07.05.2019

Unfälle mit Gefahrgut: Diese Berichtspflichten sollten Sie ernst nehmen

ADR und RID regeln nicht nur die Bedingungen zum sicheren Transport gefährlicher Güter, sondern auch, welche Berichtspflichten zu erfüllen sind, falls sich trotz aller Vorsicht ein Unfall ereignet hat. Je nach Schwere des Vorfalls wird in Kapitel 1.8 ADR/RID zwischen einem Unfall und einem meldepflichtigen Ereignis unterschieden – mit jeweils anderen Vorschriften und Regeln für die Berichte.

Unfallbericht

Faustregel: Unfallbericht bei jedem Schaden an Personen, Tieren, Sachen oder der Umwelt

Wenn sich während einer vom Unternehmen durchgeführten Beförderung oder während des Be- oder Entladens ein Unfall ereignet hat, bei dem Personen, Tiere, Sachen oder die Umwelt zu Schaden gekommen sind, muss das Unternehmen nach Einholung aller sachdienlichen Auskünfte einen Unfallbericht erstellen.

Dafür zu sorgen hat der Gefahrgutbeauftragte (Gb). Das bedeutet nicht, dass der Gefahrgutbeauftragte den Unfallbericht selbst erstellen muss. Den Bericht kann beispielsweise auch die Werksfeuerwehr verfassen. Entscheidend ist, dass eindeutig festgelegt ist, wer den Bericht erstellt.

Ein Unfallbericht muss nur bei Unfällen erstellt werden, die das eigene Unternehmen direkt betreffen. Er muss jedoch keine Angaben enthalten, die den Unternehmer oder Betriebsinhaber oder deren verantwortliche Personen belasten.

Den Unfallbericht erstellt der Gefahrgutbeauftragte in erster Linie für die Unternehmensleitung. Ziel ist es natürlich, durch geeignete Maßnahmen ähnliche Unfallgeschehen künftig zu verhindern. Der Unternehmer muss diese Berichte fünf Jahre lang aufbewahren und auf Verlangen der zuständigen Behörde vorlegen.

Was ist ein „meldepflichtiges Ereignis“?

Der Unterabschnitt 1.8.5.1 ADR/RID definiert: Ein meldepflichtiges Ereignis ist es, wenn sich beim Beladen, beim Befüllen, bei der Beförderung oder beim Entladen gefährlicher Güter ein schwerer Unfall oder Zwischenfall ereignet, bei dem

  • gefährliche Güter ausgetreten sind oder die unmittelbare Gefahr des Austretens bestand,
  • ein Personen-, Sach- oder Umweltschaden eingetreten ist
  • oder wenn Behörden beteiligt waren
  • und ein oder mehrere präzisierende Kriterien erfüllt sind.

Zu den Kriterien bleiben keine Fragen offen, da sie Unterabschnitt 1.8.5.3 ADR/RID ganz präzise aufgelistet werden.

So legt dieser z.B. detailliert fest, was unter einem „Personenschaden“ zu verstehen ist, wann genau (in Abhängigkeit von Menge und Beförderungskategorie) es sich um einen „Produktaustritt“ handelt, welche Schadenshöhe einen „Sach- und/oder Umweltschaden“ auslöst und wann eine „Behördenbeteiligung“ im Sinne der ADR/RID vorliegt.

Bei jedem solchen meldepflichtigen Ereignis muss der zuständigen Behörde ein Bericht vorgelegt werden.

Wer muss den Bericht erstellen und vorlegen?

Verantwortlich für Erstellung und Vorlage des Berichts: der Verlader, Befüller, Beförderer oder Empfänger. Der Bericht muss dem gemäß Unterabschnitt 1.8.5.4 ADR/RID vorgeschriebenen Muster entsprechen und spätestens einen Monat nach dem Ereignis der zuständigen Behörde zugeleitet werden. Für Deutschland sind die zuständigen Behörden in § 27 GGVSEB festgelegt.

Achtung: Bußgeldgefahr!

Verletzen die jeweils Verantwortlichen ihre Berichtspflichten, so sind dies Ordnungswidrigkeiten, für die Unternehmen Bußgelder zahlen müssen.

Tipp

Ein Muster für den Bericht über Ereignisse gem. 1.8.5 ADR/RID finden Sie im WEKA Praxiswerk Gefahrguttransport nach ADR/RID. Dazu ausführliche und umfassende Informationen, die Sie brauchen, um das aktuelle Gefahrgutrecht auf Straße und Schiene korrekt umzusetzen. Probieren Sie es gleich 14 Tage gratis aus!

 

Autoren: Beate Schleicher , WEKA Redaktion