30.08.2021

Ihr schneller Einstieg in EMAS und die DIN EN ISO 14001:2015

Die DIN EN ISO 14001:2015 beinhaltet weltweit anerkannte Vorgaben für die Einführung und Aufrechterhaltung eines Umweltmanagementsystems. Im Gegensatz zu EMAS basiert die DIN EN ISO 14001:2015 nicht auf einer Rechtsverordnung, sondern ist das Ergebnis privatwirtschaftlicher Normung. Hier lesen Sie mehr über diese beiden Normen.

Ziele von EMAS und DIN EN ISO 14001

Mit einem Umweltmanagement nach EMAS oder DIN EN ISO 14001 hat Ihre Organisation zielorientiert und schrittweise ihre betrieblichen Strukturen umzugestalten. Ihr Management hat die Vorgaben und das Erreichen von Umweltzielen zu koordinieren, die finanziellen und technischen Rahmenbedingungen für ökologische Veränderungen zu regeln, die Erfüllung der rechtlichen Erfordernisse zu gewährleisten und zur Verbesserung der Umweltleistungen beizutragen.

Stärken oder Vorteile für Ihre Organisation

Zu den Stärken oder Vorteilen von EMAS oder DIN EN ISO 14001 zählen u.a.:

  • Legal Compliance (Rechtssicherheit)
  • Einsparung von Energie (Strom, Heizenergie)
  • Einsparung von Ressourcen (Wasser, Materialien und Rohstoffe)
  • Verringerung des Abfallaufkommens
  • Verbesserung der Biodiversität
  • Schutz des Klimas durch Verminderung der CO2-Emissionen
  • Lebenswegbetrachtung Ihrer Produkte
  • klare Struktur durch PDCA-Zyklus
  • Verbindung zu den anderen Normen durch High Level Structure und damit die Möglichkeit zur Einführung eines integrierten Managements

Phasen zur Einführung eines Umweltmanagements nach EMAS oder DIN EN ISO 14001

1. Projektstart

Da ein Umweltmanagement ohne die breite Zustimmung aller Mitarbeiter/-innen einer Organisation nicht erfolgreich durchgeführt werden kann, ist es dringend angeraten, im Vorfeld die Zustimmung der entscheidenden Gremien in Ihrer Organisation einzuholen. In dieser Phase sollte auch eine Projektgruppe gegründet werden. Sie sollte nicht mehr als fünf bis sechs Personen umfassen.

2. Durchführung der Umweltprüfung

Der Prozess beginnt mit der Umweltprüfung, einer detaillierten Bilanz der Umweltbelastungen. Dieser Einstieg ins Umweltmanagement ist zeitlich aufwendig und benötigt deswegen die Unterstützung durch die Steuerungsgruppe sowie die Bereitschaft zur Zusammenarbeit aller Stellen, die zur Informationsbeschaffung benötigt werden.

3. Verabschiedung einer Umweltpolitik

Parallel zur Umweltprüfung muss die Organisation eine sog. Umweltpolitik erstellen, in der realistische Umweltleitlinien für die kommenden fünf bis zehn Jahre schriftlich fixiert werden. Die Umweltpolitik ist quasi die umweltbezogene „Verfassung“ der Organisation. Sie sollte in allen entscheidenden Gremien debattiert und verabschiedet werden.

4. Erstellung eines Umweltprogramms

Auf Basis der Umweltprüfung ist ein Umweltprogramm zu erstellen, in dem konkrete Ziele und Maßnahmen zur Verbesserung der Umweltsituation in den bilanzierten Bereichen mit Zeitvorgaben und Verantwortlichkeiten festgehalten werden. Das Umweltprogramm sollte von der Geschäftsführung der Organisation beraten und verabschiedet werden. Letztlich muss das Umweltprogramm durch Qualifizierung in die „Köpfe der Menschen“ gebracht werden.

5. Aufbau eines Umweltmanagements

Spätestens jetzt müssen Verantwortlichkeiten festgelegt werden, das heißt, ein Umweltmanagement muss geschaffen werden. Auf allen Ebenen gilt es, Personen zu finden, die sich für die Umweltsituation verantwortlich fühlen. Diese bilden ein Umweltteam und wählen aus ihrer Mitte den Umweltbeauftragten oder die Umweltbeauftragte.

