04.02.2020

Rauchwarnmelder DIN 14676

Rauchwarnmelder können Leben retten. Besonders nachts im Schlaf besteht die Gefahr, Rauchgase nicht wahrzunehmen. Zahlreiche Menschen sind deshalb bereits im Schlaf von einem Brand überrascht worden. Verletzte und Tote waren die Folge. Grund genug, dass aus der anfänglichen Freiwilligkeit zur Installation von Rauchmeldern eine Pflicht wurde! Doch was genau sagt die DIN 14676 "Rauchwarnmelder für Wohnhäuser, Wohnungen und Räume mit wohnungsähnlicher Nutzung"?

Ein Rauchwarnmelder wird montiert. Dazu gehört die DIN 14676.

DIN 14676 besteht jetzt aus zwei Teilen

Die zurzeit gültige und in diesem Fachbeitrag beschriebene DIN 14676 wurde nach abermaliger Aktualisierung im Dezember 2018 veröffentlicht. Die alte DIN 14676 wurde dazu in zwei Teile gegliedert: 14676-1 und 14676-2.

Rauchwarnmelder DIN 14676-1

Teil 1 befasst sich mit Planung, Einbau, Betrieb und Instandhaltung von Rauchwarnmeldern.

Rauchwarnmelder DIN 14676-2

Im Gegensatz dazu stellt Teil 2 Anforderungen an den Dienstleistungserbringer. In die nunmehr aktuelle DIN 14676 von Dezember 2018 sind, laut Vorwort der Norm, die praktischen Erfahrungen aus der Anwendung seit der letzten Veröffentlichung 2012 eingeflossen.

Zielgruppendefinition und Schutzziel

Die Norm richtet sich primär an die für den Brandschutz zuständigen Behörden und am Bau beteiligten Personen. Zielgruppe der DIN-Norm sind insbesondere:

  • Sachverständige
  • Feuerwehren
  • Hersteller von Rauchmeldern
  • Planer
  • Architekten
  • Errichter
  • Dienstleistungserbringer der Immobilienwirtschaft
  • Bauherren
  • Eigentümer
  • Bewohner

Rauchwarnmelder DIN 14676: Schutzziel

Das Schutzziel der Norm ist die frühzeitige Warnung von anwesenden Personen vor Brandrauch und Bränden.

Den betroffenen Personen soll so die Möglichkeit gegeben werden, auf das Gefahrenereignis angemessen, z.B. mit Evakuierung bzw. Selbstrettung, reagieren zu können.

Anwendungsbereich der Norm

Im Anwendungsbereich der Norm wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Rauchwarnmelder nicht zur Weiterleitung eines Alarms an die Feuerwehr genutzt werden dürfen. Sie sind kein Ersatz für bauordnungsrechtlich geforderte Brandmelde- oder Alarmierungsanlagen, wie sie in einem Baugenehmigungsverfahren gefordert werden. Ebenso können dadurch keine Brandmelde- oder Alarmierungsanlagen ersetzt werden, wie sie in Sonderbauvorschriften der Bundesländer gefordert sind.

Somit können Rauchwarnmelder nach DIN 14676 nicht als Ersatz für Räume und bauliche Anlagen genutzt werden, für die eine Brandmeldeanlage nach DIN 14675 gefordert ist.

Allgemeines zu Rauchwarnmeldern

Grundsätzlich müssen alle Rauchwarnmelder im Anwendungsbereich der DIN 14676 einer eigenständigen europäischen Produktnorm, der DIN EN 14604, entsprechen.

Ersatzstromversorgung erforderlich

Rauchwarnmelder können am 230-V-Allgemeinstromnetz betrieben werden. In diesem Fall ist jedoch eine zusätzliche, von der Allgemeinstromversorgung unabhängige Energieversorgung erforderlich – etwa in Form einer Batterie bzw. eines Akkumulators als Ersatzstromversorgung. Diese stellt bei einem Ausfall der 230-V-Netzversorgung den Weiterbetrieb des Rauchwarnmelders sicher.

Rauchwarnmelder mit akustischen Warnsignalen

Rauchwarnmelder machen meist über ein akustisches Signal aufmerksam, wenn sie ein Brandereignis ermittelt haben. Dies kann jedoch für Personen, die ein eingeschränktes akustisches Wahrnehmungsvermögen besitzen (z.B. gehörgeschädigte oder schwerhörige Personen), nicht ausreichend sein. In diesem Fall sind zusätzliche geeignete Warneinrichtungen für andere Sinne vorzusehen, wie etwa Vibrationsplatten unter dem Kopfkissen als fühlbare Warneinrichtungen.

Schlaf- und Kinderzimmer sowie Flucht- und Rettungswege sind schützenswert

Da während des Schlafs die Wahrnehmung von Brandrauch stark vermindert ist, müssen alle Schlafbereiche sowie Flure und sonstigen Räume, über die Rettungswege von Aufenthaltsräumen führen, durch Rauchwarnmelder überwacht werden. Dabei sind insbesondere Kinder- und Schlafzimmer zu berücksichtigen.

