28.01.2021

DKE AK 113.0.4: ein Positionspapier

Das neue Positionspapier der DKE (Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik) versucht, die zuständigen Behörden und Gremien von der Notwendigkeit des Umstiegs von Papier auf elektronische Informationsträger zu überzeugen. „DIE BEDEUTUNG VON NUTZUNGSINFORMATIONEN IN ELEKTRONISCHER FORM“ heißt das Dokument, an dem namhafte, auch auf dem Gebiet der Technik-Dokumentation beheimatete Experten gearbeitet haben.

Piktogramme

Wie beurteilen nun die Technik-Redakteure das Dokument DKE AK 113.0.4? Wir haben zwei Vertreter dieses Feldes nach Ihrer Meinung befragt: die beiden Herausgeber unseres Praxismoduls „Technische Dokumentation“.

Kornelius Böcher: Hinfort mit dem Papier!?

Darstellungsformen immer wieder kontrovers diskutiert

Die Diskussion „digital kontra Papier“ flammt immer wieder neu auf, scheint aber nicht richtig brennen zu wollen. Vielleicht liegt es daran, dass die Darstellung von Anleitungen so vielschichtig und vielfältig sein kann (und ist) und auch die Zielgruppen so geartet sind, dass es so gut wie unmöglich ist, einheitliche Regelungen – oder zumindest solche, die danach aussehen – zu schaffen. Es wäre auch zu einfach, beispielsweise festzulegen, dass die Darstellungsform anhand der Zielgruppe ausgewählt werden sollte. Denn die Zielgruppe kann tückisch sein und während ein Teil der Zielgruppe mit einer gewählten Form einverstanden wäre, könnte ein weiterer Anteil vehement widersprechen.

Man könnte berechtigterweise fragen, warum es noch so viele Printmedien gibt, bei all den vielen Endgeräten, die wir heute zumeist mehrfach und in unterschiedlichen Größen besitzen. Mir scheint persönlich, dass die aktuelle Situation in dieser Hinsicht nicht unbedingt Bände spricht. Im Gegenteil: Wenn die elektronischen Kanäle wirklich so bedeutend sind, dürfte es nicht mehr so viele Zeitungen, Zeitschriften und Bücher geben.

Digitalen Dokumenten fehlt die gewisse Haptik … oder?

Es scheint ein gewisser Reiz von den Printmedien auszugehen, den elektronische Medien nicht bieten können: die Gestaltung, das Format, das spezielle Papier einer gut gemachten Zeitschrift. Oder die besondere Haptik der Oberfläche eines Buchs. Das kann auch ein besonders gut gestaltetes Handbuch sein. Aus meiner Sicht spielt das bei vielen Nutzern eine Rolle, die wir nicht unterschätzen sollten. Vielleicht möchten zumindest einige Nutzer diese Aspekte nicht gegen relativ nüchterne, fast kalt anmutende elektronische Dokumente tauschen. Ein Buch atmet Naturprodukte: Holz, Leinen, Farbstoffe. In diesem Sinn bin ich der festen Überzeugung, dass Printmedien nicht so einfach mit einem Wisch vom Tisch zu fegen sein werden.

Papier braucht keinen Strom … und weitere Pluspunkte

Ein Handbuch können Sie auch noch lesen, wenn andernorts nichts mehr geht, weil der Strom ausgefallen oder der Akku leer ist; Letzteres ist analog zur Gerätedichte regelmäßig der Fall. Und passiert womöglich gerade dann, wenn es ernst wird und beispielsweise dringend eine Störungsliste konsultiert werden muss.

Natürlich – die Suchfunktion ist ein Pluspunkt elektronischer Dokumente, wenn sie denn das gesuchte Stichwort findet und den Leser zum gewünschten Ziel führt. Wir gehen ja bei der gesamten Liste der Benefits der glorreichen digitalen Zukunft immer vom Idealfall aus, der uns manchmal narrt, weil er nicht eintreffen will.

Pappbecher oder Buch? Über die Nützlichkeitsfrage …

Die im Positionspapier genannten Pluspunkte, wie z.B. das Sparen von Papier oder das unendliche Verteilen – natürlich sind das tatsächlich auch Benefits, die nicht zu verachten sind. Hier könnten wir jetzt eine Nebendiskussion einflechten und über Alternativen zu den Papierbergen in Form von Pappbehältnissen der einschlägigen Schnellrestaurants oder den unvorstellbaren Mengen an Pappbechern nachdenken, die sich täglich allein in unserer Nation auftürmen. Hier, finde ich, ist Papier in Form von Büchern – und seien es Anleitungen – sinnvoller und dauerhafter eingesetzt. Digitales lässt sich sicher leichter und unendlicher verteilen, ist jedoch längst nicht so haltbar, wie Papier es ist.

Wir können diese Dokumente auch endlos verschicken, z.B. auch vorab, bevor die Maschine geliefert wird, um besonders ungeduldige Kunden zu bedienen. Das ist wirklich ein klarer Pluspunkt. Das Klischee, dass die Doku vor Lieferung noch nicht fertig sein kann, muss ja nicht auf alle zutreffen. Man kann auch eine Betriebsanleitung einer vergleichbaren Maschine vorab verschicken, wenn das klar kommuniziert und gewollt ist. Im Ernstfall sind elektronische Dokumente auch viel schneller beim Kunden als solche aus Papier. Das ist eine nicht zu unterschätzende Serviceleistung.

Doch die Tücken der Technik sind ebenfalls vielfältig. Mal angenommen, wir würden den allseits gewollten digitalen Weg stur verfolgen. Was könnte uns da begegnen?

Zwei Praxisbeispiele sollen helfen

  • Beispiel 1: Bei der Bearbeitung einer Zuliefererdokumentation für einen Kunden habe ich es persönlich mehrfach erlebt, dass gelieferte Sticks defekt waren. Offensichtlich verwenden manche Unternehmen bei der Auswahl ihrer Datenträger minderwertige Qualität – „a Glump“, wie der Bayer treffend sagen würde. Das „Glump“ mag vielleicht äußerlich top aussehen, wenn es minderwertig ist, oft aus Asien, bleibt es aber ein „Glump“. Daher bat ich den Zulieferer darum, zukünftig wieder CD-ROMs zu liefern. Die hatten wenigstens zuverlässig funktioniert.
  • Beispiel 2: Beim Kopieren des Datenträgerinhalts auf das Firmenlaufwerk gab es Probleme aufgrund der Länge des Pfads. Wie wir wissen, erlaubt Windows nur eine Pfadlänge von 254 Zeichen. Bei der Untersuchung der Pfade fiel mir auf, dass der Zulieferer für manche Datei- oder Ordnernamen jeweils über 30 Zeichen verwendete und dabei noch kryptische Bezeichnungen wählte. Wenn die 30 Zeichen ja wenigstens noch Sinn gemacht hätten. In Kombination mit der Pfadlänge des Firmenverzeichnisses ergab das dann insgesamt mehr als die zulässigen 256 Zeichen.

Das sind nur zwei Beispiele für Hürden, die uns bei elektronischen Dokumentationen begegnen können und das sind sicher nicht die einzigen.

Was Herr Böcher außerdem noch über das Positionspapier DKE AK 113.0.4 denkt und wie sich Herr Prof. Dr-Ing. Ulrich Thiele dazu äußert, lesen Sie in unserem Modul „Technische Dokumentation“.

Autoren: Kornelius R. Böcher (Technik-Redakteur in einem Maschinenbauunternehmen), Prof. Dr. -Ing. Ulrich Thiele (Selbstständiger Technikautor, Dozent an der Fachhochschule Gießen.)