6. Abfassen eines Umweltmanagement-Handbuchs

Eine für die meisten Organisationen eher mühsame und bürokratisch anmutende Arbeit ist das Erstellen des Umweltmanagement-Handbuchs, in dem das Umweltmanagementsystem in seinem Aufbau, in seinen Aufgaben und in seiner Arbeitsweise beschrieben und dokumentiert wird. Letztlich ist dieses Handbuch die Gesamtdokumentation des Umweltmanagements und dringt tiefer ins Detail als die nachfolgend beschriebene Umwelterklärung. Das Handbuch muss beständig aktualisiert und gepflegt werden und ist Grundlage für die gutachterliche Prüfung. Bei der Anlage des Handbuchs liegt es nahe, die Bereiche Arbeitssicherheit, Energie und Umwelt miteinander zu verbinden. Wer ein Managementsystem aufgebaut hat, kann es leicht in die eine oder andere Richtung erweitern.

7. Durchführung von internen Audits und Management-Review

Um die Handhabbarkeit des Umweltmanagements kontinuierlich zu verbessern, sind in bestimmten zeitlichen Abständen sog. interne Audits durchzuführen. Nach der DIN EN ISO 19001:2017 ist das Audit ein „systematischer, unabhängiger und dokumentierter Prozess zur Erlangung von Auditnachweisen und zu deren objektiver Auswertung, um zu ermitteln, inwieweit die Auditkriterien erfüllt sind“.

In der EMAS-Verordnung (EG) Nr. 1221/2009 wird das Audit als Umweltbetriebsprüfung bezeichnet, mit der eine systematische, dokumentierte, regelmäßige und objektive Bewertung der Umweltleistung einer Organisation, des Managementsystems und der Verfahren zum Schutz der Umwelt erfolgt.

In regelmäßigen Abständen muss das Umweltmanagementsystem durch die oberste Leitung überprüft und auf seine Wirksamkeit und Angemessenheit hin bewertet werden. Bereits zu Beginn hat sich die oberste Leitung in der Umweltpolitik zur kontinuierlichen Verbesserung und damit zur systematischen Verfolgung des PDCA-Zyklus bekannt. Das Management Review bildet dabei immer den Abschluss des alten und gleichzeitig den Beginn des nächsten Zyklus. Zweck des Reviews ist es, die kontinuierliche Verbesserung und Anpassung des Umweltmanagements sicherzustellen, sodass dieses im Einklang mit der Umweltpolitik der jeweiligen Organisation betrieben wird.

8. Erstellung der Umwelterklärung (nur bei EMAS)

Der letzte Baustein des ersten Durchgangs im Kreislaufprozess eines Umweltmanagements ist das Verfassen der Umwelterklärung, in der das geschaffene Umweltprofil der Organisation dargestellt wird. Sie enthält neben einer Selbstdarstellung der Organisation im Wesentlichen die Umweltpolitik, das Umweltprogramm, eine Beschreibung des Umweltmanagements, die Ergebnisse der Umweltprüfung in komprimierter Form, eine Zusammenfassung der verfügbaren Daten über die Umweltleistung in Form von Umweltkennzahlen sowie eine Bewertung der direkten und indirekten Umweltaspekte hinsichtlich ihrer Umweltrelevanz und der Möglichkeit, sie kontinuierlich zu verbessern. Die Umwelterklärung ist die Veröffentlichung der geleisteten Umweltarbeit; sie kann benutzt werden, um für die Organisation zu werben. In der Regel achten die Organisationen darauf, dass ihre Umwelterklärung aus dem Internet heruntergeladen werden kann.

9. Vorlage einer erneuten Umwelterklärung (nur bei EMAS)

Eine erneute Umwelterklärung schließt den zweiten Durchgang nach drei oder vier Jahren ab. Zwischenzeitlich ist je nach Größe der Organisation eine aktualisierte Umwelterklärung vorzulegen. In ihr werden die Verbrauchsdaten für Strom, Heizenergie und Wasser fortgeschrieben, die Ergebnisse der internen Audits zusammengefasst und die Abarbeitung des Umweltprogramms vorgestellt.

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Kosten für die Einführung eines Umweltmanagements

Die Kosten für die Erstzertifizierung nach DIN EN ISO 14001 bzw. die Erstvalidierung nach EMAS liegen je nach Größe der Organisation bei ca. 1.050 bis 1.200 Euro pro Arbeitstag. Im Allgemeinen kann bei kleinen und mittleren Organisationen von zwei bis zweieinhalb Arbeitstagen ausgegangen werden, bei größeren Organisationen muss mit drei bis fünf Arbeitstagen kalkuliert werden.

Autor: Dr. Volker Teichert