Expertentipp | VOB/BGB
24.03.2015

Häufiger Fehler bei der Ausführung: In der Angebotsphase wird kalkulatorisch geprüft

In der Errichtungsphase treffen den Auftragnehmer naturgemäß umfassende Pflichten, deren Verletzung zu schweren, vor allem finanziellen Nachteilen führen kann. Den Fehler der kalkulatorischen Prüfung in der Angebotsphase sollten Sie daher im Rahmen der Ausführung möglichst vermeiden.

Häufiger Fehler: In der Angebotsphase wird kalkulatorisch geprüft© BartekSzewczyk /​ iStock /​thinkstock

Folgender Fall spielt sich nahezu alltäglich auf deutschen Baustellen ab: Der Auftraggeber hat eine Bauleistung ausgeschrieben. In der Errichtungsphase wird klar, dass stattdessen anders als ausgeschrieben gebaut werden muss bzw. zusätzliche Maßnahmen notwendig sind. Den daraufhin gestellten Nachtrag weist der Auftraggeber mit dem Argument zurück, der Auftragnehmer hätte „als Fachbetrieb“ schon bei Kalkulation seines Angebots erkennen müssen, dass tatsächlich nicht so wie ausgeschrieben gebaut werden könne. Jetzt sei es „zu spät“, dafür einen Nachtrag zu fordern.

Die Argumentation des Auftraggebers ist in aller Regel nicht haltbar. Denn der Auftragnehmer muss bei der Kalkulation, also vor Vertragsabschluss überhaupt nicht im Detail prüfen, ob die vom Auftraggeber ausgeschriebene Ausführungsvariante technisch überhaupt richtig oder machbar ist. Der Auftragnehmer muss sich in der Angebotsphase (im eigenen Interesse) letztlich nur bewusst darüber werden, ob und wie er die ausgeschriebenen Leistungen kalkulieren kann. Ob die Ausschreibung technisch tatsächlich richtig ist, kann er regelmäßig im Rahmen der relativ kurzen Angebotsfrist gar nicht abschließend beurteilen.

Etwas anderes gilt nur bei offensichtlichen Ausschreibungsfehlern, die dem Auftragnehmer schon bei der Kalkulation so ins Auge springen mussten, dass man sie schlichtweg nicht übersehen konnte (Beispiel: die Stärke einer Bodenplatte wird mit 0,2 mm ausgeschrieben).

Dieser Ausnahmefall darf jedoch von der oben genannten Regel nicht ablenken. Im Regelfall besteht eben gerade keine Pflicht zum Hinweis auf technische Bedenken. Lassen Sie sich von der gegenteiligen Argumentation des Auftraggebers nicht „ins Bockshorn“ jagen.

 

Autor: Markus Fiedler 

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