12.10.2017

Lebenszykluskosten: in Energieaudits leider vernachlässigt

Wenn man die Lebenszykluskosten berücksichtigt, zeigt sich die Wirtschaftlichkeit verbrauchsarmer Geräte in vollem Umfang. Energieauditoren haben diese Kosten in ihren Auditberichten aber häufig ignoriert. Wie sind sie stattdessen vorgegangen? Und welche Vorteile bringt der Blick auf den Lebenszyklus im Vergleich?

Lebenszykluskosten

Eine Analyse der Lebenszykluskosten ist besonders bei den Produkten relevant, die viel Energie verbrauchen. Sie vergleicht deren Wirtschaftlichkeit, indem sie sämtliche Kosten, die das Produkt für ein Unternehmen verursacht, aufsummiert, also:

  • Anschaffungskosten
  • Betriebskosten – darin fließen z.B. die Nutzungsdauer, die Kosten der Betriebsmittel, Wartung und Strompreise mit ein
  • Entsorgungskosten

Bewertung der Lebenszykluskostenanalyse

Es kann selbstverständlich sein, dass ein Produkt, das besonders energieeffizient herzustellen bzw. zu entsorgen ist, auch für weniger Geld zu haben ist als ein nicht energieeffizientes Konkurrenzprodukt. Kann sein, muss aber nicht. Häufig sind die preisgünstigsten Waren und Dienstleistungen nicht die wirtschaftlichsten. Erst wenn man die Lebenszykluskosten berücksichtigt, zeigt sich die Wirtschaftlichkeit verbrauchsarmer Geräte in vollem Umfang. Die ggf. höheren Anschaffungskosten für energieeffiziente Produkte erscheinen dann durch geringere Kosten in der Nutzungsphase in einem anderen Licht.

Lebenszykluskosten in Energieaudits

Um die Wirtschaftlichkeit einer Investition zu bewerten, eignen sich die Lebenszykluskosten also ganz vortrefflich. Sie bringen technische und monetäre Aspekte zusammen und ermöglichen eine gut informierte, umfassende Entscheidung. Dennoch findet die Lebenszykluskostenanalyse bislang kaum Eingang in die Energieauditberichte oder in die Maßnahmenliste, die Auditoren ihren Auftraggebern gemacht haben.

Energieaudit

Das Inkrafttreten der von der EU beschlossenen Energieeffizienzrichtlinie 2012/27/EU am 04.12.2012 brachte die Bundesregierung unter Zugzwang: Ein entsprechender Parlamentsbeschluss verordnete allen Nicht-KMU, im Abstand von vier Jahren Energieaudits nach dem novellierten Energiedienstleistungsgesetz durchzuführen. Beauftragt mit der Durchführung und Überwachung der Energieaudits ist das BAFA. Die Frist für die Erstellung der ersten Energieaudits endete am 04.12.2015.

Eine Evaluierung der Auditpflicht im Auftrag des BAFA zeigt: In 80 % der Berichte, die das BAFA bislang im Rahmen der Stichprobenkontrollen erhalten hat, haben die Auditoren eine Maßnahme über deren unmittelbares Einsparpotenzial bewertet, d.h. über die Stromkosten, die sie jährlich einspart.

Wenn Energieauditoren eine umfangreichere Wirtschaftlichkeitsanalyse verschiedener Maßnahmen erstellt haben, dann meist anhand der Amortisationszeit. Das ist einfach: Die Investition wird durch die jährliche Einsparung geteilt. Nur wenige Energieauditoren haben auch die Rendite berechnet – und nur 20 % von ihnen den Lebenszyklus eines Produkts betrachtet. Gerade das ist aber im Hinblick auf nachhaltige Investitionen in die Energieeffizienz außerordentlich wichtig.

Die Art und Weise, wie die Energieauditberichte die Wirtschaftlichkeit von Maßnahmen beurteilt haben, war somit häufig eine ihrer Schwachstellen. Die Studie im Auftrag des BAFA empfiehlt, das Fortbildungsangebot für Auditoren auf diesem Gebiet zu verbessern.

Quelle: Michael Mai, Edelgard Gruber, Natalja Ashley-Belbin, Anna Schulz (Institut für Ressourceneffizienz und Energiestrategien – IREES), Anton Barckhausen, Gunnar Will, Jan-Erik Thie (adelphi consult GmbH): Analyse der Entwicklung des Marktes und Zielerreichungskontrolle für gesetzlich verpflichtende Energieaudits, Schlussbericht an das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), Karlsruhe, 18. Juli 2017.

Autor: WEKA Fachredaktion