18.03.2019

Energieaudit 2019: Was Sie für die Wiederholungsaudits wissen müssen

Alle vier Jahre müssen Unternehmen, die nicht zu den KMU zählen, ein Energieaudit durchführen – dazu verpflichtet sie das Energiedienstleistungsgesetz. 2019 ist es wieder so weit. Damit Ihr Betrieb nicht überrollt wird, fassen wir hier alles Wichtige zum Energieaudit 2019, inklusive geändertem Merkblatt 2019 und neuem BAFA-Leitfaden, zusammen: von Fristen über Rahmenbedingungen bis hin zu Handlungsempfehlungen.

Energieaudit 2019

Welche Frist gilt für die Wiederholungsaudits 2019?

Wann genau die Umsetzungsfrist für das Energieaudit 2019 endet, lässt sich nicht über alle Unternehmen hinweg pauschalisieren. Verlangt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) im Rahmen seiner Stichproben Ihren Nachweis für ein Energieaudit, müssen Sie einen Bericht vorlegen, der nicht älter als vier Jahre ist. Stichtag ist dabei das Datum der Abschlussbesprechung.

Beispiel für Durchführung Energieaudit innerhalb der gesetzlichen Frist

Erstes Energieaudit abgeschlossen am 15. November 2015 – die Auditoren müssen das zweite Energieaudit spätestens zum 15. November 2019 beendet haben.

Die gesetzliche Frist für die erste Energieauditrunde endete am 5. Dezember 2015. Bei Weitem nicht alle Unternehmen hatten jedoch bis dahin ihr erstes Energieaudit durchgeführt. Worauf müssen sich diese Unternehmen nun beim zweiten Energieaudit einstellen? Das BAFA führt dazu folgendes Beispiel an:

Beispiel für Durchführung Energieaudt nach dem gesetzlichen Fristende

Erstes Energieaudit am 15. März 2016 abgeschlossen (also nach dem Fristende 5. Dezember 2015) – das Unternehmen muss das nächste Energieaudit spätestens zum 15. März 2020 abschließen. Obgleich die Fertigstellung des ersten Energieaudits verfristet war und das BAFA dann prüft, ob das Unternehmen eine Ordnungswidrigkeit begangen hat: Die Vier-Jahres-Frist ist davon nicht betroffen.

Die Frist von vier Jahren gilt folglich unabhängig davon, ob das erste Energieaudit vor oder nach dem 5. Dezember 2015 durchgeführt wurde.

Welche Fristen gelten für neu gegründete Unternehmen?

Die Energieauditpflicht macht auch vor neu gegründeten Unternehmen (im ersten Geschäftsjahr bereits Nicht-KMU) nicht halt. Aber: Weil der Energieverbrauch gerade beim Start eines Betriebs nicht repräsentativ ist, besteht für die Durchführung des Energieaudits eine Übergangsfrist von 20 Monaten.

Dieselbe Regelung greift übrigens auch bei Unternehmen, die zum ersten Mal seit ihrem Bestehen zu den Nicht-KMU zählen.

Ändern sich die Rahmenbedingungen für das Energieaudit 2019?

Die Rahmenbedingungen für das Energieaudit 2019 haben sich erheblich geändert.

Am 13.02.2019 hat das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) relativ unerwartet ein neues Merkblatt für Energieaudits veröffentlicht. Neu dazugekommen ist außerdem der Leitfaden zur Erstellung von Energieauditberichten nach den Vorgaben der DIN EN 16247-1 und den Festlegungen des BAFA. Merkblatt und Leitfaden verweisen ständig aufeinander. Wir empfehlen dringend, beide zu beachten. Die Dokumente finden Sie auf dieser Übersichtsseite des BAFA.

Was ändert sich mit dem BAFA-Merkblatt 2019 und dem neuen Leitfaden?

Verschärfungen beim Multi-Site-Verfahren

Eigentlich erleichtert das Multi-Site-Verfahren, ein Energieaudit durchzuführen, und es reduziert die Kosten. Denn hat ein Unternehmen mehrere vergleichbare Standorte, muss es nicht mehr jeden dieser Standorte auditieren. Es reichen „repräsentative“ Energieaudits.

Nach dem geänderten BAFA-Merkblatt 2019 kommt das Multi-Site-Verfahren jedoch nicht mehr infrage bei Unternehmen mit einer komplexen und differenzierten technischen Infrastruktur. Explizit nennt das Merkblatt Produktionsunternehmen und Krankenhäuser, betroffen dürften aber alle Unternehmen ohne eindeutige und einheitliche Filialstruktur sein. Diese müssen künftig an jedem einzelnen Standort ein Energieaudit durchführen.

