23.01.2018

Neuer Standard ISO 20400 – nachhaltige Beschaffung

Jedes Unternehmen muss Energie, Rohstoffe, Arbeitsmittel kaufen und jeder einzelne dieser vielen Käufe ist ein Beurteilen, Ausklammern und Verwerfen von Alternativen, bis am Ende nur noch ein Produkt übrig bleibt. Die Welt wäre schnell ein besserer Ort, würden Unternehmen bei diesem Entscheidungsprozess mehr auf die Nachhaltigkeit ihrer Wunschwaren achten. Der neue Standard ISO 20400:2017 – Sustainable Procurement soll sie genau dabei unterstützen.

ISO 20400

Zugegeben, in der neuen ISO 20400:04-2017 – Sustainable Procurement spielen neben der Energieeffizienz eines Produkts weitere Themen aus der Ökologie eine Rolle – ebenso wie soziale und ökonomische Gesichtspunkte. Zu den Elementen, die die Norm unter Nachhaltigkeit subsumiert, gehören z.B. Menschenrechte, Arbeitsbedingungen und Verbraucherrechte. Die Empfehlungen der Norm geben jedoch genauso gut Orientierung, wenn es „nur“ darum geht, die Beschaffung möglichst energieeffizient zu gestalten.

Nachhaltige Beschaffung umsetzen

Die ISO 20400:04-2017 führt zum einen Prinzipien an, denen eine sozial, ökologisch und ökonomisch verantwortliche Beschaffung zu genügen hat. Sie beantwortet also die Frage: Wann ist eine Einkaufsstrategie eigentlich wirklich nachhaltig? Zum anderen erklärt sie, wie Nachhaltigkeit alle Elemente, die zur Beschaffung gehören – Politik, Strategie, Organisation und Prozesse –, beeinflussen kann. Und drittens gibt sie ein Modell zur Umsetzung an die Hand: Sie zeigt z.B., wie

  • Einkäufer Kriterien für die Nachhaltigkeit (verpflichtend und optional) in den Einkaufsprozess integrieren können,
  • der Lieferant ausgewählt sowie letztlich
  • die Auftragsausführung gestaltet werden kann.

Die Norm beschreibt keine Anforderungen an Lieferanten, sondern zeigt, wie Einkäufer Kriterien für Nachhaltigkeit festlegen und umsetzen können. Damit können sie ihre gesamte Lieferkette nachhaltiger gestalten.

 

Kernpunkte der ISO 20400 – Sustainable Procurement

  • Abschnitt 4 bietet eine Einführung in das Thema „nachhaltige Beschaffung“ sowie einen Überblick über die Grundprinzipien.
  • Abschnitt 5 erklärt, wie Unternehmen die nachhaltige Beschaffung in die Organisation und Strategie des Einkaufs auf der Ebene des Managements integrieren.
  • Abschnitt 6 beschreibt die Umsetzung eines wirksamen Beschaffungssystems auf der Ebene der Mitarbeiter. Ein wichtiger Schwerpunkt bildet dabei deren Qualifizierung.
  • Abschnitt 7 dreht sich um die operativen Prozesse und die Integration von Nachhaltigkeitskriterien.

Die Norm geht in ihren verschiedenen Abschnitten also explizit auf verschiedene Interessensgruppen ein, die im Beschaffungsprozess mitreden (wollen).

Die ISO 20400:04-2017 bietet einen Leitfaden zur nachhaltigen Beschaffung. Sie ist jedoch kein Standard, nach dem sich Organisationen zertifizieren lassen können. Anwenden kann ihn jede Organisation unabhängig von der Größe oder Branche. Sie ist des Weiteren gedacht für jeden, der an Beschaffungsentscheidungen und -prozessen beteiligt oder involviert ist.

Autor: WEKA Fachredaktion