Fachbeitrag | Organisation
10.02.2015

Elektrotechnische Qualifikationen

Arbeiten an elektrischen Arbeits- und Betriebsmitteln dürfen nicht von jedem ausgeführt werden. Jede elektrotechnische Tätigkeit erfordert besondere elektrotechnische Qualifikationen der ausführenden Person. Normative Hinweise dazu sind insbesondere in den Bestimmungen der VDE 0105 Teil 100 bzw. VDE 1000 Teil 10 zu finden.

Elektrofachkräfte_Arbeit

Der elektrotechnische Laie (EL)

Personen ohne elektrotechnische Kenntnisse werden als elektrotechnische Laien bezeichnet. Sie dürfen bei vollständigem Berührungsschutz elektrische Anlagen und Betriebsmittel benutzen sowie einfache elektrotechnische Tätigkeiten durchführen. Der elektrotechnische Laie kann mit den Tätigkeiten Bedienen und Beobachten betraut werden. Typische Beispiele dafür sind:

  • die Benutzung elektrischer Betriebsmittel, wie z.B. Ein-/Ausschalten von elektrischen Geräten und Maschinen
  • das Überwachen der Betriebsmittel auf mögliche Schäden durch Sichtkontrollen an Verteilungen sowie Prüfen des Fehlerstromschutzschalters mit Prüftaste
  • das Einsetzen und Auswechseln von Schraubsicherungen bzw. Leuchtmitteln und herausnehmbarem Zubehör, wie z.B. Starter im spannungsfreien Zustand

Die elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP)

Für Arbeiten, die für den Laien zu gefährlich sind, jedoch nicht zwingend von einer Elektrofachkraft durchgeführt werden müssen, gibt es die Möglichkeit, eine elektrotechnisch unterwiesene Person auszubilden. Eine elektrotechnisch unterwiesene Person ist, wer durch eine Elektrofachkraft über die ihr übertragenen Aufgaben und die möglichen Gefahren bei unsachgemäßem Verhalten unterrichtet und erforderlichenfalls angelernt sowie über die notwendigen Schutzeinrichtungen und Schutzmaßnahmen belehrt wurde. Die EuP arbeitet immer unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft. Die EuP kann in der Instandhaltung eingesetzt werden. Das Instandhalten beinhaltet unterwiesene Tätigkeiten unter gleichen, vorhersehbaren Randbedingungen. Zu den Tätigkeiten gehören u.a.

  • das Auswechseln von Anschlussleitungen und Kupplungen,
  • das Auswechseln defekter Schutzverkleidungen an Steckdosen und Lichtschaltern oder
  • das An- und Abklemmen von Leuchten.

Die EuP unterstützt die Elektrofachkraft bei der Durchführung von Prüfungen entsprechend § 5 der DGUV Vorschrift 3 unter Verwendung geeigneter Prüfgerate mit Ja-/Nein-Aussage, z.B. bei der Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel wie Bürogeräte, Handbohrmaschinen oder Verlängerungs- und Geräteanschlussleitungen mit Steckvorrichtungen.

Die Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten (EFKffT)

Den Hintergrund für die Qualifikation zur Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten liefert § 5 der Handwerksordnung, die es erlaubt, Fremdgewerke in Verbindung mit dem eigenen Gewerk auszuführen. Um diesen Bedürfnissen sowohl im Handwerk als auch in der Industrie Rechnung zu tragen, wurde der Begriff „Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten“ in die Durchführungsanweisung zur DGUV Vorschrift 3 zu § 2 Absatz 3 aufgenommen. Festgelegte Tätigkeiten sind gleichartige, sich wiederholende elektrotechnische Arbeiten an Anlagen und Betriebsmitteln, die vom Arbeitgeber in einer Arbeitsanweisung festgelegt sind. Voraussetzung für deren Ausführung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine gleichwertige berufliche Tätigkeit. Diese muss für die festgelegten Tätigkeiten durch eine zusätzliche Ausbildung im elektrotechnischen Bereich ergänzbar sein. Die praktische Ausbildung wird an den infrage kommenden Anlagen und Betriebsmitteln durchgeführt. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung mit Prüfung in Theorie und Praxis hat die formale Bestellung durch den Arbeitgeber zu erfolgen.

Die Elektrofachkraft (EFK)

Elektrofachkraft ist, wer aufgrund der fachlichen Ausbildung, seiner Kenntnisse und Erfahrungen sowie der Kenntnisse über die einschlägigen Bestimmungen die übertragenen Arbeiten beurteilen und mögliche Gefahren, die von der Elektrizität ausgehen können, erkennen und vermeiden kann. Aus dieser Definition folgt, dass jede Elektrofachkraft nur in dem Bereich, in dem sie zeitnah Berufserfahrungen erworben hat, als Fachkraft anzusehen ist. Das Arbeiten an elektrischen Anlagen untersteht immer der Verantwortung einer Elektrofachkraft und schließt unterschiedliche Tätigkeiten ein, z.B.

  • Planen, Errichten, Ändern und Instandsetzen,
  • Fehlereingrenzung, Signalverfolgung oder Funktionsprüfung elektrischer Anlagen und Betriebsmittel sowie
  • alle sonstigen anfallenden elektrotechnischen Arbeiten.

Hilfreich zur Beurteilung, welche Qualifikation zur Ausübung einer Tätigkeit als Elektrofachkraft im Betrieb geeignet ist, ist die Durchführungsanweisung der DGUV Vorschrift 3 zu § 2 Absatz 3. Eine ultimative Elektrofachkraft, welche alle Bereiche der Elektrotechnik abdecken kann, gibt es nicht. Für besondere Fachgebiete müssen sich Elektrofachkräfte zusätzlich qualifizieren und diese Qualifikationen durch regelmäßige Anwendung erhalten. Inhalte zusätzlicher Qualifikationen können z.B. VDE-Prüfungen, Arbeiten unter Spannung, Mittelspannungs-Schalthandlungen oder elektrotechnische Tätigkeiten in explosionsgefährdeten Bereichen sein. Eine schriftliche Dokumentation belegt durchgeführte Sicherheitsunterweisungen und Zusatzkenntnisse. Sie ist in einigen Industriebereichen wie z.B. in der Erdöl- und Erdgasgewinnung in Form eines Sicherheitspasses Voraussetzung für den Zugang zu deren Arbeitsplätzen.

Autor: Christina Wernicke 

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