03.02.2020

Argumente für ein Energiemanagementsystem: So überzeugen Sie andere

Bei der Argumentation für ein Energiemanagementsystem sollten Sie zum einen fundierte sachliche Argumente vorweisen können. Zum anderen werden Sie aber auch oftmals davon abweichend in eine emotionale Überzeugungsarbeit einsteigen müssen, um der menschlichen Komponente gerecht zu werden. Dieser Beitrag zeigt, wie Sie Gegenargumenten begegnen können.

Worte haben Macht und Argumente können Denkmuster und Überzeugungen ändern

Ein systematisches und kontinuierliches Energiemanagementsystem ist sinnvoll und gut. Nichtsdestotrotz werden Sie erleben, dass die Mehrheit der Beteiligten erst einmal generell Skepsis gegenüber Neuem zeigen wird – auch gegenüber zusätzlichen Anforderungen. Eine der Hauptaufgaben beim Aufbau eines Energiemanagementsystems liegt eindeutig in der zu leistenden internen (und ggf. externen) Überzeugungsarbeit. Aber wie zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Argumente für ein Energiemanagementsystem finden?

Der Hauptaufwand ist in diesem Zusammenhang am Anfang zu betreiben. Die Motivation für die Umsetzung eines Energiemanagementsystems kann vielfältig sein. Beispielhaft hier einige Treiber für Energiemanagement:

Allgemeine Argumente für ein Energiemanagementsystem

  • Ein Energiemanagementsystem hat positive Auswirkungen für die Umwelt und Ihre Unternehmensbilanz.
  • Ein Zertifikat bescheinigt das Energiemanagement nach außen.
  • Firmenimage und Firmenakzeptanz werden durch eine nachhaltige Wirtschaftsweise gestärkt.
  • Sie sind für die Zukunft gerüstet: Energiekostenreduktion schafft Spielräume und steigert Gewinne!
  • Ein Energiemanagementsystem führt zu Kosten- und Prozesstransparenz.
  • Mit einem Energiemanagementsystem erfüllen Sie die Voraussetzungen für die Inanspruchnahme von Vergünstigungen

Genauso vielfältig wie die Treiber für Energiemanagementsysteme sind dementsprechend auch die Personengruppen, die den ersten Anstoß für die Umsetzung eines solchen Systems geben können. Die erste Initiative in Richtung Energiemanagement kann z.B. aus der Geschäftsführungsebene, dem Einkauf, dem Controlling oder der Technik kommen.

Rückhalt der Geschäftsführung

Sobald der erste Anstoß erfolgt ist, ist zuallererst die Geschäftsführung von der Idee des Energiemanagements zu überzeugen. Denn ohne den Rückhalt der Führungsebene wird das Energiemanagementsystem nicht dauerhaft zielführend betrieben werden können. Die Geschäftsführung muss ebenfalls Verantwortlichkeiten und konkrete Aufgaben im Bereich des Energiemanagements festlegen, so z.B. eine Person benennen, die das System im Unternehmen etabliert, überwacht und steuert.

Aufzeigen realistischer Möglichkeiten

Aussagen wie:

„Hör auf zu träumen” – „Das ist doch unrealistisch” – „Bleib auf dem Teppich” – „Das sind doch Fantastereien” – „Sei nicht so naiv” – „Das ist alles viel zu visionär” etc.

werden Sie vor allem dann hören, wenn Ihre Gesprächspartner die durch Sie angebrachten Argumente als übertrieben, unkonkret oder unrealistisch empfinden.

werden Sie vor allem dann hören, wenn Ihre Gesprächspartner die durch Sie angebrachten Argumente als übertrieben, unkonkret oder unrealistisch empfinden.

So ein Eindruck kann z.B. durch diese Faktoren entstehen:

  • Benutzung von Superlativen
  • Verwendung von nicht eindeutigen Begriffen
  • (anscheinende) Verharmlosung offensichtlicher Problemstellungen

Diesem Eindruck sollten Sie bei Ihrer Argumentation vorbeugen. Am geeignetsten erscheinen immer konkrete Beispielszenarien des eigenen Unternehmens, an denen die Vorteile des angestrebten Ansatzes erläutert werden. Hilfreich ist es natürlich, wenn Sie die Szenarien aus dem Bereich wählen, aus dem die zu überzeugende Personengruppe stammt.

Außerdem sollten Ihre Argumente für ein Energiemanagementsystem konkret und klar herausstellen, dass Ihnen durchaus die bekannten Problemstellungen bewusst sind, Sie aber erste Ansatzpunkte sehen, diese lösen zu können. Durch dieses öffentliche Eingeständnis erzeugen Sie in aller Regel eine höhere Akzeptanz für Ihr Anliegen.

Gewinnung von Fürsprechern

Aussagen wie

„Das ist alles viel zu wenig praxisbezogen” – „Das funktioniert (doch) nie” – „Wir können diese Chance gar nicht nutzen” – „Das ist (viel) zu kompliziert” – „Das ist hoffnungslos” etc.
werden Ihnen dann begegnen, wenn Ihre Ansätze vor allem auf theoretischen Grundlagen und Annahmen beruhen, die augenscheinlich oder tatsächlich von der gelebten Praxis abweichen.

