Unterweisung

Der deutsche Gesetzgeber verpflichtet jeden Unternehmer zur Unterweisung seiner Mitarbeiter. Wenn die Unterweisung nachhaltig wirken soll, darf sie sich nicht im Vorlesen von Vorschriften erschöpfen, sondern müssen lernorientiert organisiert werden.

Unterweisungen sind mindestens einmal jährlich durchzuführen. Dabei wird zwischen der Erstunterweisung, der Wiederholungsunterweisung und der Unterweisung aus besonderem Anlass unterschieden.

  • Erstunterweisung: wird durchgeführt bei neuen bzw. umgesetzten Beschäftigten. Sie sollte vor Arbeitsaufnahme durchgeführt werden.
  • Wiederholungsunterweisung: wird durchgeführt, um auf besondere Gefahren hinzuweisen, die ständig vorhanden sind. Dabei sollten die Unterweisungsthemen wechseln.
  • Unterweisung aus besonderem Anlass: wird angewendet, um auf bestimmte, zeitlich begrenzte Gefahren (Bau- oder Umbaumaßnahmen), Brände und/oder Explosionen im Unternehmen oder Schadensereignisse in anderen Unternehmen, geänderte Produktionsabläufe, Arbeitsweisen, Einführung neuer Maschinen und bei sich ändernden Rechtsvorschriften sowie neuen Erkenntnissen hinzuweisen.

Ziele definieren

Im ersten Vorbereitungsschritt sollte das Ziel der Unterweisung so klar wie möglich definiert werden. Welche Kenntnisse und Fertigkeiten sollen den Mitarbeitern vermittelt werden? Welchen Wissensstand haben die Beschäftigten bereits? Erst nach dieser Überlegung sollten Sie darangehen, Informationsmaterial zu sammeln und einen Dokumentationsbogen anzulegen. Oft ist es sinnvoll, mehr Material bereitzuhalten, als sich bei der Unterweisung tatsächlich einsetzen lässt, damit man auf Fragen möglichst informiert reagieren kann.

Inhalte festlegen

Der Gesetzgeber fordert mit gutem Grund grundsätzlich die mündliche Unterweisung, denn im Unterrichtsgespräch lassen sich auch komplexe Inhalte gut vermitteln. Falls der Stoff es erfordert, ist auch eine praktische Schulung direkt am Arbeitsplatz geeignet, die erforderlichen Kenntnisse zu vermitteln, etwa zur Bedienung einer Maschine. Strukturiertes Vorgehen macht es den Beschäftigten leichter, aufmerksam zu bleiben. So sollte man am Anfang kurz erklären, welche Inhalte man vermitteln möchte, wie lang die Unterweisung dauern wird und dass am Ende das Wichtigste noch einmal wiederholt wird. Auch eine Fragerunde sollte man immer einplanen.

Dauer der Unterweisung festlegen

Die optimale Unterweisung sollte nie zu lang sein, sonst sinkt die Aufmerksamkeit der Zuhörer dramatisch. Im Arbeitsschutz sind Unterweisungen zwischen fünf und 50 Minuten sinnvoll. Vorab sollte man überlegen, ob eine längere Unterweisungseinheit oder mehrere kurze Einheiten sinnvoller sind. Je anregender eine Unterweisung gestaltet wird, also mit Filmen, praktischen Übungen oder Beispielen aus dem Betrieb, desto länger bleiben die Mitarbeiter konzentriert.

Unterweisungsform festlegen

Reine Vorträge langweilen die meisten Zuhörer – das gilt auch bei Unterweisungen. Deshalb sollte man die Beschäftigten, wo immer das möglich ist, in den ”Unterricht“ einbeziehen. Oft kann man ein Thema etwa erarbeiten, indem man die Mitarbeiter zu ihren Erfahrungen am Arbeitsplatz befragt. Anhand erkannter Sicherheitslücken lässt sich dann viel leichter vermitteln, welche Schutzmaßnahmen tatsächlich erforderlich sind. Praktische Übungen sollten, wo immer sie möglich sind, zur Unterweisung gehören.

Teilnehmer festlegen

Die Gruppengröße der Unterwiesenen hängt natürlich vom Thema ab. Optimal arbeiten lässt sich in kleineren Gruppen von bis zu acht Personen.

Tageszeit bestimmen

Die Konzentrationsfähigkeit des Menschen schwankt im Tagesverlauf stark. Unterweisungen am Vormittag sind besonders günstig, weil die Aufmerksamkeit noch hoch ist. Direkt nach dem Mittagessen sinkt die Leistungskurve.

Raum aussuchen

Eine grundlegende Unterweisung, in der viele neue Fakten vermittelt und Filme oder Bilder gezeigt werden sollen, findet natürlich am besten in einem geeigneten Raum statt. Soll praktisch geübt werden, kann man die Unterweisungsinhalte am besten direkt am Arbeitsplatz vermitteln.

Unterweisungstermin bekannt geben

Weil auch die Unterwiesenen planen möchten, sollte man sie mit ausreichend Vorlauf über Unterweisungstermine informieren.

Erfolgreich unterweisen, Teilnehmer einbeziehen

Der Gesetzgeber legt auch fest, dass jede Unterweisung so gestaltet sein muss, dass der unterwiesene Mitarbeiter sie verstehen kann. Deshalb sollte man auf Sprachschwierigkeiten, physische Einschränkungen (Fehlsichtigkeit, Schwerhörigkeit) oder geistige Einschränkungen Rücksicht nehmen.

