17.10.2018

Wiederholungsprüfung für Lichtbogenschweißeinrichtungen neu geregelt

Der Einsatz von Lichtbogenschweißeinrichtungen ist mit erheblichen Gefahren verbunden. Diese sind – wie alle anderen elektrischen Geräte auch – nach den anerkannten Regeln der Technik zu prüfen. Im Zuge der Novellierung der VDE 0105-100:2017-06 und VDE 0100-600:2017-06 wurde auch der technische Standard zur Wiederholungsprüfung von Lichtbogenschweißeinrichtungen nach DIN EN 60974-4 geändert.

Lichtbogenschweißeinrichtungen

Die DIN EN 60974-4 (VDE 0544-4):2017-05 „Lichtbogenschweißeinrichtungen – Teil 4: Wiederkehrende Inspektion und Prüfung“ ähnelt im Grunde der VDE 0701-0702, sie weicht in wichtigen Details aber von ihr ab. Die Neufassung nehmen wir zum Anlass, Ihnen diese für die Schweißtechnik entscheidende Norm ausführlich vorzustellen.

Internationale Norm IEC 60974-4 bildet die Grundlage

Die IEC wurde am 25.08.2016 von CENELEC (Europäisches Komitee für Elektrotechnische Normung) als europäische Norm EN 60974-4:2016 mit dem Titel „Lichtbogenschweißeinrichtungen – Teil 4: Wiederkehrende Inspektion und Prüfung“ wort- und inhaltsgleich angenommen. Der Anwendungsbeginn der europäischen Norm als DIN-Norm DIN EN 60974-4 (VDE 0544-4):2017-05 ist der 01.05.2107. Es wird allerdings eine Übergangsfrist bis zum 25.08.2019 eingeräumt, nach der Wiederholungsprüfungen nach DIN EN 60974-4 (VDE 0544-4):2011-10 durchgeführt werden können.

Praxistipp

Wir empfehlen allerdings allen Praktikern, schon jetzt nach der neuen Fassung vorzugehen. So vermeiden Sie, dass der letztmalige Termin „vergessen“ wird und die Prüfung nicht normkonform ist.

Laut dem zuständigen deutschen Arbeitsgremium K 361 der DKE erfolgten in der aktuellen Fassung folgende Änderungen:

  • Der Begriff Ableitstrom wurde durch Berührungsstrom und Schutzleiterstrom ersetzt.
  • Messungen von Netzwerken, die in nicht galvanischem Weg verbunden sind, müssen gemäß der Herstellerinformationen getestet werden.
  • Die Reihenfolge der Abschnitte, die sich mit Messungen befassen, wurde geändert.
  • Das Muster für den Prüfbericht wurde überarbeitet.

Das neue Inhaltsverzeichnis der DIN EN 60974-4 (VDE 0544-4):2017-05

(Auszug, geänderte Kapitel gefettet)

1 Anwendungsbereich

2 Normative Verweisungen

3 Begriffe

4 Allgemeine Anforderungen

4.1 Qualifikation des Prüfpersonals

4.2 Prüfbedingungen

4.3 Messgeräte

4.4 Wiederkehrende Inspektion und Prüfung

4.5 Instandhaltung

4.6 Reparatur

4.7 Reihenfolge der Prüfungen

5 Schutz gegen elektrischen Schlag

5.1 Sichtprüfung

5.2 Durchgängigkeit des Schutzleiterstromkreises

5.3 Isolationswiderstand

5.4 Berührungsstrom des Schweißstromkreises

5.5 Berührungsstrom bei Normalbetrieb

5.6 Schutzleiterstrom

5.7 Leerlaufspannung (U0)

6 Funktionsprüfung

6.1 Funktion

6.2 Ein/Aus-Schalteinrichtung für den Netzanschluss

6.3 Spannungsminderungseinrichtung

6.4 Gas-Magnetventil

6.5 Melde- und Kontrollleuchten

7 Dokumentation

7.1 Prüfbericht

7.2 Etikett

Anhang A Checkliste für die Sichtprüfung

Anhang B Beispiel für einen Prüfbericht nach der Reparatur

Anhang C Einrichtungen, die nicht nach IEC 60974-1 gebaut sind

Anhang ZA Normative Verweisungen auf internationale Publikationen mit ihren entsprechenden europäischen Publikationen

Tabelle 1 Reihenfolge der Prüfungen bei Lichtbogenschweißeinrichtungen im Gebrauch

Tabelle 2 Isolationswiderstand

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Die Anhänge A, B und C sind also weiterhin lediglich informativ, der Anhang ZA normativ.

