30.01.2017

Neuer Leitfaden zur Niederspannungsrichtlinie 2014/35/EU

Im Oktober 2016 wurde der neue Leitfaden zur Niederspannungsrichtlinie 2014/35/EU in englischer Sprache veröffentlicht. Mit unserem Experten Jo Horstkotte haben wir ein kurzes Interview zum neuen Leitfaden geführt.

Die Europäische Union

WEKA: Herr Horstkotte, der neue Leitfaden liegt nun vor – derzeit aber nur auf Englisch. Glauben Sie, dass wir auch bald mit einer deutschen Fassung rechnen können?

Jo Horstkotte: Eine deutsche Übersetzung wird vermutlich noch Jahre benötigen, wenn überhaupt eine erfolgen sollte – man denke an die sehr späte Umsetzung der neuen Niederspannungsrichtlinie quasi auf den letzten Drücker in Form der 1. Verordnung zum Produktsicherheitsgesetz, veröffentlicht am 31.03.2016. Die Umsetzungsfrist von der EU betrug zwei Jahre, ablaufend mit dem 20.04.2016.

WEKA: Wie hilfreich ist der neue Leitfaden für die Praxis?

Jo Horstkotte: Leider ist dieser Leitfaden nicht immer hilfreich. Erst jetzt wird beispielsweise ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Konformitätserklärung mit einem Hinweisdatum versehen werden kann, dass z.B. bis zum 20.04.2016 die Richtlinie 2006/95/EG als Referenz gilt und ab dem 20.04.2016 die 2014/35/EU.

Solche Details hätte man früher wissen sollen, jeder Anwender fragte sich lange Zeit, welche Richtlinie er denn nun in die Konformitätserklärung einsetzen sollte oder ob man gleich zwei Erklärungen ausstellen sollte! Übrigens ist die Sache mit den Listen der harmonisierten Normen nicht immer eindeutig, manchmal sind auch die Einträge fehlerhaft, was aber der Leitfaden nicht als Problem kennt oder nennt.

WEKA: Was bietet der Leitfaden an inhaltlichen Neuerungen?

Jo Horstkotte: Inhaltlich sind im Leitfaden die geänderten Begriffsbestimmungen, wie man diese schon aus dem aktuellem Blue Guide der EU kennt, nochmals erläutert worden. Wer schon seit 1973 mit den Vorgaben dieser Richtlinie arbeitet und seit 1996 CE an seinen Geräten anbringt, wird keine wirklichen Veränderungen erkennen.

Die aktuellen Begriffe erfassen die Fragestellungen besser, im Leitfaden geht es mehr um „graue” Bereiche, also nicht ganz eindeutig formulierte Vorgaben, z.B. für Importeure.

Ein Beispiel dürfte die Vorgabe einer Adresse am Produkt sein (§ 14 ff.), die nicht unbedingt in der Sprache des Verwenderlandes sein muss. Denken Sie an Serbien oder an Griechenland, wie gut könnten Sie ein entsprechendes Typenschild in griechischer Schrift lesen? Deshalb die EU-Vorgabe nach einer allgemein verständlichen Sprache.

Das komplette Interview finden Sie in unserem Produkt „Niederspannungsrichtlinie“.

Autor: Dipl.-Ing. Jo Horstkotte