Außerdem ist nun auch beim Multi-Site-Verfahren der Gesamtenergieverbrauch aller Unternehmensstandorte zu ermitteln. Die Energieauditberichte müssen auf alle zu einem Cluster gehörende Standorte übertragbar sein, sobald sich diese strukturell und energetisch vergleichen lassen.

Neue Anforderungen an die Analyse des Istzustands bei Unternehmen

Auditoren müssen die Energieströme eines Unternehmens in Zukunft umfassender und systematischer beschreiben. Beispielsweise müssen sie alle Anlagen, die Energie

  • erzeugen,
  • transportieren und
  • verbrauchen,

schematisch darstellen und kurz beschreiben. Dazu passt auch die Forderung, dass die eingesetzten Energieträger, bezogen auf den Energieverbrauch des untersuchten Objekts, absolut und prozentual anzugeben sind.

Weitere Neuerungen durch das BAFA-Merkblatt und den BAFA-Leitfaden für das Energieaudit 2019

  • Das Auftaktgespräch muss umfangreicher protokolliert werden.
  • Der Beratungsbericht folgt einer neuen Struktur.
  • Es gibt nun spezifische Anforderungen, wie eingesetzte Querschnittstechnologien beschrieben werden sollen.
  • Um die Repräsentativität eines Energieaudits festzustellen, reicht es nicht mehr aus, für Gebäudeteilbereiche einen bedarfsbasierten Energieausweis vorzulegen. Diesem müssen sämtliche Unterlagen und die EnEV-Bilanzierungsergebnisse beigefügt werden.
  • Es gibt neue und detaillierte Anforderungen an Kennzahlen.
  • Ein Maßnahmenplan muss die Ergebnisse des Energieaudits zusammenfassen. Er muss Kennzahlen zur ökologischen und wirtschaftlichen Bewertung der Energieeinsparmaßnahmen enthalten. Das Unternehmen bestimmt die Rangfolge der Maßnahmen nach bestimmten Kriterien. Diese müssen aus dem Maßnahmenplan klar hervorgehen.
  • Mit der Amortisationszeit dürfen Auditoren nicht rechnen, um die Wirtschaftlichkeit von Energieeinsparmaßnahmen zu bewerten.

Vorsicht bei mangelnder Qualität des Energieaudits

Das BAFA behält sich bei mangelhafter Qualität des Auditberichts vor, ein weiteres Energieaudit zu verlangen, das eine andere Person durchführen muss als diejenige, die das erste Energieaudit verantwortet hat.

Reform des EDL-G

Im Januar 2019 wurde ein Entwurf zur Reform des Energiedienstleistungsgesetzes (EDL-G) veröffentlicht, der für die Rahmenbedingungen von Energieaudits einige Änderungen bereithält.

Nach dem Entwurf würde etwa eine Bagatellschwelle Unternehmen mit oder weniger als 400.000 kWh/Jahr Gesamtenergieverbrauch von der Pflicht befreien, ein Energieaudit durchzuführen. Maßgeblich ist dabei der Gesamtenergieverbrauch in dem Kalenderjahr, das dem Jahr, in dem ein Energieaudit erfolgen müsste, vorausgeht. Das würde um die 3.000 Unternehmen von der Auditpflicht befreien.

Energieauditoren müssten sich künftig fort- und weiterbilden sowie sich beim beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle registrieren.

Mit einer Änderung des Energiedienstleistungsgesetzes wird Anfang des 3. Quartals gerechnet.

Was sollten Sie nun tun?

Kümmern Sie sich frühzeitig um einen Termin und einen Dienstleister für Ihr Energieaudit. Die Erfahrungen aus dem Jahr 2015 haben gezeigt: Eine hohe Anzahl an Energieaudits presst sich in einen relativ engen Zeitraum. Daher gibt es nur noch wenig verfügbare Dienstleister. Das wird dieses Jahr kaum anders sein – vor allem, da sich die Anforderungen an die Tiefe und die Qualität eines Energieaudits mit den jüngsten Änderungen verschärft haben.

Wenn Sie allerding ein kleines Unternehmen mit 400.000 kWh/Jahr oder weniger Gesamtenergieverbrauch sind, kann es sich für Sie lohnen, mit dem Energieaudit 2019 zu warten. Denn Sie könnten unter die Bagatellgrenze fallen, die das reformierte EDL-G aller Voraussicht nach einführen wird.

Autor: WEKA Redaktion