Anwendungsbereich der neuen DIN EN 60974-4

Es wird vorangestellt, dass dieser Teil der IEC 60974 (also die DIN EN 60974-4) Prüfverfahren für die wiederkehrende Prüfung und zur Gewährleistung elektrischer Sicherheit nach einer Reparatur festlegt. Diese Verfahren sind auch für die Instandhaltung verbindlich einzuhalten. Sachlich wird vorgeschrieben, dass die Norm grundsätzlich für alle Stromquellen für Lichtbogenschweißeinrichtungen bzw. verwandte Prozesse gilt, die in Übereinstimmung mit der IEC 60974-1 und 60974-6 gebaut wurden. Bezüglich selbstständiger Zusatzeinrichtungen, die nach anderen Teilen der IEC 60974 gebaut wurden, wird angeordnet, dass diese entsprechend den maßgeblichen Anforderungen der DIN EN 60974 zu prüfen sind. Für Deutschland wird ergänzend angemerkt, dass Schweißstromquellen mit jeder Zusatzeinrichtung geprüft werden können, die die Prüfergebnisse beeinflussen können.

Aufpassen

Es wird ausdrücklich vorgeschrieben, dass die Norm nicht für das Prüfen neuer Schweißstromquellen bzw. motorgetriebener Stromquellen gilt.

Bezüglich der Stromquellen, die nicht nach IEC 60974-1 gebaut wurden, wird auf den Anhang C verwiesen (siehe unten, Abschnitt 10).

In Abschnitt 2 der DIN EN 60974-4 wird – wie bisher – auf die einschlägigen IEC-Normen verwiesen. Ausdrücklich genannt werden hier die IEC 60050-151, IEC 60050-195 und 60050-851, die IEC 60974-1 und -6 sowie die IEC 61557-4 und IEC 61140.

Der Begriffskatalog der Norm

Wie üblich und sinnvoll, enthält auch die DIN EN 60974-4 einen Katalog der zwingend zu verwendenden Begrifflichkeiten. Es wird auch erwähnt, dass sich die Definitionen auf die o.g. IEC-Normen stützen.

Begriffsdefinitionen nach DIN EN 60974-4

Fachkraft Person, die aufgrund beruflicher Ausbildung, ausreichender Erfahrung und Kenntnis der entsprechenden Einrichtungen in der Lage ist, die übertragene Arbeit und mögliche Gefahren zu beurteilen und zu erkennen.

Hierzu wird unter Bezug auf die IEC 60974-1:2012 angemerkt, dass zur Beurteilung der fachlichen Ausbildung auch eine mehrjährige Tätigkeit auf dem betreffenden Arbeitsgebiet herangezogen werden darf.

Unterwiesene Person Person, die laut Norm über die übertragenen Arbeiten und über mögliche Gefahren durch unachtsames Verhalten unterwiesen wurde.

Hierzu wird unter Bezug auf die IEC 60974-1:2012 angemerkt, dass die Person – falls erforderlich – angelernt wurde.

Wiederkehrende Prüfung und Prüfung Laut Norm in festgelegten Intervallen durchgeführte Überprüfung zum Mindern des Gefährdungsrisikos.

Eigene Anmerkung: Hier handelt es sich m.E. um einen Übersetzungsfehler, gemeint ist sicherlich „Wiederkehrende Inspektion und Prüfung“!

Instandhaltung Laut Norm in festgelegten Intervallen durchgeführter Service zum Mindern von Gefährdungen und Betriebsstörungen.
Reparatur Wiederherstellen eines sicheren und bestimmungsgemäßen Betriebszustands.
Prüfpersonal Laut Norm unterwiesene Person oder Fachkraft, die zur Durchführung einer wiederkehrenden Inspektion und Prüfung ausgebildet und bevollmächtigt ist.

