Fachbeitrag | Maschinenrichtlinie
28.04.2016

Die neue Bauproduktenverordnung und die Schnittstelle zur Maschinenrichtlinie

Was hat der Maschinenbauer mit den gesetzlichen Vorschriften für Bauprodukte zu tun? Die Antwort fällt vielleicht verblüffend einfach aus: Immer dann, wenn eine Maschine Eigenschaften eines Bauprodukts hat, sind die Festlegungen für die Bauprodukte selbstverständlich zu beachten.

Heating and air conditioning units© Maudib /​ iStock /​ Thinkstock

Maschinenbau und Bauproduktenverordnung

Es greift das Prinzip des sogenannten „ganzheitlichen Ansatzes“. So finden Sie in der Maschinenrichtlinie den folgenden Artikel (Art. 3):

„Werden die (…) von einer Maschine ausgehenden Gefährdungen ganz oder teilweise von anderen Gemeinschaftsrichtlinien genauer erfasst, so gilt diese Richtlinie [Anm.: die Maschinenrichtlinie] für diese Maschine und diese Gefährdung nicht (…)“

Dies beschreibt zum einen den Fall, dass die Maschinenrichtlinie im Zuge der Konformitätsbetrachtung komplett durch eine andere Richtlinie zu ersetzen ist (z.B. für Aufzüge die Richtlinie 95/16/EG).

Darüber hinaus ist es möglich, dass zwar grundsätzlich die Maschinenrichtlinie Anwendung findet, bestimmte wesentliche Anforderungen an Produkte, die für den geplanten Einsatzzweck wichtig sind, werden dort aber nicht oder nur unzureichend behandelt. Dann sind weitere europäische Rechtsvorschriften parallel, d.h. zusätzlich zur Maschinenrichtlinie, anzuwenden.

Wesentliche Anforderungen als Basis

Die wesentlichen Anforderungen, die an ein Bauwerk gestellt werden, sind:

  • mechanische Festigkeit und Standsicherheit
  • Brandschutz
  • Hygiene, Gesundheit und Umweltschutz
  • Sicherheit und Barrierefreiheit bei der Nutzung
  • Schallschutz
  • Energieeinsparung und Wärmeschutz
  • nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen

Einige dieser Anforderungen werden zwar auch von der Maschinenrichtlinie behandelt, im Regelfall jedoch nur bezogen auf die Maschine selbst und nur sehr marginal bezogen auf die konkrete Einbau- oder Gebrauchssituation.

Bauprodukte im Maschinen- und Anlagenbau

Die Rechtsvorschriften für Bauwerke und Bauprodukte, wie z.B. die Bauproduktenverordnung, sind deshalb auch vom Maschinenbauer zu beachten, und zwar in den folgenden Fällen:

  1. Er ist Hersteller von Maschinen, die (temporär) mit Bauwerken oder Gebäuden verbunden sind.
  2. Er ist Hersteller von Maschinen, die dauerhaft Bestandteil eines Bauwerks oder Gebäudes werden.
  3. Er tritt als Anlagenbauer mit schlüsselfertigen oder teilschlüsselfertigen Leistungen auf, die auch die „Bauleistungen“ beinhalten. Die Bauproduktenverordnung ist dann für diese Leistungen vollumfänglich einzuhalten, wie auch die Anforderungen an Bauwerksberechnung und -auslegung.

Weitere Informationen dazu finden Sie in unseren zahlreichen aktuellen Produkten zum Thema Produktsicherheit.

Autor: Jürgen Bialek 

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