Die nachfolgende Abbildung zeigt einen beispielhaften Wohnungsübersichtsplan mit installierten Rauchwarnmeldern im Schlaf- und Kinderzimmer sowie im Flurbereich. Diese Installation entspricht der Mindestinstallation gemäß den Landesbauordnungen der Bundesländer.

Rauchwarnmelder DIN 14676
Mindestanforderungen DIN 14676: Wohnungsübersichtsplan mit Rauchwarnmeldern im Schlafraum, Kinderzimmer und Flurbereich

So vermeiden Sie Täuschungsalarme durch fachgerechte Installation

Die vorherige Abbildung beschränkt sich auf die Mindestanforderungen. Laut Abs. 4.2.2.1 der Norm wird empfohlen, dass jeder Raum sowie jede Ebene eines Raums mit einem Rauchwarnmelder überwacht werden. In Küchen und Nassräumen wird der Einsatz von Rauchwarnmeldern jedoch nur empfohlen, wenn die Gefahr von Täuschungsalarmen (sogenannten Fehlalarmen) ausgeschlossen werden kann.

Bei einem Täuschungsalarm handelt es sich um die Auslösungen von Rauchwarnmeldern, die nicht durch Rauchgase, sondern durch andere sogenannte Täuschungsgrößen entstehen können:  Wasserdampf in der Küche beim Kochen, beim Duschen in Bädern oder Öffnen eines Wäschetrockners in der Waschküche. In der zweiten Abbildung soll exemplarisch die Ausstattung eines Einfamilienhauses mit Rauchwarnmeldern über die Mindestanforderungen hinaus dargestellt werden, also Rauchwarnmelder in jedem Raum sowie in jeder Ebene eines Raums.

In der nächsten Abbildung stellen die roten Rauchwarnmelder die Mindestanforderung, die grünen Rauchwarnmelder die optionalen, zusätzlich möglichen und die blauen die problematischen Rauchwarnmelder dar. Problematisch sind Rauchwarnmelder immer dann, wenn es aufgrund der Umgebungsbedingungen zu Fehlalarmierungen kommen kann.

Solche Fehlalarme können z.B. in der Küche wegen der dort möglichen Kochdünste oder Wasserdämpfe auftreten. Badezimmer oder Duschräume sind wegen der Wasserdämpfe aus den gleichen Gründen problematisch.

Ebenso besteht in einigen Räumen mit eventuell auftretenden Stäuben wie z.B. im Hobby- oder Werkraum die Gefahr eines Falschalarms. So können etwa die Benutzung einer Tischkreissäge für Holzarbeiten, das Abschmirgeln von Farbe an einem Möbelstück oder Schweißarbeiten für ein Gartentor im Werkraum einen Fehlalarm des Rauchwarnmelders auslösen. Die zuvor genannten Schwebteilchen in der Umgebungsluft können zu sogenannten Täuschungsalarmen führen. Diese Täuschungsalarme gilt es immer zu vermeiden.

Rauchwarnmelder in Einfamilienhaus
Übersichtsplan der Rauchmelderplatzierung in einem Einfamilienhaus

Abstand zum Herd beachten

In vielen Gebäuden und Wohnungen gibt es heute sogenannte „offene Küchen“. Dabei handelt es sich um Wohnküchen oder Küchen mit einem offenen Zugang zu den Wohnräumen. In den zuvor genannten Bereichen wird normativ der Einsatz von geeigneten Rauchwarnmeldern empfohlen. Dabei wird in der Norm jedoch auch darauf hingewiesen, dass der Abstand zum Herd mindestens 3 m betragen soll. So sollen Falschauslösungen vermieden werden.

Achtung: Küchen und Nassräume

Küchen und Nassräume sollten nur mit Rauchwarnmeldern ausgestattet werden, wenn die Leistungseigenschaften der Rauchwarnmelder (z.B. Rauchwarnmelder mit mehreren Auslösekriterien, sogenannte Mehrfachsensormelder) oder die räumliche Anbringung der Rauchwarnmelder (z.B. durch ausreichenden Abstand) diesen Täuschungsalarm sicher verhindern.

Empfehlung der Redaktion: Weiterlesen zur DIN 14676 Rauchwarnmelder

Sie lasen soeben einen Auszug aus dem Beitrag DIN 14676 Rauchwarnmelder für Wohnhäuser, Wohnungen und Räume mit wohnungsähnlicher Nutzung. In diesem Beitrag werden noch diese Themen besprochen: Projektierung mit Rauchwarnmeldern, Wandmontage von Rauchwarnmeldern, Räume mit starken Luftbewegungen, Decken- und Dachschrägen, Falschalarme und deren Vermeidung.

→ Lesen Sie mehr dazu in Elektrosicherheit in der Praxis – DVD.

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Autor: Dipl.-Ing. B.A. Christoph Schneppe (FH)