Fachbeitrag | Erneuerbare Energien
01.07.2015

Elektrosicherheit an Windenergieanlagen

Die Montage und Wartung von Windenergieanlagen bringt eine Vielzahl von Gefahren mit sich. Daher müssen spezielle Verhaltensweisen beim Betreten dieser Anlagen befolgt werden, um Unfällen vorzubeugen. Welche das sind, erklärt unser Experte.

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Anforderungen an das Personal von Windenergieanlagen

Für alle Arbeiten auf Windenergieanlagen sind nur Mitarbeiter zugelassen, deren arbeitsmedizinische Tauglichkeit durch Untersuchung eines Arztes nachgewiesen ist. Wartungsarbeiten an einer Windenergieanlage dürfen grundsätzlich nur durch mindestens zwei Mitarbeiter gemeinsam durchgeführt werden. Zu den Arbeiten wird die Windenergieanlage außer Betrieb genommen und gegen Wiedereinschalten durch Fernzugriff gesichert. Der Beginn und das Ende von Arbeiten, eventuell aufgetretene Probleme, Unfälle usw. werden in jedem Fall an die zentrale Fernüberwachung des Wartungsunternehmens kommuniziert sowie im Logbuch der Windenergieanlage eingetragen.

Windenergieanlagen: relevante Vorschriften

Für Arbeiten an Windenergieanlagen gelten allgemeinen Grundsätze des Arbeitsschutzes: Tragen von Sicherheitsschuhen und geeigneter Bekleidung, Benutzen der vom Wartungsunternehmen bereitgestellten Schutzausrüstung, Rauch- und Alkoholverbot. Zusätzlich sollten die Vorgaben des Windenergieanlagen-Hersteller, z.B. die Betriebsanleitung und das Wartungshandbuch der Windenergieanlage, die spezielle DGUV Information 203-007, die DGUV Vorschrift 3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ sowie die DIN EN 50308 „Windenergieanlagen – Arbeitssicherheit“ berücksichtigt werden.

Persönliche Schutzausrüstung (PSA)

Jeder Mitarbeiter, der zu Arbeiten auf Windenergieanlage eingesetzt wird, sollte dabei eine vom Unternehmen gestellte persönliche Schutzausrüstung (PSA) mitführen: Auffanggurt mit Steigschutzöse am Bauchgurt, mitlaufender Steigschutzschlitten mit Falldämpfer, Verbindungsmittel (Seil), Schutzhelm mit Kinnriemen, festes Schuhwerk mit Stahlkappe und Stahleinlage in der Sohle, Arbeitsanzug, Schutzhandschuhe, Gehörschutz (bei Bedarf), Schutzbrille (bei Bedarf). Die Elektrofachkraft ist zur Verwendung der persönlichen Schutzausrüstung verpflichtet.

Bei Arbeiten in der Höhe muss der Wartungsmitarbeiter immer gegen Absturz gesichert sein. Auf der Leiter ist der Sicherheitsgurt direkt mit dem Auffanggerät zu verbinden und zu sichern. Das vorhandene Sicherheitsschienensystem ist mit einem passenden Läufer zu verwenden. Es ist darauf zu achten, dass sich bei Arbeiten in der Höhe keine andere Person unmittelbar unter dem Arbeitenden aufhält. Werkzeug und andere Teile sind beim Aufstieg im Turm so mitzuführen, dass ein Herunterfallen nicht möglich ist. Falls notwendig, ist jedes Werkzeug einzeln zu sichern.

Gefährdungen durch elektrische Einrichtungen an Windenergieanlagen

Die kritischen Gefährdungen durch die vorhandenen elektrischen Anlagen in Betriebsräumen von Windenergieanlagen sind abhängig vom Grad des Berührungs- bzw. Lichtbogenschutzes sowie der vorhandenen Bedienungssicherheit. Arbeiten an der elektrischen Anlage dürfen daher ausschließlich von dazu ausgebildeten und beauftragten Wartungsmitarbeitern durchgeführt werden. Mitarbeiter, die einen Auftrag oder die notwendige Qualifikation nicht besitzen, dürfen weder Schalthandlungen noch Reparaturen oder Instandhaltungen ausführen.