Wer die Zuhörer so aktiv wie möglich beteiligt, unterweist besonders wirkungsvoll. Nach jeder Unterweisung sollte man die wichtigsten Lerninhalte noch einmal zusammenfassen und die Teilnehmer darauf hinweisen, welche Verhaltensregeln in Zukunft gelten. Sinnvoll ist es, zum Schluss jeden Teilnehmer einen Dokumentationsbogen unterschreiben zu lassen.

 

Autoren: Sabine Kurz, Reinhard Gerhardt

Verwandte Themen

Downloads

Beiträge zum Thema

  • 10 Tipps für erfolgreiche Unterweisungen © monkeybusinessimages/​iStock/​Thinkstock

    Keine Zeit, keine Lust, dafür viel Frust: So sehen viele Elektrofachkräfte ihre Unterweisungspflicht. Doch das muss nicht so sein. Damit Ihre Unterweisungen für Sie und Ihre Mitarbeiter zum Erfolg werden, haben wir zehn Tipps für gelungene Unterweisungen zusammengestellt.

  • Professionell unterweisen - mit der neuen Unterweisungsdatenbank Arbeitsschutz

    Die neue Unterweisungsdatenbank Arbeitsschutz ist da – mit mehr als 120 Unterweisungsmodulen und Unterweisungsempfehlungen zu den häufigsten Berufsgruppen.

  • Bestellung zur elektrotechnisch unterwiesenen Person (EuP) © Radist/​iStock/​Thinkstock

    Muss eine elektrotechnisch unterwiesene Person unbedingt schriftlich bestellt werden? Die Betriebssicherheitsverordnung 2015 (BetrSichV) und andere Rechtstexte verlangen hier Transparenz und Klarheit. Was Sie bei der Bestellung zur elektrotechnisch unterwiesenen Person beachten müssen, erläutert dieser Fachbeitrag.

  • Arbeitsschutz zahlt sich für Unternehmen aus © auremar /​ fotolia.de

    Verwaltungswissenschaftler kritisiert Arbeitsschutz im Ländle Als einziges Bundesland hat Baden-Württemberg die Gewerbeaufsicht nicht mehr zentral organisiert. Sie liegt seit 2005 bei den Landkreisen. Kritiker bemängeln die Nähe von Kontrolleuren zu kontrollierten Unternehmen. Die achten indes selbst auf Arbeitsschutz und entsprechende ...

  • Unterweisungen für Gefahrgutfahrer © STEFANOLUNARDI/​iStock/​Thinkstock

    Fahrer, die Gefahrgüter befördern, haben eine große Verantwortung und müssen neben der ADR-Schulungsbescheinigung („Gefahrgutführerschein“) in regelmäßigen Abständen unterwiesen werden. Gerade die aufgabenbezogenen Inhalte einer Unterweisung sind nicht immer leicht herauszufinden, da sie naturgemäß von Betrieb zu Betrieb sehr ...

  • Brandschutzunterweisung in der Praxis © drvarayu/​iStock/​Thinkstock

    Die Brandschutzunterweisung erfüllt eine lebenswichtige Funktion. Über 700 Menschen sterben jährlich durch Brände – zumeist durch Rauchvergiftungen. Neben Haushaltsunfällen bergen auch unterschätzte Gefahren in Betrieben ein hohes Risiko. Ziel der Brandschutzunterweisung ist es also, über mögliche Gefahren aufzuklären und ...

  • Jugendarbeitsschutz im Betrieb © Dmitriy Melnikov/​iStock/​Thinkstock

    Gut vorbereitet sein ist meist schon die halbe Miete. Das gilt auch für die bevorstehenden Unterweisungen und Einweisungen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die demnächst bei Ihnen im Unternehmen ihre Ausbildung beginnen werden. Stellen Sie deshalb jetzt schon die notwendigen Unterlagen, Unterweisungen und Trainings zusammen. Einige Tipps ...

  • Fremdfirmenunterweisung sollte ernst genommen werden © Ingram Publishing/​​​iStock/​​​Thinkstock

    Die Fremdfirmenunterweisung wird noch nicht in allen Unternehmen mit dem dafür notwendigen Engagement umgesetzt. Oftmals fehlt das Bewusstsein dafür, dass Arbeitsschutz insgesamt nur funktioniert, wenn Leiharbeitnehmer über Gefährdungen und Risiken genauso gut unterrichtet sind wie das Stammpersonal. Dabei gilt es auch, gültige Gesetze zu ...

  • Umgang mit Gefahrstoffen: Unterweisung ist Pflicht © Halfpoint/​iStock/​Thinkstock

    Die Gefahrstoffunterweisung ist eine wichtige Maßnahme zum Erreichen von Arbeitssicherheit und muss einmal jährlich erfolgen. Richtig durchgeführt, verspricht sie auch die größten Erfolge. Dabei gilt es jedoch ein paar Punkte zu beachten.

  • So wird Ihre Unterweisung im Arbeitsschutz erfolgreicher

    Unterweisungen im Arbeitsschutz sind ein wichtiger Betrag für die Sicherheit und Gesundheit im Betrieb. Der Erfolg hängt stark von der Akzeptanz der Unterweisungen im Arbeitsschutz ab. Je praxisorientierter und mitreißender Sie Ihre Schulung gestalten, desto mehr erhöhen Sie die Aufmerksamkeit und damit auch die langfristige Wirkung der ...

Produktempfehlungen