20.10.2017

Verpflichtende Energieaudits: Vorschläge zur Verbesserung

Es muss nicht gleich die Pflicht zur Umsetzung vorgeschlagener Maßnahmen sein: Dieser Beitrag beleuchtet die verschiedenen Vorschläge, die diskutiert werden, um die Wirksamkeit verpflichtender Energieaudits zu erhöhen.

Energieaudits

Energieaudits halten nicht das, was sich die Politik von ihnen im Rahmen des Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz versprochen hatte. Zu diesem Ergebnis kommen einmal die Evaluierungsstudie im Auftrag des BAFA, einmal die „Marktstudie 2016“. Sie haben die die Energieauditpflicht für Unternehmen unter die Lupe genommen und sagen: So viel energieeffizienter könnten viele Firmen gar nicht werden, die Vorschläge vieler Auditoren würden nicht umgesetzt und die Qualität der Audits sei teilweise mangelhaft. Zum Glück machen die Studien auch Vorschläge, wie sich diese Probleme lösen ließen.

Größe der Stichprobe für Energieaudits erhöhen

Je mehr Stichprobenkontrollen es gibt, desto höher ist die Qualität der Energieaudits. Fallen einem BAFA-Mitarbeiter eklatante Mängel in einem Bericht auf, muss das Unternehmen eben nachbessern. Im Zweifelsfall wendet es sich das nächste Mal an einen anderen Energieauditor, dessen Bericht den Ansprüchen des BAFA eher genügt.

Mehr als die aktuell sechs- bis siebenhundert Berichte jährlich können die Prüfer im BAFA allerdings nicht bewältigen. Um die Größe der Stichprobe zu erhöhen, müsste das Amt entweder mehr Mitarbeiter einstellen – oder einen Teil der angeforderten Berichte ungelesen in die Schublade stecken.

Qualifikation der Energieauditoren verbessern

Wie die Auditoren die Wirtschaftlichkeit von Maßnahmen berechnet haben, war einer der zentralen Schwächen bisheriger Auditberichte. Eine zentrale Empfehlung der Evaluierungsstudie ist es deshalb, Energieberater in den Methoden der Wirtschaftlichkeitsberechnung weiterzubilden. Auch im Bereich „Contracting“ sieht die Studie Weiterbildungsbedarf bei den Energieauditoren. Außerdem wirft sie die – sehr sinnvolle – Frage auf, ob nicht Auditoren, die wiederholt mit mangelhaften Auditberichten aufgefallen sind, geahndet werden sollten.

Bagatellgrenze einführen

Verbraucht ein Unternehmen von vornherein wenig Energie, überragen Aufwand und Kosten für ein Audit die Einsparungen bei Weitem. Eine Bagatellgrenze wäre der richtige Weg, um diese Unternehmen von einer Pflicht befreien, von der sie ohnehin nichts haben. Bislang zwingt das Energiedienstleistungsgesetz alle Betriebe zu einem Energieaudit, die nicht zu den KMU zählen. Das sind Betriebe, die

  • entweder 250 oder mehr Personen beschäftigen
  • oder zwar weniger als 250 Mitarbeiter haben, aber einen Jahresumsatz von über 50 Millionen Euro und mehr als 43 Millionen Euro Jahresbilanzsumme erwirtschaften.

Die Auditpflicht zeitlich entzerren

Alle vier Jahre wieder ruft das Energieaudit – und es ruft rund 50.000 Unternehmen in Deutschland. Um zu verhindern, dass diese sich alle in einem engen Zeitraum auf die Energieauditoren stürzen, sollte die Politik gegensteuern. Eine Möglichkeit wäre es, Unternehmen durch Anreize dazu zu bringen, schon vor dem Ablauf der Vier-Jahres-Pflicht das nächste Energieaudit in Auftrag zu geben.

Förderprogramme nutzen

Mehr attraktive Förderprogramme könnten die Umsetzung der im Zuge des Energieaudits beschriebenen Effizienzmaßnahmen erhöhen. Auch der Vorschlag, gewisse Förderprogramme an die Zusendung des Auditberichts zu knüpfen, steht im Raum.

Umsetzungspflicht?

Von einigen Energieberatern wird außerdem die fehlende Umsetzungspflicht der im Energieaudit erkannten Einsparpotenziale kritisiert. Gegen eine Umsetzungspflicht argumentiert aber z.B. der DIHK, da der Entscheidungs- und Handlungsspielraum für alle in einem Unternehmen notwendigen und sinnvollen Investitionen eingeschränkt würde.

Die Studien

  • Markterhebung Energieaudit 2016“: Die Studie wurde gemeinsam vom Institut für Energieeffizienz in der Produktion (EEP) der Universität Stuttgart, dem Fraunhofer IPA, der Beuth Hochschule Berlin und der DEnBAG durchgeführt. Sie basiert auf einer Online-Befragung von 3.270 Energieauditoren im April 2016.
  • Evaluierungsbericht 2017 im Auftrag des BAFA: Die Studie namens „Analyse der Entwicklung des Marktes und Zielerreichungskontrolle für gesetzlich verpflichtende Energieaudits – Schlussbericht an das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)“ wurde vom Institut für Ressourceneffizienz und Energiestrategien (IREES) und von der adelphi consult GmbH verfasst.
Autor: Elisabeth Rowley