Sie können solche Aussagen vermeiden, wenn Sie die Fachkenntnisse einzelner Bereiche bereits von Anfang an nutzen, um Ihre Ideen zu konkretisieren und auf Realisierbarkeit hin zu überprüfen. Vor allem haben Sie so die Möglichkeit, die beteiligten Personen als Unterstützer und Fürsprecher der Idee zu gewinnen. Damit unterstützen diese Sie bei Ihrer Überzeugungsarbeit und bei Informations- und Sensibilisierungsmaßnahmen.

Persönliche Motivation und gegenseitige Anerkennung

Auf Aussagen wie

„Mich hat bisher niemand dazu befragt” – „Auf uns hört ja doch keiner” – „Dafür ist jemand anders verantwortlich” – „Das ist nicht mein Problem” – „Das ist doch nicht unsere Aufgabe” – „Damit beschäftigen sich schon andere” etc.

werden Sie vor allem dann treffen, wenn persönliche Empfindungen (Frustration, Kränkung, Neid etc.) bei den betroffenen Mitarbeitern eine Rolle spielen. Sobald sie sich damit konfrontiert sehen, bewegen sie sich kaum bis gar nicht mehr auf der rationalen Ebene. Damit werden auch sachliche Argumente nicht oder nur unzureichend wahrgenommen und akzeptiert.

Wie können Sie hier reagieren? Indem Sie z.B. verdeutlichen, dass Sie an vergangenen Situationen nichts mehr ändern können, dass aber eine aktive Beteiligung der Person und vor allem die persönliche Meinung zu einer konkreten Idee gerade jetzt gewünscht sind. Auch wenn die Meinung dieser Person bislang ungehört blieb, wird sie nun eben ganz konkret eingefordert. Auch damit fördern Sie wieder interne Motivation und können einen Fürsprecher für Ihre Idee gewinnen.

Eine weitere Ursache für Äußerungen dieser Art kann darin liegen, dass die betreffenden Personen keine – zusätzlich belastenden – Funktionen übernehmen bzw. Lösungsansätze entwickeln können/wollen.

Um dieser Situation gerecht zu werden, haben Sie z.B. die Möglichkeit, die Äußerung zu hinterfragen und sich konkretisieren zu lassen, wie das zu verstehen ist. Erst dann können Sie Argumente für das Energiemanagementsystem anbringen, die einerseits Verständnis für die Sichtweise der Person zeigen, anderseits aber auch Verständnis für die Idee des Energiemanagementsystems einfordern.

Ressourcenproblematik

Aussagen wie

„Das wird viel zu teuer” – „Wir haben (im Augenblick) kein Budget dafür” – „Uns fehlen die Leute” – „Wir haben nicht genügend Zeit” – „Dafür müssen erst die Rahmenbedingungen geschaffen werden” – „Mir fehlt die Entscheidungskompetenz” – „Das können wir alleine nicht entscheiden” – „Dafür bekommen wir keine Unterstützung” etc.

finden Sie immer dann, wenn die beteiligten und/oder betroffenen Personenkreise hinsichtlich der aufzuwendenden Ressourcen Probleme sehen.

Dem können Sie vorbeugen, indem Sie im Vorfeld mit den Verantwortlichen (zumindest grob) abstimmen, wie ressourcenbelastend Ihre Idee sein darf. Nach diesem Kriterium kann Ihrerseits eine Vorselektion erfolgen, sodass nur noch für Maßnahmen, Ideen etc. argumentiert werden muss, die bereits durch entsprechende Verantwortlichkeiten bewertet wurden.

Abwarten statt Aktion

Aussagen wie

„Das sollen erst einmal andere versuchen” – „Damit sollten sich zuerst die Fachleute befassen” – „Wir sollten doch nicht (immer) den Vorreiter spielen” – „Wir können doch nicht gegen den Strom schwimmen” etc.

verdeutlichen Ihnen die Hemmungen, die bezüglich neuer Herangehensweisen und der damit verbundenen Risiken bestehen.

Diese gilt es auch wieder abzubauen, indem Sie die Vorteile hervorheben und die Bedenken der Mitarbeiter kritisch hinterfragen. Eine abwartende Haltung kann durchaus zu Wettbewerbsnachteilen führen und sich negativ auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens auswirken.

Nicht das richtige Argument dabei?

Viele weitere Hinweise und Argumente finden Sie im Beitrag „So überzeugen Sie andere vom EnMS“ im Werk „Energiemanagement in der betrieblichen Praxis“ (Link zur Beschreibung im Shop). Einen ersten Eindruck davon, wie Ihnen dieses Werk bei Ihrem Energiemanagement hilft, erhalten Sie, wenn Sie im Shop auf „Direkt 30 Minuten online testen“ klicken.

 

Autoren: Susanne Regen , überarbeitet von Bernd Maur