21.11.2016

Engpässe bei der Entsorgung von HBCD

Nachdem das Flammschutzmittel HBCD seit dem 1. Oktober 2016 vom Recycling ausgeschlossen ist (Materialien mit einem Gehalt oberhalb von 1.000 mg/kg), kommt es immer mehr zu Engpässen bei der Entsorgung. Diese Abfälle gelten als gefährlich und nachweispflichtig und dürfen nur noch von Abfallverbrennungsanlagen mit entsprechender Zulassung entsorgt werden.

HBCD

Kapazitäten für HBCD-Entsorgung fehlen

Doch viele Müllverbrennungsanlagen verfügen nicht über die Erlaubnis oder die technische Ausstattung, gefährliche Abfälle zu verwerten. Wenn Handwerker aber die Entsorgung nicht mehr leisten können, ist es auch nicht möglich, Aufträge, bei denen HBCD-haltige Abfälle entstehen, durchzuführen. So berichtet der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks im Berliner Tagesspiegel, dass zahlreiche Dachdeckerbetriebe die Dämmstoffe nicht mehr entsorgen können und es bereits zu ersten Baustopps gekommen sei. Wer eine Entsorgung dennoch schafft, muss mit deutlich höheren Kosten rechnen.

Probleme mit den Entsorgern

Viele Entsorgungsunternehmen sind verunsichert über die Rechtslage und weigern sich teilweise, die gefährlichen Materialien anzunehmen. Sie befürchten, diese nicht wieder loszuwerden. Wenn Sie Dämmplatten ohne HBCD entsorgen möchten und Schwierigkeiten mit dem Entsorger haben, versuchen Sie, mit den Sicherheitsdatenblättern der Hersteller bzw. Etiketten auf den Dämmplatten nachzuweisen, dass diese unbedenklich sind. Ansonsten ist nur ein Nachweis durch eine Röntgenfluoreszenz-Spektroskopie möglich. Meist verfügen Verbrennungsanlagen über entsprechende Geräte – Ihr Entsorger sollte Sie unterstützen, entsprechende Analysemöglichkeiten zu beschaffen. Enthalten die Materialien tatsächlich HBCD, bitten Sie Ihren Entsorger um ein Entsorgungskonzept – unter Umständen durch Verbrennung in einem anderen Bundesland.

Erleichterungen in einzelnen Bundesländern

Einzelne Bundesländer haben nämlich reagiert und erlauben wie z.B. Baden-Württemberg und Hessen, Dämmplatten mit HBCD im Baugemisch zu entsorgen, wenn nicht mehr als 0,5 Kubikmeter pro Tonne enthalten ist. Auch muss die Trennung nicht direkt auf der Baustelle erfolgen. Andere Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen wollen stärker die Entsorgungsunternehmen informieren und Vorbehalte abbauen. Recherchieren Sie regelmäßig, wie Ihr Bundesland vorgeht und ob es Übergangsregelungen gibt (siehe den Link unter „So kommen Sie weiter“).

Hintergrund des Verbots von HBCD

Schon im Mai 2013 wurde die Chemikalie HexaBromCycloDodecan (HBCD) als in der Umwelt schwer abbaubarer organischer Schadstoff identifiziert. Es diente als Flammschutzmittel für Kunststoffe, das die Entstehung von Bränden verhindern oder erschweren konnte, und wurde vorwiegend in Dämmstoffen aus Polystyrol eingesetzt. Seit dem Frühjahr durfte von Ausnahmen abgesehen HBCD nicht mehr verwendet oder in Verkehr gebracht werden (Novellierung der Abfallverzeichnisordnung (AVV). Betroffen von dieser Regelung sind Dämmstoffabfälle aus Polystyrol-Hartschaum (EPS und XPS), die das Flammschutzmittel HBCD enthalten. Bei Abbruch- oder Sanierungsarbeiten muss es getrennt gesammelt und verbrannt werden.

So kommen Sie beim Thema HBCD weiter

  • Die Firma Sto bietet Informationen zu HBCD insbesondere auch zu den Regelungen in den Bundesländern an.
Autor: Markus Horn