Arbeitgeber ein Verzeichnis der im Betrieb verwendeten Gefahrstoffe zu führen.

Inhalte des Verzeichnisses sind:

  • Bezeichnung des Gefahrstoffs
  • Einstufung des Gefahrstoffs oder Angaben zu den gefährlichen Eigenschaften
  • Angaben zu den im Betrieb verwendeten Mengenbereichen
  • Bezeichnung der Arbeitsbereiche, in denen Beschäftigte dem Gefahrstoff ausgesetzt sind

Für die Lagerung sind noch

  • die im Lager gelagerten Mengen und
  • der Lagerbereich

zu ergänzen.

Weitere sinnvolle Angaben im Lagerverzeichnis sind

  • die Lagerklasse (LGK) und
  • die Wassergefährdungsklasse (WGK)

der Produkte.

Wird im Betrieb nur ein Lager betrieben, so können beide Verzeichnisse zusammengefasst werden. Bei mehreren Lagern sind meist einzelne Lagerverzeichnisse sinnvoll.

Berücksichtigung der Lagerzeit

Die geplante Lagerzeit hat für die meisten Betriebe keine Bedeutung, da sie die Lager über viele Jahre hinweg betreiben. Relevant wird sie allerdings z.B., wenn die Gefahrstoffe auf Baustellen außerhalb des Firmengeländes gelagert werden. Diese fallen unter den Geltungsbereich der AwSV, wenn sie länger als sechs Monate betrieben werden.

Für alle Anlagen, die länger als sechs Monate betrieben werden, müssen Sie die Wassergefährdungsklasse des Lagers ermitteln.

Maßnahmen bei der Gefahrstofflagerung

Treffen Sie für die Lagerung von Gefahrstoffen folgende Schutz- und Vorsichtsmaßnahmen:

  • Gefahrstoffe sollte Ihr Betrieb nur in den Originalgebinden Die Gebinde müssen verschlossen sein.
  • Werden Gefahrstoffe umgefüllt, so sind die Gebinde, in die die Gefahrstoffe gefüllt werden, wie die Originalgebinde zu kennzeichnen.
  • Ihr Betrieb muss Gefahrstoffe so aufbewahren, dass frei werdende Stoffe leicht erkannt werden können. Freigesetzte Stoffe müssen umgehend beseitigt werden. Die dafür notwendige Schutzausrüstung müssen Mitarbeiter schnell erreichen können.
  • Giftige, krebserzeugende und reproduktionstoxische Stoffe sind unter Verschluss oder so aufzubewahren oder zu lagern, dass nur fachkundige und zuverlässige Personen Zugang haben.
  • Das Lager muss über einen hinreichend widerstandsfähigen Boden verfügen.
  • Behälter mit flüssigen Gefahrstoffen müssen Sie in Auffangbehälter Die Auffangwannen müssen 10 % des Inhalts der Gefäße, mindestens aber den Inhalt des größten Gefäßes auffangen können. Bewahren Sie entzündbare Flüssigkeiten auf, müssen Sie die Auffangwannen erden. Stoffe, die miteinander reagieren, dürfen Sie nicht über denselben Auffangbehälter stellen. Die Auffangbehälter haben Sie außerdem regelmäßig auf ausgelaufene Stoffe zu prüfen.
  • Elektrische Geräte und Installationen müssen ex-geschützt sein. Vermeiden Sie Zündquellen.
  • Das Lager muss gut beleuchtet
  • Das Lager muss belüftet Eine natürliche Lüftung ist ausreichend, wenn unmittelbar ins Freie führende Lüftungsöffnungen mit einem Gesamtquerschnitt von mindestens 1/100 der Bodenfläche des Lagerraums, mindestens aber zwei Lüftungsöffnungen jeweils in Boden- und Deckenhöhe von je mindestens 100 cm² vorhanden sind. Diese dürfen nicht abgedeckt oder zugeklebt sein. Die Öffnungen sind regelmäßig zu kontrollieren.
  • Im Lager dürfen keine Lebensmittel aufbewahrt werden. Essen, Trinken und Rauchen sind verboten.
  • Das Lager muss mit Feuerlöscheinrichtungen ausgerüstet sein.
  • Zugang zum Lager dürfen nur dazu befugte Personen Diese sind anhand einer Betriebsanweisung zu unterweisen.

Lagerung kleiner Mengen an Gefahrstoffen

Nach TRGS 510 richten sich die Maßnahmen bei der Lagerung von Gefahrstoffen nach deren Gefährlichkeit und der gelagerten Menge. In den meisten Fällen ist eine Lagerung kleiner Mengen außerhalb des Lagerbereichs möglich. Bei größeren Lagermengen kann die Lagerung nur in Lagern (Lagerräume oder abgegrenzte Bereiche im Freien) erfolgen. Dabei sind aber meist noch keine spezifischen Maßnahmen erforderlich.

