19.04.2017

Wird der Emissionshandel reformiert?

Bis Ende April 2017 konnten Anlagenbetreiber die Emissionsberechtigungen für ihre Emissionen aus 2016 abgeben. Auf Grund des strukturellen Überschusses von Emissionsberechtigungen im Emissionshandel wird es in den bald beginnenden Verhandlungen zur vierten Handelsperiode auf eine Reform des Emissionshandels hinauslaufen.

Mit der neuen Emissionshandelsrichtlinie sollen weniger Gratizertifikate zur Verfügung gestellt werden. Dies soll soll den langfritigen Klimaschutz verbessern.

Rückgang liegt unter dem EU-Durchschnitt

Zwar emittierten die rund 1.900 stationären Anlagen im Jahr 2016 insgesamt etwa 0,6 % Kohlendioxidäquivalente weniger als 2015. Doch ist dies in zweierlei Hinsicht keine erfreuliche Nachricht. Denn damit liegt der Rückgang wieder einmal deutlich unter dem EU-Durchschnitt, der von Experten mit 2,4 bis 2,8 % angegeben wird. Und: Der Rückgang genügt nicht, um den Anstieg der deutschen Verkehrsemissionen um 3,8 % gegenüber 2015 auszugleichen.

Industrieemissionen unverändert

Praktisch unverändert gegenüber 2015 blieben mit 123 Millionen Tonnen Kohlendioxidäquivalenten die Emissionen der energieintensiven Industrie. Im Emissionshandel bedeutet dies ein Anteil von 27 %. Damit zeigt sich auch, dass der Emissionshandel kaum einen Einfluss auf den Bereich der energieintensiven Industrie hat, denn deren Emissionen veränderten sich seit 2013 nicht.

Energieversorgung uneinheitlich

Ein Rückgang der Emissionen ist dagegen im Bereich der Energieversorgung festzustellen: Hier sank der Wert um 0,9 % auf 329 Millionen Kohlendioxidäquivalente. Allerdings gibt es innerhalb der Energieversorgung keine einheitliche Entwicklung. So sank die Braunkohleemission um 4,5 und die Braunkohleemission um 4,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Die Erdgasemissionen dagegen stiegen um 4,7 Millionen Tonnen Kohlendioxid.

Struktureller Überschuss im Emissionshandel

Die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) ist dem Umweltbundesamt zugeordnet und verantwortet die Umsetzung des europaweiten Emissionshandels für stationäre Anlagen sowie für den Luftverkehr. Dreh- und Angelpunkt ist die politische Entscheidung, wie viel CO2-Äquivalente höchstens emittiert werden darf. Je niedriger diese Obergrenze (= „Cap“) gewählt wird, desto knapper und damit teurer werden die Emissionsberechtigungen und desto größer wird der Anreiz für die Unternehmen, durch Investitionen die Kosten dafür zu verringern. Der europaweite Rückgang der Emissionen und der daraus folgende Rückgang der Nachfrage im Emissionshandel erhöhen den seit 2013 vorhandenen strukturellen Überschuss an Emissionsberechtigungen und sind der Grund für den aktuell niedrigen Preis. Diese Entwicklung wird Auswirkungen auf die in den kommenden Monaten startenden Verhandlungen über die vierte Handelsperiode, die im Jahr 2021 beginnt, haben.

Umweltminister der EU wollen eine Reform der Emissionshandelsrichtlinie

Mitte Februar 2017 hat sich das EU-Parlament für eine stärkere Verknappung der Emissions-Zertifikate ausgesprochen. Konkret sollen zwischen 2021 und 2030 die Emissionsberechtigungen um jährlich 2,2 Prozent statt zuletzt 1,74 Prozent schrumpfen. Ein Ärgernis ist auch vielen Beteiligten, dass in vielen Industriebranchen die Unternehmen unter bestimmten Bedingungen die Verschmutzungsrechte gratis erhalten. Auch darüber soll verhandelt werden. Ende Februar 2017 haben sich die Umweltminister der EU darauf verständigt, den Emissionshandel zu reformieren und Verhandlungen mit dem EU-Parlament aufzunehmen.

Autor: Markus Horn