Fachbeitrag | Praxis 25.04.2016

Gefahrgutbeauftragter – Schulung und Prüfung

Wer Gefahrgutbeauftragter werden möchte, muss eine ausgiebige Schulung mit anschließender Prüfung besuchen. Details zur Schulung und Prüfung des Gefahrgutbeauftragten sind in den verschiedenen Rechtsvorschriften für die einzelnen Verkehrsträger definiert.

Details zur Schulung und Prüfung des Gefahrgutbeauftragten sind in den verschiedenen Rechtsvorschriften für die einzelnen Verkehrsträger definiert.

Details zur Prüfung des Gefahrgutbeauftragten enthalten entweder die Gefahrgutbeauftragtenverordnung (GbV) oder die IHK-Satzung.

Inhalte der Schulung

Die Schulung muss in Deutschland gemäß GbV von der Industrie- und Handelskammer anerkannt sein. Die Industrie- und Handelskammern haben in ihren Satzungen die Anforderungen erläutert:

Inhalt der Schulung des ersten Verkehrsträgers:

  • nationale Rechtsvorschriften (insbesondere GbV, GGBefG, GGVSEB“ target=“_blank“>GGVSEB, GGVSee“ target=“_blank“>GGVSee, GGAV, Gefahrgut“ target=“_blank“>StVO, WHG)
  • Klassifizierung
  • Anforderungen an Verpackungen, Großpackmittel, Großverpackungen
  • Kennzeichnung, Beschriftung, Bezettelung von Versandstücken

Inhalt der Schulung des ersten Verkehrsträgers und jedes weiteren Verkehrsträgers:

  • Aufbau und Systematik der besonderen Rechtsvorschriften für den Gefahrguttransport
  • Verantwortliche und Verantwortlichkeiten der am Transport gefährlicher Güter beteiligten Personen
  • Besonderheiten der Klassifizierung (freigestellte Güter und (bedingt) freigestellte Beförderungen)
  • Dokumentation (Inhalt und Verwendung der Begleitpapiere)
  • Anforderungen zur Beförderung an Fahrzeuge, Container, Tanks (insbesondere Zulassung, Prüfung und Kodierung)
  • Besonderheiten bei Kennzeichnung, Beschriftung, Bezettelung (insbesondere von Tanks und Fahrzeugen)
  • Durchführung der Beförderung (insbesondere Versandarten, Versandbeschränkungen, Beladen, Entladen, Ladungssicherung, Sicherheitsanforderungen)

Prüfungsvoraussetzungen

Es gibt drei Arten von Prüfungen: Grundprüfung, Ergänzungsprüfung, Verlängerungsprüfung. Die Prüfung findet ausschließlich schriftlich statt, die verwendeten Fragebogen sind bundeseinheitlich. Der Fragenkatalog wird permanent weiter entwickelt.

In der Prüfung werden Fragen (Multiple Choice und offene Fragen) und Aufgaben (Fallstudie) gestellt, die selbstständiges Arbeiten mit den Gefahrgutvorschriften erfordern. Als Hilfsmittel sind in der Prüfung u.a. die einschlägigen Rechtsvorschriften, die Richtlinien für die jeweiligen Verkehrsträger etc. erlaubt.

Zulassung zur Grundprüfung

Zur Prüfung für den erstmaligen Erwerb eines Schulungsnachweises werden nur Personen zugelassen, die eine lückenlose Teilnahme an einer Schulung nach der Gefahrgutbeauftragtenverordnung durch Lehrgangsbestätigung nachweisen können. Eine Regelung, in welchem Zeitraum nach dem Lehrgang die Grundprüfung absolviert werden muss, enthalten die Vorschriften nicht.

Der Prüfling kann selbst festlegen, zu welchem Termin er sich bei einer IHK zur Grundprüfung anmeldet (das kann z.B. auch erst drei Jahre nach der Schulung sein). Dies gilt auch für Wiederholungsprüfungen.

Wiederholung der Grundprüfung

Grundprüfungen dürfen nur einmal ohne Schulung wiederholt werden. Die Industrie- und Handelskammern empfehlen deshalb dringend, zwischen Schulung und Prüfung genügend Zeit für eine intensive Beschäftigung mit den umfangreichen Gefahrgutvorschriften einzuplanen.

