06.10.2015

Schutzhelme für elektrotechnische Arbeiten

Eine sichere persönliche Schutzausrüstung (PSA) ist bei elektrotechnischen Arbeiten unverzichtbar. Dazu gehört ein Schutzhelm, der den Kopf vor den Einwirkungen eines Lichtbogens oder bei einem Sturz schützt. Welche gesetzlichen Anforderungen für einen Schutzhelm gelten, erläutert unser Fachbeitrag.

Anforderungen an Industrieschutzhelme

Schutzhelme fallen in den Geltungsbereich der PSA-Herstellerrichtlinie (89/686/EWG) und müssen deshalb vor In-Verkehr-Bringen einer Baumusterprüfung unterzogen werden, ob sie die Anforderungen der Richtlinie und der entsprechenden harmonisierten Normen erfüllen. Damit wird sichergestellt, dass nur solche Schutzhelme auf den Markt kommen, die im Neuzustand u.a. die elementaren Schutzanforderungen hinsichtlich des Stoßdämpfungsvermögens und der Durchdringungsfestigkeit erfüllen.

Schutzhelme zum Schutz gegen elektrische Gefahren müssen zusätzlich eine ausreichende Stabilität gegenüber thermischen Einwirkungen, z.B. eines Lichtbogens, und natürlich entsprechende isolierende Eigenschaften nachweisen.

EN 397 und EN 50365: Normen für Schutzhelme

Basisnorm für alle Industrieschutzhelme ist die EN 397. Helme, die für elektrotechnische Arbeiten eingesetzt werden sollen, müssen zusätzlich die Anforderungen der EN 50365 erfüllen. Vorsicht ist geboten bei Helmen, die nur den Anforderungen des Teils 8 der EN 397 entsprechen. Diese Helme wurden nicht entsprechend den Anforderungen für das Arbeiten unter Spannung geprüft und sind leicht an der „440 V“-Kennzeichnung zu erkennen. Mag sein, dass einzelne Helme trotzdem zum Arbeiten geeignet sein könnten, dies sollte man sich aber durch ein entsprechendes Herstellerzertifikat bestätigen lassen.

Lüftungslöcher bei Schutzhelmen sind erlaubt

Vielfach bestand die Auffassung, dass isolierende Schutzhelme keine Lüftungslöcher enthalten sollen. Gerade bei erhöhten Umgebungstemperaturen tragen diese Öffnungen aber zu einem effektiven Luftaustausch unter der Helmschale bei. Deshalb wurden diese Öffnungen auch in der EN 50356 integriert, wobei gegenüber der Grundnorm zusätzliche Anforderungen gestellt wurden.

Richtige Auswahl des Schutzhelms

Die Auswahl eines geeigneten Schutzhelms für elektrotechnische Arbeiten gestaltet sich im Allgemeinen schwierig, sind doch neben dem Schutz gegen herabfallende Gegenstände oder Anstoßen vor allem die elektrischen Gefahren in Form einer Körperdurchströmung bzw. einer Lichtbogeneinwirkung zu berücksichtigen. Grundsätzlich stehen zwei Materialien für die Helmherstellung zur Verfügung – es gibt thermo- oder duroplastische Helme.

  • Thermoplastische Helme zeichnen sich besonders durch das geringe Gewicht und die gute elektrisch isolierende Wirkung aus, jedoch besitzen sie nur geringe thermische Stabilität. Der Einwirkung eines Störlichtbogens können sie deshalb meist nur wenig entgegensetzen. Neuere Entwicklungen zeigen aber, dass auch diese Helme thermisch so stabilisiert werden konnten, dass sie auch stärkeren Störlichtbögen standhalten können.
  • Duroplastische Helme haben ein höheres Gewicht und meist keine ausreichenden isolierenden Eigenschaften, dafür aber eine weitaus bessere thermische Stabilität. Diese Helme bieten deshalb auch bei intensiver Störlichtbogeneinwirkung in Verbindung mit den anderen persönlichen Schutzausrüstungen einen wirksamen Schutz.

Im Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung muss letztlich entschieden werden, gegen welche der beiden elektrischen Gefahren vorrangig Maßnahmen ergriffen werden sollten.

Alternativer Schutz durch Schutzhaube

Eine echte Alternative zum Schutz von Kopf und Gesicht gegen Störlichtbogeneinwirkung stellt eine Schutzhaube dar, bestehend aus einer Schirmmütze mit Sichtscheibe. Das verwendete Nomex-Material für die Mütze und den Frontschutz sowie die Sichtscheibe aus Acetat bieten eine weitaus bessere Schutzwirkung im Vergleich zum Schutzhelm mit Gesichtsschutzschirm. Zudem lässt sich die Schutzhaube leicht zusammenlegen und kann platzsparend untergebracht werden. Dabei sollte die Sichtscheibe allerdings gegen Kratzer geschützt sein.

Autor: Jens Jühling