Bei noch größeren Lagermengen sind ab einer bestimmten Stoffmenge spezifische Maßnahmen erforderlich.

Wenn die Höchstmengen eingehalten werden, sind bei der Bereitstellung außerhalb von Lagern folgende Maßnahmen zu treffen:

  • Gefahrstoffe nicht in Pausen-, Aufenthalts- oder Sanitärräumen sowie in Treppenräumen, Fluren, Flucht- und Rettungswegen, Durchgängen, Durchfahrten und engen Räumen bereitstellen.
  • Gefahrstoffe sollten Sie nur in den Originalgebinden Die Gebinde müssen verschlossen sein. Werden Gefahrstoffe umgefüllt, so sind die Gebinde, in die die Gefahrstoffe gefüllt werden, wie die Originalgebinde zu kennzeichnen.
  • Gefahrstoffe sind so zu lagern, dass frei werdende Stoffe leicht erkannt werden können. Freigesetzte Stoffe müssen umgehend beseitigt werden. Die dafür notwendige Schutzausrüstung muss schnell erreichbar aufbewahrt werden.
  • Die Räume müssen über einen hinreichend widerstandsfähigen Boden verfügen.
  • Giftige, krebserzeugende und reproduktionstoxische Stoffe sind unter Verschluss oder so aufzubewahren oder zu lagern, dass nur fachkundige und zuverlässige Personen Zugang haben.
  • Gase dürfen nur in einem flammenhemmend abgetrennten und nach außen belüfteten Schrank aufbewahrt werden. Das Ventil muss geschlossen und die Schutzkappe aufgesetzt werden. Hiervon kann nur abgewichen werden, wenn durch regelmäßige Prüfungen sichergestellt wird, dass die Gasflaschen fest verschlossen sind.
  • In den Räumen dürfen keine Arzneimittel, Lebens- und Futtermittel aufbewahrt werden. Essen, Trinken und Rauchen sind verboten.
  • Alle Personen sind zu unterweisen.

Lüftung

  • Die Lagerräume sollten belüftet werden. Eine natürliche Lüftung ist ausreichend, wenn unmittelbar ins Freie führende Lüftungsöffnungen mit einem Gesamtquerschnitt von mindestens 1/100 der Bodenfläche des Lagerraums, mindestens aber zwei Lüftungsöffnungen jeweils in Boden- und Deckenhöhe von je mindestens 100 cm² vorhanden sind. Diese dürfen nicht abgedeckt oder zugeklebt sein. Die Öffnungen sind regelmäßig zu kontrollieren.
  • Bei der Lagerung von Druckgaskartuschen mit angeschlossener Entnahmeeinrichtung ist die Lüftung verpflichtend.

Auffangwannen

  • Behälter mit flüssigen Gefahrstoffen sollten Sie in Auffangbehälter stellen. Dadurch verhindern Sie, dass wassergefährdende Stoffe ins Erdreich oder in Gewässer eindringen können.
  • Ab einer Lagermenge von 200 kg sind Auffangwannen verbindlich. Die Auffangwannen müssen 10 % des Inhalts der Gefäße, mindestens aber den Inhalt des größten Gefäßes auffangen können. Werden entzündbare Flüssigkeiten gelagert, sind die Auffangwannen zu erden. Stoffe, die miteinander reagieren, dürfen nicht über denselben Auffangbehälter gestellt werden. Die Auffangbehälter sind regelmäßig auf ausgelaufene Stoffe zu prüfen und diese sind zu beseitigen.

Überschreitung der Höchstmengen und TRGS 510

Können Sie die Höchstmengen bei der Lagerung nicht einhalten, so müssen Sie die TRGS 510 umsetzen. Dies bedeutet für Ihren Betrieb, dass zusätzliche Maßnahmen erforderlich sind. Diese sind allerdings noch einmal entsprechend der Lagermenge gestaffelt und unterscheiden sich in allgemeine und ab einer höheren Menge in spezifische Maßnahmen.

Bei den Maßnahmen handelt es sich um:

  • bauliche Anforderungen an das Lager
  • technische und organisatorische Anforderungen an den Lagerbetrieb
  • Zusammenlagerungsverbote

Zusammenlagerungsverbote

Aufgrund der unterschiedlichen gefährlichen Eigenschaften von Gefahrstoffen sieht die TRGS 510 bei einigen Gefahrstoffen ab einer Gesamtlagermenge von 200 kg eine Separatlagerung vor. Dies gilt z.B. fast immer für Gase sowie giftige Stoffe und Gemische.

Eine Separatlagerung bedeutet, dass die Lagerung der unterschiedlichen Gefahrstoffe getrennt in unterschiedlichen Lagerabschnitten mit einer Feuerwiderstandsdauer oder -fähigkeit von mindestens 90 Minuten erfolgen muss. Dies kann in unterschiedlichen Räumen oder aber durch die Lagerung in einem Sicherheitsschrank erreicht werden.

Autor*innen: Christine Lendt , Klaus Kersting