Allgemeine Anforderungen

Qualifiziertes Prüfpersonal

Abschnitt 4.1 beschäftigt sich mit der Qualifikation des Prüfpersonals. Hier schreibt die DIN EN 60974-4 vor, dass die Prüfungen von einer

  • unterwiesenen Person oder
  • einer Fachkraft im Bereich elektrischer Reparatur, die vorzugsweise mit dem Schweißen, Schneiden und verwandten Prozessen vertraut ist

durchgeführt wird.

Bezüglich der unterwiesenen Personen wird ausgeführt, dass diese – unter der Voraussetzung, dass das Gehäuse der Schweißeinrichtung nicht geöffnet werden muss – für die einfache wiederkehrende Inspektion und Instandhaltung als qualifiziert angesehen werden können. In einer Anmerkung zum Abschnitt 4.1 wird zu Recht darauf verwiesen, dass Spannungen und Ströme im Gehäuse lebensgefährlich sein können. Daher darf nur befähigtes Personal ein solches Gehäuse öffnen.

Praxistipp

Für den Normanwender ist natürlich relativ unklar, wer denn jetzt tatsächlich prüfen bzw. instand setzen darf. Meines Erachtens sollten diese Aufgaben grundsätzlich ausschließlich von einer Elektrofachkraft mit Erfahrungen im Schweißbereich übernommen werden – nur so ist unter allen Umständen sichergestellt, dass elektrischen Gefährdungen fachkundig entgegengetreten werden kann.

Um es allerdings ganz klar zu sagen: Die DIN EN 60974-4:2017-05 fordert vom Wortlaut her eben keine Elektrofachkraft (EFK), sie lässt sogar eine entsprechend unterwiesene Person oder eine „Fachkraft im Bereich elektrischer Reparatur“ als Prüfer zu.

Praxistipp

Um in diesbezüglichen Diskussionen mit Arbeitgebern die Elektrofachkraft als Prüfer durchzusetzen, empfehlen wir den Hinweis, dass der Arbeitgeber grundsätzlich für die Einhaltung der elektrischen Sicherheit rechtlich verantwortlich ist und bleibt. Dieses Risiko lässt sich für ihn nur minimieren, wenn die elektrischen Prüfungen der Schweißgeräte mit nachweislicher Prüfqualifikation durchgeführt werden.

Prüfbedingungen und Messgeräte

Prüfungen von Lichtbogenschweißeinrichtungen dürfen laut Unterabschnitt 4.2 grundsätzlich nur bei einer Umgebungstemperatur zwischen 10 °C und maximal 40 °C vorgenommen werden.

Praxistipp

Die Norm ordnet verständlicherweise an, dass die Einrichtung für Prüfungen gereinigt und trocken sein muss – ein wichtiger Punkt, der im betrieblichen Alltag gern verdrängt wird.

Wenig Auswirkungen dürfte dagegen die Verwendung des Begriffs Messgerät im Vergleich zu dem in der 2011er-Fassung noch gebräuchlichen „Messinstrument“ haben. Weiterhin wird bezüglich der Genauigkeit der Geräte mindestens die Genauigkeitsklasse 2,5 (Betriebsmessgeräte) verlangt.

Aufpassen

Bezüglich der Messung des Isolationswiderstands gibt es laut Abschnitt 4.3 keine konkreten Genauigkeitsfestlegungen. Dies ist bei der Widerstandsmessung angemessen zu berücksichtigen.

Wiederkehrende Inspektion und Prüfung

Bezüglich der Prüfungsdurchführung wird in Unterabschnitt 4.4 auf die in 4.7 festgelegte Reihenfolge verwiesen (siehe dort). Außerdem wird verlangt, dass ein Prüfbericht nach DIN EN 60974-4 Unterabschnitt 7.1 zu erstellen ist – letzter ist zu dokumentieren. Ergänzt werden die Anforderungen durch den Hinweis, dass während der Prüfungen die entsprechenden zusätzlichen Anweisungen des Herstellers Beachtung finden müssen.

