19.11.2020

Gefahrgut 2021 – jetzt auf geänderte Vorschriften einstellen

Mit dem Jahreswechsel 2020/2021 treten umfangreiche Vorschriftenänderungen für Gefahrguttransporte in Kraft. Sie betreffen Beförderungen gefährlicher Güter mit allen Verkehrsträgern. Die Vorschriften müssen zu unterschiedlichen Zeitpunkten umgesetzt werden. Informieren Sie sich gleich jetzt, damit Ihnen genügend Zeit für die Vorbereitung bleibt.

Gefahrgut-Vorschriften ändern sich 2021

Wann treten die Änderungen in Kraft?

Den Anfang macht der Luftverkehr. Ab 1. Januar 2021 gilt ohne Übergangsfrist die 62. Auflage der IATA-DGR, der Dangerous Goods Regulations, die von der internationalen Luftfahrtorganisation IATA herausgegeben werden.

Verantwortlich für die sogenannten „Binnenverkehrsträger“ Straße (Vorschrift: ADR), Schiene (RID), Binnenschiff (ADN, sind internationale Arbeitsgruppen bei der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa, der UN-ECE. Hier treten die Neuauflagen der Regelungen am 1. Januar mit einer sechsmonatigen Übergangsfrist in Kraft.

Im Seeverkehr beschließt die Internationale Seeschifffahrtsorganisation IMO die Vorschriften, die erst ab 1. Januar 2022 gelten, aber schon an Jahresbeginn 2021 angewendet werden dürfen.

Warum kommen gerade jetzt so viele Änderungen im Gefahrgutrecht?

Die turnusmäßigen Änderungen – jährlich im Luftverkehr, im Zwei-Jahres-Rhythmus bei allen anderen Verkehrsträgern – sind nötig, um neue technische Entwicklungen sowie Erkenntnisse aus Unfällen und Zwischenfällen mit gefährlichen Gütern aber auch Erfahrungen aus der Praxis im Regelwerk festzuschreiben.

Was wird sich ändern?

In den letzten Jahren bezogen sich die Änderungen auf Details aus unterschiedlichsten Bereichen. Der neue Vorschriftenjahrgang bringt nun neue UN-Nummern, Korrekturen, Aktualisierungen und Präzisierungen. Hier einige wichtige Änderungen im Überblick.

Neue und geänderte UN-Nummern in Tabelle A

Die Tabelle A im Kapitel 3.2 ADR ist sicher der am häufigsten konsultierte Teil der Vorschrift. Hier sind für jedes Gefahrgut die konkreten Regeln zum Transport zusammengefasst. Hier tut sich auch 2021 etwas: Mit UN 0511, 0512 und 0513 finden nun drei neue UN-Nummern für programmierbare elektronische Sprengkapseln den Weg in die Tabelle. Die Sondervorschrift SV 327 erlaubt es Unternehmen darüber hinaus jetzt auch, Abfall-Gaspatronen wie Aerosole in Großverpackungen zu befördern.

Erleichterte Beförderungsbedingungen für Gegenstände

Für freigestellte Maschinen, Geräte und Einrichtungen nach 1.1.3.1 b) ADR wurde im ADR 2019 eine separate UN-Nummer 3363 eingeführt. Allerdings galt sie nur für Maschinen. Damit entstand eine ungewollte Lücke in den Regelungen. Deshalb erhält die UN 3363 nun zusätzlich die Benennung „GEFÄHRLICHE GÜTER IN GEGENSTÄNDEN“.

Regelungen für Lithiumbatterien

Bei den Lithiumbatterien versucht die Gesetzgebung, mit der raschen technologischen Entwicklung Schritt zu halten. Diesmal u.a. neu: Hersteller oder Sachverständige müssen Sicherheitskriterien festgelegen, um zu entscheiden, ob eine Lithiumbatterie beschädigt oder defekt ist. Diese Anforderung ist neu in SV 376 – sie sorgt dafür, dass einheitliche Kriterien für die Beurteilung vorliegen.

Wenn ein Versandstück sowohl Lithium-Ionen-Batterien als auch Lithium-Metall-Batterien enthält, müssen Sie im Beförderungspapier beide UN-Eintragungen angeben.

Für den Luftverkehr wird präzisiert: Damit Flugsysteme nicht beeinflusst werden, dürfen Einrichtungen im aktiven Zustand nur befördert werden, wenn sie die Normen für elektromagnetische Verträglichkeit erfüllen.

Auf kleinen Verpackungen müssen Kennzeichen für Lithiumbatterien nur noch mindestens 100 mm breit und hoch sein – bisher waren 120 mm in der Breite und 110 mm der in Höhe vorgeschrieben. Besonders kleine Verpackungen reduzieren die Vorgaben von 105 x 74 auf 100 x 70 mm.

Noch mehr Güter mit hohem Gefahrenpotenzial

Die Liste der gefährlichen Güter mit hohem Gefahrenpotential in der Tabelle 1.10.3.1.2 wird aktualisiert, neue Einträge kommen hinzu. Des Weiteren sind für die Beförderung dieser Güter mit Inkrafttreten des ADR 2021 Sicherungspläne erforderlich.

Vorschriften für den Versand

Eine Regelung für Tankcontainer gilt mit dem ADR 2021 auch für ortsbewegliche Tanks: Im Beförderungspapier müssen Sie das Datum angeben, an dem die tatsächliche Haltezeit des tiefgekühlt verflüssigten Gases endet (5.4.1.2.2 d ADR). Darüber hinaus werden erstickend wirkende Stoffe, z.B. Stickstoff, jetzt auch als „Konditionierungsmittel“ berücksichtigt (5.5.3 ADR).

Vorschriften zum Beladen, zum Entladen und zur Handhabung

Die CV 36 fordert, dass zwischen Laderaum und Führerkabine kein Gasaustausch möglich sein darf. Es reicht nicht, dass ein Warnzeichen auf die Begasung hinweist.

Klarheit bei Tunnelbeschränkungen

Um Klarheit zu schaffen, muss im Beförderungspapier nicht nur der Tunnelbeschränkungscode, sondern auch die Angabe „-“ gemäss Spalte (15) der Tabelle A des Kapitels 3.2 angegeben werden. Damit wird deutlich, dass diese Stoffe nicht von den Tunnelbeschränkungen betroffen sind.

Hinweis

Alle Änderungen 2021 für Gefahrgüter auf Schiene und Straße finden Sie übersichtlich zusammengefasst und erläutert in der WEKA-Praxislösung „Gefahrguttransport nach ADR/RID„. Sie hilft Ihnen bei allen rechtlichen Fragen des Gefahrguttransports auf Straße und Schiene und erleichtert Ihnen die Umsetzung des aktuellen Gefahrgutrechts.

 

Autor: Uta Fuchs