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28.07.2015

Ausbau der Netze ist Voraussetzung

Sachsen-Anhalt könnte in weniger als 20 Jahren seinen Strombedarf vollständig aus erneuerbaren Energien decken. Zu diesem Schluss kommt eine vom Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt beauftragte Studie. Erforderlich ist dazu allerdings der Ausbau der Netze.

Das Münchner Rathaus© juergen2008 /​ iStock /​ Thinkstock

Studie: Sachsen-Anhalt hat noch Potenzial bei erneuerbaren Energien

Das Land Sachsen-Anhalt gehört beim Ausbau der erneuerbaren Energien zu den Spitzenreitern in Deutschland. Beim Bruttostromverbrauch sind die Ziele des Bundes für 2035 bereits seit zwei Jahren erfüllt. Die erneuerbaren Energien dominieren mit über 6.000 Megawatt (MW) installierter Leistung die Stromerzeugung im Land. Durch deren steigenden Anteil ist auch der Stromexport deutlich angestiegen.

Bei der Windenergie sieht die Studie ein Zubaupotenzial von rund 2.400 MW in den bereits ausgewiesenen Vorrang- und Eignungsgebieten der fünf regionalen Planungsgemeinschaften. Mit den bereits jetzt vorhandenen Anlagen könnte die Gesamtleistung über 7.000 MW betragen. Bei der Fotovoltaik sind im Bereich der Freiflächenanlagen bereits rund 1.000 MW installiert. Mit den zugrunde gelegten förderfähigen Flächen nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) können weitere 4.000 MW zugebaut werden. Das verfügbare Potenzial bei Aufdachanlagen erlaubt die weitere Installation von 1.800 MW. Insgesamt besteht ein Nutzungspotenzial für Fotovoltaik von über 7.300 MW. „Die Studie zeigt, dass das verfügbare Potenzial für Aufdachanlagen und Konversionsflächen zur Versorgung in Sachsen-Anhalt ausreichend ist. Wir brauchen unsere guten Ackerböden nicht für Fotovoltaikanlagen herzugeben“, so Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Hermann Onko Aeikens.

Weiterhin hat die Studie festgestellt, dass die Biomassenutzung in Sachsen-Anhalt bereits weit fortgeschritten ist. Im Land findet sich die deutschlandweit höchste Anzahl von Biomethananlagen. Die verfügbaren Kapazitäten im Erdgasnetz zur Einspeisung von Bio-Erdgas sind vorhanden. Mit den Änderungen im EEG und dem verfügbaren Substratpotenzial ist nicht mehr mit einem nennenswerten Ausbau zu rechnen. Zukünftig wird sich dieser Bereich mehr auf die Nutzung von Gülle sowie Rest- und Abfallstoffen konzentrieren.

Aeikens bezeichnete die Studie als fundierte Datengrundlage, mit der in enger Abstimmung mit den Verbänden und Netzbetreibern der Ausbau der erneuerbaren Energien im Land strukturiert weiter vorangebracht werden kann. Er wies aber auch darauf hin, dass ein weiterer Ausbau der erneuerbaren Energien leistungsfähige Netze voraussetzt, um den regenerativen Strom nach Süden zu transportieren. Allein 800 Kilometer neue Hochspannungsleitungen (110 Kilovolt) sind bereits in einem gemäßigten Szenario notwendig, um die installierte Leistung der erneuerbaren Energien von 11.000 MW bis zum Jahr 2033 zu integrieren.

Hintergrund: Laut aktuellen statistischen Erhebungen hat Sachsen-Anhalt einen Anteil von knapp 45 Prozent der erneuerbaren Energien an der Bruttostromerzeugung und belegt damit im Ländervergleich Platz 3 hinter Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen. Aufgeschlüsselt nach Technologien belegt das Land bei Windenergie Platz 2 (nach Mecklenburg-Vorpommern), bei Fotovoltaik Platz 7 und bei Biomasse Platz 3 (nach Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen). Der Bruttostromverbrauch wird in Sachsen-Anhalt bereits zu weit über 50 Prozent aus erneuerbaren Energien gedeckt, was auch hier einen Spitzenplatz in Deutschland bedeutet.

Die Kurzversion der Studie finden Interessierte hier (kostenloser PDF-Download von der Internetseite des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt www.mlu.sachsen-anhalt.de).

Autor: Wolfram Markus 

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