Instandhaltung und Reparatur

Prüfungen im Rahmen der Instandhaltung (4.5) müssen ebenfalls in einem dokumentierten Prüfbericht gemäß den Vorgaben des Unterabschnitts 7.1 ihren Niederschlag finden. Natürlich ist auch hier ein ggf. vorhandener Instandhaltungsplan des Herstellers – wie auch entsprechende Anweisungen zur Instandhaltung – zu beachten. Wenn eine Reparatur oder der Austausch eines Bauteils an der Lichtbogenschweißeinrichtung vorgenommen wurde, muss gemäß Unterabschnitt 4.6 ein Fachmann geeignete Prüfungen unter Beachtung der in Abschnitt 4.7 geforderten Reihenfolge auswählen.

Dankenswerterweise wird hier angemerkt, dass bei kleineren Reparaturen (bspw. Lampen- oder Radwechsel) eine Prüfung in der Reihenfolge des Unterabschnitts 4.7 ggf. nicht notwendig ist. Die Beurteilung, was notwendig ist, liegt beim „Fachmann“.

Praxistipp

Gerade die Begrifflichkeiten bezüglich des qualifizierten Personals geraten hier wieder durcheinander. Wir haben in der Norm also jetzt eine unterwiesene Person, einen Fachmann, eine im Bereich elektrischer Reparatur tätige Fachkraft sowie eine Fachkraft, die zur Durchführung einer wiederkehrenden Inspektion und Prüfung ausgebildet und bevollmächtigt ist. Es wäre hilfreich, wenn sich die Norm ausschließlich auf eine „Elektrofachkraft mit Befähigung in Umgang mit Schweiß- oder Schneideinrichtungen“ beschränken würde. Wie oben schon ausgeführt, sind Sie so auf jeden Fall rechtlich und bezüglich der Normkonformität auf der sicheren Seite.

In Abschnitt 4.6 der Norm wird übrigens auch gefordert, dass Prüfungen nach Reparaturen in einem Prüfbericht dokumentiert werden müssen. Wiederholt wird auch der Hinweis, dass zusätzliche Herstelleranweisungen (hier werden Stromlaufpläne, Ersatzteillisten, Funktionsprüfungen der Stromquelle und Zusatzeinrichtungen beispielhaft aufgeführt) beachtet werden müssen.

Schutz gegen elektrischen Schlag

Sichtprüfungen

Hier schreibt die Norm nur ganz allgemein vor, dass die Sichtprüfung nach den Einsatzbedingungen der Schweißeinrichtungen und den Herstelleranweisungen durchgeführt werden muss. Hilfreich ist allerdings ein diesbezügliches Praxisbeispiel, das in Anhang A vorgestellt wird.

Durchgängigkeit des Schutzleiterstromkreises

Auch hier hat sich ein Flüchtigkeitsfehler eingeschlichen. Es heißt hier „Durchgängigkeit der Schutzleiterstromkreis“, gemeint ist aber natürlich Durchgängigkeit des Schutzleiterstromkreises wie in der 2011er-Fassung der DIN EN 60974-4. Die Norm verlangt hier, dass der maximal gemessene Schutzleiterwiderstand bei netzbetriebenen Lichtbogenschweißeinrichtungen der Schutzklasse 1 samt Zusatzgerät (bspw. Kühlvorrichtung) bei einer Netzanschlussleitungslänge von bis zu 5 Metern 0,3 ? nicht überschreiten darf.

Praxistipp

Ist die Leitung länger als die genannten 5 Meter, beträgt der zulässige Wert des Schutzleiterwiderstands pro 7,50 Meter Anschlussleitung jeweils 0,1 Ω mehr. Der Höchstwert wird laut Norm auf 1 Ω festgelegt.

