29.05.2017

Wartung von Photovoltaikanlagen

Die folgenden Punkte sollten Sie als Elektrofachkraft für die sichere Durchführung von Wartungsarbeiten an Photovoltaikanlagen beherzigen.

Photovoltaikanlagen

Wartung und Funktionskontrolle vor Ort

Die Wartung und Funktionskontrolle vor Ort ist ein wesentlicher Bestandteil einer nachhaltigen Wartungsstrategie bei Photovoltaikanlagen.

Sichtprüfung

Die Elektrofachkraft überprüft und wartet einmal halbjährlich vor Ort den Zustand und die Funktion der Photovoltaikanlage und führt anfallende Wartungsaufgaben durch. Dabei wird eine stichprobenartige Sichtprüfung der Unterkonstruktion bzw. Modulklemmen, Module, Wechselrichter, Transformatoren und der elektrischen Verkabelung durchgeführt.

Schriftliche Dokumentation

Die Ergebnisse der regelmäßigen Wartung sollten in einem Bericht schriftlich niedergelegt werden.

Reinigung

Abhängig vom Zustand der Photovoltaikanlagen sollte einmal jährlich auch eine Reinigung durchgeführt werden. Dabei sollte der Termin mindestens eine Woche vor der Ausführung ankündigt werden. Bei landwirtschaftlichen Gebäuden kann eine halbjährliche Reinigung vor und während der ertragreichen Sommermonate erfolgen.

Beseitigung von Störungen und Ertragsminderungen

Die Elektrofachkraft ist während des ordentlichen Betriebs der Photovoltaikanlagen für die Beseitigung von Störungen und Ertragsminderungen verantwortlich.

Fernüberwachung

Während der Fernüberwachung der Photovoltaikanlagen sollten festgestellte Störungen bzw. Fehler analysiert werden.

Anfallende Kosten

Dabei sollte nach den technischen Ursachen gesucht und bei Bedarf die entsprechende Behebung des Mangels eingeleitet werden. Abhängig von der vertraglichen Vereinbarung im Wartungsvertrag stellt die Elektrofachkraft hierbei anfallende Kosten bezüglich Reparatur, Material, Versand und Austausch in Rechnung.

Umsetzung der Reparaturmaßnahmen

Handelt es sich um Störungen, die keine bzw. eine vernachlässigbare Ertragsminderung zur Folge haben, können die Reparaturmaßnahmen zu einem späteren Zeitpunkt umgesetzt werden. Bei Störungen, die eine wesentliche Ertragsminderung zur Folge haben, sollte die Elektrofachkraft innerhalb von typischerweise 24 Stunden den Vorgang zur Prüfung sowie eventuelle Reparaturmaßnahmen einleiten.

Schnelle Fehlerbehebung

Dafür wird empfohlen, entsprechendes Kleinmaterial vorzuhalten, um eine schnelle Fehlerbehebung zu ermöglichen. Handelt es sich um Ersatzteile, die durch Gewährleistungen Dritter abgedeckt sind bzw. zusätzlich beschafft werden müssen, so verzögert sich die Reparaturmaßnahme entsprechend. Dennoch sollte die Elektrofachkraft sicherstellen, dass nach Erhalt sämtlicher Ersatzteile der Schaden innerhalb von typischerweise 48 Stunden behoben wird.

Koordination von Dienstleistern

Falls Störungen an elektrischen Geräten wie z.B. Wechselrichtern oder einer Transformatorstation auftreten, die die Elektrofachkraft nicht eigenständig beheben kann oder aufgrund von Garantiebedingungen nicht durchführen sollte, so sollte die Elektrofachkraft eine schnelle Störungsbeseitigung durch die jeweilige Servicefirma des Geräteherstellers koordinieren.

Achtung
Falls Gefahr droht, muss die Elektrofachkraft sofort notwendige Reparaturen bzw. Maßnahmen zur Störungsbeseitigung durchführen.

Dokumentationsmanagement für die Elektrofachkraft

Die Wartung von Photovoltaikanlagen stellt spezielle Anforderungen bezüglich des Dokumentationsmanagements an die Elektrofachkraft.

Monatliche Berichterstattung

So sollte die Elektrofachkraft eine vollumfängliche Dokumentation mit allen wesentlichen Informationen des Anlagenbetriebs erstellen. Dabei sollte sie dem Anlagenbetreiber typischerweise eine monatliche Zusammenstellung eventueller Störungen des Betriebs und eine Beschreibung des Zustands der Photovoltaikanlage zur Verfügung stellen. Zudem sollte die Elektrofachkraft in diesem Zusammenhang über die Durchführung von Reparaturarbeiten informieren.

Dokumente

Die Elektrofachkraft stellt im Rahmen der Wartung typischerweise folgende Dokumente in elektronischer Form zur Verfügung:

  • Protokolle (Anfangs-, Abnahme-, Mess-, Prüfprotokolle)
  • monatliche und jährliche Auswertung der Fernüberwachung
  • Wartungsberichte von der Wartung vor Ort inkl. Fotos und Auswertung der thermografischen Untersuchung oder evtl. Messungen wie z.B. Isolations- oder Kennlinienmessung
  • Reinigungsberichte inkl. Analyse des Reinigungsbedarfs, Fotos etc.

Nachhaltige Informationssicherung

Dabei sollte im Rahmen des elektronischen Dokumentationsmanagements eine nachhaltige Informationssicherung erfolgen.

Ein systematisches Dokumentationsmanagement beinhaltet den Anlagenstandort, den Kunden, den Prüfungstermin, die Berichtsnummer und den geplanten Termin für die wiederkehrende Prüfung der Photovoltaikanlage.

Weiterführende Veröffentlichungen zum Thema Wartung bei Photovoltaikanlagen

Literaturhinweise

  • Leitfaden Photovoltaische Anlagen, Hrsg.: Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie, Landesverband Berlin Brandenburg e.V., 4. Auflage, ISBN 978-3-00-023734-8
  • Wartung bei PV-Anlagen, K&S Schulung, www.krugundschram.de, 2016
  • VdS 2046 „Sicherheitsvorschriften für elektrische Anlagen bis 1.000 V“
  • RAL, Abnahmeprotokoll nach den Besonderen Güte- und Prüfbestimmungen photovoltaischer Anlagen P3 (GZ 966)
  • Unfallverhütungsvorschrift DGUV Vorschrift 3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ in der aktuellen Fassung
Autor: Dr.-Ing. Florian Krug