Windenergieanlage als abgeschlossene elektrische Betriebsstätte

Die Windenergieanlage gilt als abgeschlossene elektrische Betriebsstätte. Damit finden die Richtlinien VDE 0101 und 0105 in ihrer jeweils gültigen Form Anwendung. Eine besondere elektrische Gefährdung geht von vorhandenen Mittelspannungsanlagen, Transformatoren und Niederspannungsverteileranlagen aus. Der Zutritt darf daher nur solchen Elektrofachkräften oder elektrotechnisch unterwiesenen Personen erteilt werden, denen spezielle Fachkenntnisse vermittelt wurden. Schalthandlungen und Bedienvorgänge dürfen nur von mindestens elektrotechnisch unterwiesenen Personen ausgeführt werden, z.B. Starten oder Stoppen der Windenergieanlage unter Verwendung der Steuerung. Das Betätigen von Schaltgeräten in Niederspannungs-Hauptstromkreisen darf nur von Elektrofachkräften entsprechend ausgeführt werden.

Die fünf Sicherheitsregeln an Windenergieanlagen

Eine Notwendigkeit, Wartungsarbeiten unter Spannung durchzuführen, existiert grundsätzlich nicht. Aus diesem Grund muss daher eine sichere Arbeitsstätte nach den fünf Sicherheitsregeln (Freischalten; Gegen Wiedereinschalten sichern; Spannungsfreiheit feststellen; Erden und kurzschließen; Benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken) eingerichtet werden. Teile der Windenergieanlage, die nach dem Freischalten noch unter Spannung stehen, z.B. Kabel und/oder Kondensatoren, müssen mit geeigneten Betriebsmitteln entladen werden. Ausgenommen hiervon sind Arbeiten an Akku-Notversorgungen, z.B. für die Hindernisbefeuerung oder die Rotorblattverstellung, unter Beachtung geeigneter Schutzmaßnahmen, die in den Montage- oder Arbeitsanweisungen der Windenergieanlage festgelegt sein sollten.

In Türmen und im Maschinenhaus existieren Bereiche, deren Begrenzungen teilweise oder vollständig aus metallischen Teilen bestehen und in denen das arbeitende Wartungspersonal mit dem Körper großflächig mit diesen Teilen in Berührung kommen kann. Hier sind besondere Maßnahmen für die sichere Durchführung der Arbeiten erforderlich.

Lichtbogengefährdungen in Windenergieanlagen

Um Lichtbogengefährdungen zu minimieren, sind sowohl bei der Errichtung als auch beim Betrieb elektrischer Anlagen geeignete Maßnahmen zu treffen, die eine Lichtbogenzündung ausschließen (z.B. Isolierungen) oder die Auswirkungen eines gezündeten Lichtbogens verringern (z.B. durch Lichtbogenstrombegrenzungen, Lichtbogenstromzeitbegrenzungen oder lichtbogenfeste Abdeckungen). Mit einer persönlichen Schutzausrüstung kann kein umfassender Schutz für alle infrage kommenden Wartungstätigkeiten bei Windenergieanlagen erreicht werden. Jedoch können die negativen Auswirkungen von Störlichtbögen in der Praxis verringert werden, wenn flammenhemmende Arbeitskleidung mit einem relativ hohen Baumwollanteil getragen wird. Bewährt haben sich in der betrieblichen Wartungspraxis flammenhemmend imprägnierte Stoffe aus reiner Baumwolle mit einem spezifischen Flächengewicht von mindestens 300 g/m2. Bei Windenergieanlagen mit einer Nennleistung über 1 MW können in bestimmten generator- oder transformatornahen Leistungsstromkreisen personengefährdende Lichtbögen auftreten, die nur durch das ordentliche Freischalten des Arbeitsbereichs vermieden werden können.

Bild: © artJazz/iStock/Thinkstock

Autor: Dr.-Ing. Florian Krug

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