Die neue Fassung enthält die Anforderung, dass die Übereinstimmung durch Messen des Widerstands zwischen dem Schutzleiterkontakt am Stecker und berührbaren leitfähigen Teilen mit einer Prüfeinrichtung nach IEC 61557-4 (DIN EN 61557-4:2007-12, VDE 0413-4:2007-12 „Sicherheit in Niederspannungsnetzen bis AC 1.000 V und DC 1.500 V – Geräte zum Prüfen, Messen oder Überwachen von Schutzmaßnahmen – Teil 4: Widerstand von Erdungsleitern, Schutzleitern und Potentialausgleichsleitern“) vorgenommen werden muss.

Aufpassen

Die Norm ordnet weiterhin verbindlich an, dass die Leitungen während der Messung (insbesondere in der Nähe von Leitungseinführungen in das Gehäuse) gebogen, gebeugt und verdreht werden müssen, damit Unterbrechungen im Schutzleiter aufgedeckt werden können.

Isolationswiderstand

Hier gelten weiterhin die bisherigen Werte, die Sie der nachfolgenden Übersicht entnehmen können. Steuerstromkreise werden zusammen mit dem Steuerkreis geprüft, mit dem sie galvanisch verbunden sind.

Aufpassen

Die Norm fordert allerdings jetzt, dass berührbare Steuerstromkreise, die von allen anderen Steuerstromkreisen getrennt sind, gemäß der Herstellervorgaben geprüft werden müssen.

Übersicht – Isolationswiderstandsmessung (in Anlehnung an Tabelle 2 der DIN EN 60974-4:2017-05)

Messung Widerstandswert Isolierung
Netzstromkreis gegen Schweißstromkreis 5,0 Ω doppelt oder verstärkt
Schweißstromkreis gegen Schutzleiterstromkreis 2,5 Ω Basis
Netzstromkreis gegen Schutzleiterstromkreis 2,5 Ω Basis
Netzstromkreis (Einrichtungen der Klasse 2) gegen berührbare Oberflächen

Anmerkung: Für Messungen von berührbaren nicht leitenden Oberflächen werden diese Oberflächen laut Norm als mit Metallfolie bedeckt angesehen.

5,0 Ω doppelt oder verstärkt

Es wird angemerkt, dass die geforderte Übereinstimmung bei der Isolationswiderstandsmessung grundsätzlich bei Raumtemperatur mit einer Gleichspannung von 500 V nach seiner Stabilisierung nachgewiesen werden muss. Für die Messung wird verlangt, dass

  1. der/die Brenner abgeklemmt sind,
  2. Halbleiterbauteile ggf. kurzgeschlossen sind und
  3. Flüssigkeitskühleinheiten ohne Flüssigkeit geprüft werden.

Berührungsstrom des Schweißstromkreises

In Unterabschnitt 5.4 gibt es eine sinnvolle Neuerung – mit Bezug auf die Basisnorm wird der Begriff „Ableitstrom“ durch Berührungsstrom und Schutzleiterstrom ersetzt. Die Norm schreibt jetzt vor, dass der Berührungsstrom zwischen den Schweißstromkreisanschlüssen und dem Schutzleiteranschluss den Effektivwert von 10 mA keinesfalls überschreiten darf.

Praxistipp

Die Übereinstimmung muss durch Sichtprüfung und Messen des Berührungsstroms in einem von der Norm konkret vorgeschriebenen Messkreis (siehe Bild 1 der DIN EN 60974-4) beim Bemessungswert der Netzspannung(en) im Leerlauf nachgewiesen werden.

Den entsprechenden Messkreis können wir leider aus urheberrechtlichen Gründen hier nicht abbilden, Sie finden das entsprechende Bild 1 auf Seite 9 der Norm. Dort wird diesbezüglich auch angemerkt, dass für Lichtbogenschweißeinrichtungen der Klasse II die Erdanschlussklemme des geerdeten Versorgungsnetzwerks verwendet werden muss.

