03.12.2018

Gravierende Mängel bei Zurrgurten entdeckt

Gurtsystem festgezurrt, Ladung gesichert? So einfach ist das leider nicht. Denn Zurrgurt ist nicht gleich Zurrgurt – und zum Teil weisen die Systeme, die aktuell auf dem Markt sind, gravierende Mängel auf. 36 Zurrgurt-Systeme nahm der Fachverband Seile und Anschlagmittel (FSA) unter die Lupe. Knapp die Hälfte davon fiel beim Sicherheitstest krachend durch. Ein weiteres Drittel der Gurte war zumindest mit einem Mangel behaftet.

Zurrgurtsysteme

Ein gut sichtbares Kennzeichen für Qualität hat bei der Prüfung der Zurrgurte versagt: das GS-Zeichen. 14 der 17 mangelhaften Zurrgurtsysteme trugen laut FSA ein GS-Zeichen. Sie bestanden die physikalische Prüfung nach DIN EN 12195-2 jedoch nicht.

GS-Zeichen auf Zurrgurten kein Zeichen für Qualität

Das GS-Zeichen ist eigentlich ein gesetzlich geregeltes Gütesiegel für „Geprüfte Sicherheit“. Hersteller zeigen damit ihren Kunden, dass eine staatlich anerkannte Prüfstelle ihren Zurrgurt begutachtet und für sicher befunden hat.

Wie die mangelhaften Zurrgurte an das GS-Zeichen kamen, bleibt Spekulationen überlassen. Die Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik überwacht die Stellen, die GS-Zeichen vergeben. „Wir werden jedem ernsthaften Verdacht auf Verstoß gegen die Vergaberegeln sowie jedem Missbrauchsverdacht beharrlich nachgehen“, erklärte ihr Leiter, Hans-Georg Niedermeyer.

Die Prüfung im Detail

Mangelhaft Zurrgurte – woran machten die Prüfer der Gurtsysteme das eigentlich fest? Folgende Probleme zeigten sich bei der physikalischen Prüfung nach DIN EN 12195-2:

  • übermäßige Dehnung und unzureichende Bandbruchkraft (16 x)
  • Handhebeltest nicht bestanden (Handhebel verbogen)
  • Vorspannkraft des verwendeten Zurrgurts entsprach nicht der Realität (9 x)

Die Testobjekte: zweiteilige Zurrgurtsysteme mit der Zurrkraft (LC) von 2.500 daN, was in etwa 2.550 kg entspricht. Der Fachverband Seil und Anschlagmittel e.V. hat die Produkte von Zurrgurtanbietern untersuchen lassen, die nicht Mitglied im Verband sind.

FSA fordert eine verbesserte Rechtsgrundlage für Zurrmittel

Zurrmittel sind Arbeitsmittel im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung. Das bedeutet: Befähigte Personen müssen sie wiederkehrend auf ihre sichere Verwendung hin überprüfen. Die FSA fordert auch vor dem Hintergrund der aufgedeckten Mängel, dass bereits die Herstellung bzw. das Inverkehrbringen von Zurrmitteln durch strenge Regelungen gesteuert wird – in etwa so wie bei den persönlichen Schutzausrüstungen. Hier schreibt eine EU-Verordnung wiederkehrende Produktprüfungen vor, ebenso eine Überwachung des Qualitätssicherungssystems oder eine interne Fertigungskontrolle des Herstellers.

Mangelhafte Ladungssicherung führt immer wieder zu schweren Unfällen auf deutschen Straßen.  Weitere Infos über den Test finden Sie auf der Webseite des Fachverbands Seile und Anschlagmittel (FSA).

Autor: WEKA Redaktion