Zur Verlängerung der Geltungsdauer des Schulungsnachweises muss nur eine Verlängerungsprüfung erfolgreich absolviert werden, die Teilnahme an einer Schulung ist keine Zulassungsvoraussetzung für die Prüfung. Diese Prüfung darf mehrmals – jedoch nur bis zum Ablauf der Geltungsdauer des Schulungsnachweises – wiederholt werden.

Die Verlängerungsprüfung kann höchstens die Verkehrsträger umfassen, für die die zu verlängernde Schulungsbescheinigung gilt. Auf eine Klasse beschränkte Prüfungen können in Deutschland seit dem 01.09.2011 nicht mehr abgelegt werden. Inhaber von auf eine Klasse beschränkten Schulungsnachweisen, die diese verlängern lassen wollen, können nur noch eine unbeschränkte Verlängerungsprüfung für den/die jeweiligen Verkehrsträger absolvieren.

Prüfungssystem

Grundprüfung (Basis für Gültigkeit des Schulungsnachweises):
Zulassungsvoraussetzung zur Prüfung ist die Lehrgangsbestätigung für den bzw. die zu prüfenden Verkehrsträger.

Schulungsumfang für den ersten Verkehrsträger sind 30 Unterrichtseinheiten, jeder weitere Verkehrsträger zehn Unterrichtseinheiten.

Multiple-Choice-Fragen, offene Fragen und Fallstudie

  • Prüfung mit einem Verkehrsträger:   60 Punkte – 100 Min.
  • Prüfung mit zwei Verkehrsträgern:   90 Punkte – 150 Min.
  • Prüfung mit drei Verkehrsträgern:   120 Punkte – 200 Min.
  • Prüfung mit vier Verkehrsträgern:   150 Punkte – 250 Min.

Gültigkeit errechnet sich ab Datum der Grundprüfung.

 

Ergänzungsprüfung (gültiger Schulungsnachweis für einen oder mehrere Verkehrsträger + Lehrgangsbestätigung für den bzw. die zu prüfenden Verkehrsträger: Straße und/oder Schiene und/oder Binnenschiff und/oder See).

Schulungsumfang für jeden Verkehrsträger mindestens zehn Unterrichtseinheiten.

Multiple-Choice-Fragen, offene Fragen und Fallstudie

  • Prüfung mit einem Verkehrsträger:   30 Punkte – 50 Min.
  • Prüfung mit zwei Verkehrsträgern:   60 Punkte – 100 Min.
  • Prüfung mit drei Verkehrsträgern:   90 Punkte – 150 Min.

Schulungsnachweis wird ergänzt, keine neue Gültigkeit.

 

Verlängerungsprüfung (gültiger Schulungsnachweis für einen oder mehrere Verkehrsträger)

Multiple-Choice-Fragen, offene Fragen

Prüfung mit einem Verkehrsträger:   30 Punkte – 50 Min.
Prüfung mit zwei Verkehrsträgern:   45 Punkte – 75 Min.
Prüfung mit drei Verkehrsträgern:   60 Punkte – 100 Min.
Prüfung mit vier Verkehrsträgern:   75 Punkte – 125 Min.

Die Gültigkeit schließt sich an das alte Gültigkeitsdatum an, sofern die Prüfung innerhalb von zwölf Monaten vor Ablauf bestanden wurde, oder ab Datum der Verlängerungsprüfung, wenn sie mehr als zwölf Monate vor Ablauf bestanden wurde.

Gültigkeit und Verlängerung des Schulungsnachweises

Ein Schulungsnachweis nach einer Schulung und Prüfung ist fünf Jahre lang gültig. Für die Berechnung der Geltungsdauer ist das Datum der bestandenen Prüfung maßgebend. Für die Verlängerung eines Schulungsnachweises ist relevant, wann die Verlängerungsprüfung abgelegt wurde.

Bei Prüfung innerhalb von 12 Monaten vor Ablauf der Gültigkeit der Bescheinigung schließt sich die neue Gültigkeit an das alte Gültigkeitsdatum an. Bei Prüfung mehr als 12 Monate vor Ablauf der Gültigkeit der Bescheinigung wird die neue Gültigkeit auf Basis des Datums der Verlängerungsprüfung berechnet. Nach Ablauf der Gültigkeit der Bescheinigung ist eine Verlängerung nicht mehr möglich.

Weitere Infos zum Thema Gefahrgutbeauftragter+Schulung“ target=“_blank“>Schulung Gefahrgutbeauftragter und Prüfung Gefahrgutbeauftragter finden Sie hier.

Autor: Beate Schleicher