Berührungsstrom bei Normalbetrieb

Im Gegensatz zur 2011er-Fassung geht es in Unterabschnitt 5.5 nicht mehr um den primären Ableitstrom, sondern um den Berührungsstrom im Normalbetrieb. Hier wird gefordert, dass der Berührungsstrom für berührbare leitende Oberflächen, die nicht an einen Schutzleiterstromkreis angeschlossen sind, unter normalen Betriebsbedingungen den Effektivwert von 0,5 mA keinesfalls überschreiten dürfe. Das Messen des Berührungsstroms muss in Übereinstimmung mit Bild 2 auf Seite 9 der DIN EN 60974-4:2017-05 vorgenommen werden (kann hier nicht abgebildet werden). Bei der Messung sind folgende drei Vorgaben zwingend zu beachten:

  1. Die Schweißstromquelle ist gegen das Erdpotenzial isoliert und wird mit der höchstbemessenen Erdspannung versorgt;
  2. der Schweißstromkreis befindet sich im Leerlauf und
  3. die Funkentstörkondensatoren sind nicht getrennt.

Schutzleiterstrom

Der Unterabschnitt 5.6 wurde ebenfalls neu gefasst. Wie schon beim Berührungsstrom des Schweißstromkreises wird festgeschrieben, dass der Schutzleiterstrom bei Lichtbogenschweißeinrichtungen der Klasse I den Effektivwert von 10 mA keinesfalls überschreiten darf.

Praxistipp

Einrichtungen zum dauerhaften Anschluss mit einem verstärkten Schutzleiter nach IEC 61140 (DIN EN 61140:2016-11; VDE 0140-1:2016-11) sind davon allerdings ausdrücklich ausgenommen. Diese dürfen einen Ableitstrom bis zu 5 % des Bemessungs-Netzstroms je Phase aufweisen.

Bezüglich der Schutzleiterstrom-Messung wird in der Norm auf das Bild 3 verwiesen (siehe DIN EN 60974-4:2017-05, S. 11). Hier gelten bei einphasigen Einrichtungen nahezu dieselben Vorgaben wie der Berührungsstrom-Messung beim Normalbetrieb (siehe oben), allerdings mit einer notwendigen Ergänzung:

  • Die Schweißstromquelle ist
    • gegen das Erdpotenzial isoliert,
    • sie wird mit der höchstbemessenen Erdspannung versorgt und
    • sie darf nicht an den Schutzleiter angeschlossen sein (ausgenommen durch Metallteile);
  • der Schweißstromkreis befindet sich im Leerlauf und
  • die Funkentstörkondensatoren sind nicht getrennt.

Es ist zulässig, die Messung des Schutzleiterstroms direkt oder als Differenzstrom vorzunehmen.

Aufpassen

Die Norm schreibt vor, dass die Grenzabweichung für die Werte der Bauelemente der Messschaltung + 5 % nicht überschreiten darf.

Es wird noch darauf hingewiesen, dass Lichtbogenschweißeinrichtungen zum dauerhaften Anschluss mit einem verstärkten Schutzleiter nach den Herstelleranweisungen geprüft werden müssen.

Aufpassen

Die Norm schreibt aus Vorsichtsgründen ausdrücklich vor, dass Schutzleiterstrommessungen nur von einer befähigten Person durchgeführt werden dürfen. Wie unter 4.1 ausgeführt, empfehlen wir, die Prüfung ausschließlich von Elektrofachkräften mit Prüferfahrung im Schweißbereich durchzuführen.

Leerlaufspannung

Das Thema Leerlaufspannung wurde bislang unter 5.6 geregelt, die 2017er-Fassung der DIN EN 60974-4 enthält die entsprechenden Vorgaben jetzt im neuen Unterabschnitt 5.7. Laut Norm dürfen die Scheitelwerte der höchsten Leerlaufspannung bei allen möglichen Einstellungen der Stromquelle

  • nicht höher als + 15 % der Leerlaufspannung U0 und
  • die in Tabelle 13 der IEC 60974-1 (aktuelle Fassung DIN EN 60974-1:2013-06; VDE 0544-1:2013-06) angegebenen Werte nicht überschreiten,

wenn die Stromquelle beim Netzspannungs- und Frequenzbemessungswert versorgt wird.

Praxistipp

Die Norm weist darauf hin, dass vor der Prüfung ggf. – insoweit der Hersteller oder die Bedienungsanleitung dies vorsieht – Zünd- und Stabilisierungseinrichtungen ausgebaut oder überbrückt werden müssen.

