News | Finanzen
22.10.2015

Marktheidenfeld im Gewerbesteuerglück

Wer verkalkuliert sich schon gern? Dem Kämmerer der Stadt Marktheidenfeld ist ein solcher „Fehler“ unterlaufen. Ein Problem ist das jedoch nicht. Denn er hatte für 2014 mit neun Millionen Euro Gewerbesteuer gerechnet, tatsächlich wurden aber 30 Millionen in die Stadtkasse gespült.

Rotes Rathaus Berlin© Terroa /​ iStock /​ Thinkstock

Neun Millionen Euro im Jahr 2014 kalkuliert und 30 Millionen eingenommen

Marktheidenfeld gehört mit zu jenen Städten und Gemeinden im Main-Spessart-Kreis (Bayern), die nach einer Untersuchung der Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt im vergangenen Jahr von einer besonders günstigen Entwicklung bei der Gewerbesteuer profitierten. Die 40 Kommunen im Landkreis nahmen laut einem Bericht der Online-Ausgabe der Tageszeitung „Main-Echo“ in dieser Steuersparte insgesamt 57,3 Millionen Euro ein, überraschende 22 Millionen (oder 62,7 Prozent) mehr als im Jahr 2013. Das Bayerische Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung kommt in einer eigenen Erhebung sogar auf einen um knapp zwei Millionen Euro höheren Betrag: 59,4 Millionen Euro, so das Ergebnis der amtlichen Gewerbesteuerstatistik.

Das zweithöchste Plus zwischen Soll und Ist in ganz Mainfranken erzielte die kleine Gemeinde Neuendorf mit 327,5 Prozent. Hier hatte man 40 000 Euro Einnahmen kalkuliert, in die Gemeindekasse flossen am Ende jedoch 171 000 Euro.

Belegbare Gründe für die Steuer-„Explosionen“ lassen sich wegen des Steuergeheimnisses nicht nennen. Häufig stecken hinter solch unerwartet guten Entwicklungen aber Betriebsprüfungen und dadurch ausgelöste Steuernachzahlungen. Insofern ist der „Fehler“ des Marktheidenfelder Kämmerers nicht wirklich einer. Denn die veranschlagten neun Millionen wurden auf der Basis der bekannten Zahlen gesetzt. Anzunehmen, dass es am Ende 21 Millionen Euro mehr werden, hätte hellseherische Fähigkeiten vorausgesetzt.

Autor: Wolfram Markus 

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