Bezüglich der Messung der Leerlaufspannung wird vorgeschrieben, dass diese zwischen den Schweißstrom-Ausgangsklemmen vorgenommen werden soll. Wenn dies bspw. aus Sicherheits- oder Steuerungsgründen nicht möglich ist, soll die Leerspannung zwischen Brenner und Schweißstrom-Rückleitungsanschluss gemessen werden. Bei Plasma-Schweißstromquellen ist diese Prüfung entbehrlich.

Aufpassen

Wird auf dem Leistungsschild der Lichtbogenschweißeinrichtung der Bemessungswert der reduzierten Leerlaufspannung (UR) oder der geschalteten Leerlaufspannung (US) definiert, müssen verständlicherweise UR bzw. US statt U0 gemessen werden.

Die Übereinstimmung mit der Norm muss durch Messen der

Effektivwerte (zum Messen des echten Effektivwerts muss ein Gerät mit einem Widerstand des äußeren Schweißstromkreises von 5 kΩ verwendet werden!) und

Scheitelwerte erfolgen. (Um reproduzierbare Messungen von Scheitelwerten zu bekommen, bietet die DIN EN 60974-4:2017-05 auf S. 12 ein entsprechendes Schaltmodell an. Diese Schaltung kann – unter Vernachlässigung von Impulsen, die nicht gefährlich sind – zur Messung verwendet werden.)

Weiterhin fordert die Norm hier, dass der Spannungsmesser Mittelwerte anzeigen muss. Der gewählte Messbereich muss dem tatsächlichen Wert der Leerlaufspannung möglichst nahekommen. Der Spannungsmesser selbst muss darüber hinaus einen Innenwiderstand von mindestens 1 MΩ aufweisen.

Aufpassen

Die Grenzabweichung für die Werte der Bauteile der Messschaltung darf nicht mehr als + 5 % betragen.

Die Mindestleistung eines Widerstands von 0,2 Ω beträgt laut Norm 65 W. Bezüglich des Regelwiderstands wird gefordert, dass dieser einem Stromwert von 0,6 A standhalten muss, Kondensatoren müssen einen Mindest-Spannungsbemessungswert von 200 V aufweisen.

Funktionsprüfung

Sicherheitstechnische Funktion

In Unterabschnitt 6.1 fordert die Norm, dass jede sicherheitstechnische Funktion, die vom Prüfer als relevant bewertet wird, auf einwandfreien Betrieb geprüft werden muss. Die Übereinstimmung mit der DIN EN 60974-4 muss durch Betätigen der Vorrichtung und durch Prüfen des einwandfreien Betriebs der Schweißstromquelle nachgewiesen werden. Es wird hier ausdrücklich klargestellt, dass zur Prüfung der Lichtbogenschweißeinrichtung zwingend die Funktionsfähigkeit durch „Betätigen der Vorrichtung“ zu prüfen ist. Dies gilt allerdings nur für die Prüfung nach einer Reparatur, nicht aber bei der wiederkehrenden Inspektion und Prüfung (siehe Anforderung in Unterabschnitt 4.4, die auf Unterabschnitt 4.7 der DIN EN 60974-4 verweist).

Praxistipp

Trotzdem ist dem verantwortlichem Prüfer zu empfehlen, auch bei der wiederkehrenden Prüfung grundsätzlich alle sicherheitsrelevanten Vorrichtungen auf Funktionsfähigkeit zu kontrollieren.

Ein-/Ausschalteinrichtung für den Netzanschluss

Hier wurde im Vergleich zur Vorgängerversion lediglich der Titel des Unterabschnitts 6.2 umformuliert, inhaltliche Änderungen sind damit nicht verbunden. Weiterhin fordert die Norm bezüglich eingebauter Ein-/Ausschalteinrichtungen für den Netzanschluss (bspw. Schalter, Schütz oder Leitungsschalter), dass diese

  • alle nicht geerdeten Hauptkondensatoren öffnen und schließen und
  • deutlich anzeigen, ob der Stromkreis offen oder geschlossen ist.

Die Übereinstimmung mit den Normanforderungen muss durch Sichtprüfung und Messen nachgewiesen werden.

Spannungsminderungseinrichtung

Verständlicherweise fordert die Norm, dass bei Verwendung einer Spannungsminderungseinrichtung diese auf einwandfreie Funktionsfähigkeit geprüft werden muss.

Praxistipp

Bezüglich der Übereinstimmung mit den Normanforderungen wird eine Messung der reduzierten Leerlaufspannung (UR) verlangt. Ebenfalls zwingend vorgeschrieben ist die Sichtprüfung im belasteten und unbelasteten Zustand.

Gas-Magnetventil

Laut Unterabschnitt 6.4 muss jedes Gas-Magnetventil der Lichtbogenschweißeinrichtung (bspw. TIG-, MIG-/MAG-, Plasma-Stromquellen) auf einwandfreie Funktionsfähigkeit geprüft werden. Die Übereinstimmung mit den Normanforderungen muss durch Sichtprüfung und folgende Vorgänge oder durch ein vom Hersteller festgelegtes Prüfungsverfahren nachgewiesen werden:

Funktion

Die Norm schreibt hier vor, dass der Brennerauslöser zu betätigen ist und anhand des Gasflusses festgestellt wird, ob das Ventil ordnungsgemäß funktioniert.

Dichtheit

Diesbezüglich wird verlangt, dass das System unter Druck zu setzen ist und auf Leckagen bzw. Druckabfall überprüft wird.

Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass gerade flexible Gasschläuche und deren Anschlüsse undicht sein können.

Melde- und Kontrollleuchten

Sofern möglich, sind alle entsprechenden Anzeigen auf einwandfreie Funktionsfähigkeit zu überprüfen.

Praxistipp

Eine einfache Sichtprüfung ist als Nachweis ausreichend.

Dokumentationsanforderungen

Prüfbericht

Wie bisher muss der Prüfbericht laut DIN EN 60974-4 folgende Punkte mindestens enthalten:

  • Bezeichnung der Lichtbogenschweißeinrichtung
  • Prüfungsdatum
  • Netzspannung
  • Prüfungsergebnis
  • Name des Prüfpersonals und die seiner Institution
  • Unterschrift des Prüfers
  • Bezeichnung der verwendeten Prüfgeräte

Außerdem müssen die inhaltlichen Anforderungen der Tabelle 1 bezüglich wiederkehrender Prüfung und Inspektion bzw. Prüfung nach einer Reparatur enthalten sein.

Aufpassen

Sollten einzelne Prüfungsteile nicht durchgeführt worden sein, muss dies im Prüfbericht vermerkt werden.

Etikett

Laut Norm muss an der Lichtbogenschweißeinrichtung ein Etikett angebracht werden, um zu zeigen, dass die Prüfungen bestanden wurden. Auf dem Etikett ist – in Abhängigkeit von den örtlichen Regelungen – entweder das Prüfdatum oder das für die nächste Prüfung empfohlene Datum zu vermerken.

Hinweis

Hier sind natürlich vorrangig die einschlägigen Vorgaben der BetrSichV 2015 und der Unfallverhütungsvorschriften (bspw. DGUV Vorschrift 3) zu beachten.

Vor 1989 gebaute Lichtbogenschweißeinrichtungen

Der informative Anhang C enthält nicht (!) zwingende Vorgaben, wie mit älteren Schweißeinrichtungen, die nicht nach IEC 60974-4 (erste Veröffentlichung 1989) gebaut worden sind, umzugehen ist. Diese Geräte dürften nämlich kaum die Anforderungen der DIN EN 60974-4 erfüllen können.

Hier sollte der Prüfer im Prüfbericht folgende Punkte vermerken:

  • Anforderungen, die nicht erfüllt werden,
  • Ausmaß, zu dem die Anforderungen nicht erfüllt werden,
  • Risikobeurteilung, die sich aus den nicht erfüllten Anforderungen ergibt und
  • ggf. erforderliche Korrekturmaßnahmen.

Bezweckt wird damit, den Eigentümer darauf hinzuweisen, eine geeignete Entscheidung zur weiteren Verwendung der alten Schweißeinrichtung zu treffen.

Autor: Ernst Schneider